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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Wie Nicole Lamotte die Kunsthalle in die Zukunft führen will

Autorin

Nicole Lamotte
Nicole Lamotte hat den Vorsitz des Kunstvereins in Bremen in schwierigen Zeiten übernommen. Bild: Kunsthalle Bremen | Marcus Meyer

Fast 200 Jahre lang wurde der Kunstverein Bremen von Männern geleitet. Nicole Lamotte ist nun die erste Frau an der Spitze des altehrwürdigen Vereins, der die Kunsthalle Bremen betreibt. Ihr finanzieller Sachverstand als Geschäftsführerin eines Unternehmens ist gerade jetzt gefragt, wo jede Ausstellung, die corona-bedingt nicht gezeigt werden kann, auch ein Kostenrisiko darstellt.

Gesprächszeit "Ein Museum ist auch ein Integrations- und Diskussionsort" – Nicole Lamotte

Fast 200 Jahre lang wurde der Kunstverein Bremen von Männern geleitet. Nun steht Nicole Lamotte an der Spitze des Vereins, der die Kunsthalle Bremen betreibt.

Audio vom 11. Februar 2021
Nicole Lamotte
Bild: Kunsthalle Bremen | Marcus Meyer

Bevor Nicole Lamotte die Aufgabe der Vorsitzerin des Kunstvereins im Oktober 2020 übernommen hatte, gehörte sie viele Jahre zum Vereinsvorstand. "Im Verein haben wir einen deutlichen Frauenüberschuss. Und sie sind es hauptsächlich, die sich dort in den verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten engagieren. Insofern ist es ganz folgerichtig, dass auch einmal eine Frau an der Spitze des Kunstvereins steht", so Lamotte.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass unsere Kinder auch Mitglied im Kunstverein sind.

Nicole Lamotte über ihr Ziel, junge Kunstinteressierte zu begeistern

Gut 10.000 Mitglieder gehören zum Bremer Kunstverein. Mehr als die Hälfte ist über 60 Jahre alt. Nicole Lamotte hat nun den Nachwuchs besonders im Blick: "Ich habe mir vorgenommen, auf die Jüngeren zu schauen, und zwar nicht nur auf die eher museumsfernen. Es geht auch um die Kinder unserer jetzigen Mitglieder. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass unsere Kinder auch Mitglied im Kunstverein sind. Sondern das muss wieder angeregt werden und wir müssen Formate finden, dass das für sie interessant ist."

Auch die Kunsthalle selbst braucht immer wieder neue Formate für neue Zielgruppen: aktuelle Themen, digitale Museumstouren, spezielle Angebote für Zugewanderte. "Für mich ist ein Museum – zum Beispiel, wenn wir von Menschen mit Migrationshintergrund sprechen – auch ein Integrationsort und ein Diskussionsort", sagt Nicole Lamotte. Sie unterstützt Direktor Christoph Grunenberg, dem es sehr wichtig ist, Gegenwartsbezüge und aktuelle Themen in die Ausstellungen hinein zu bringen, "ohne dadurch den Anspruch zu verlieren oder zu verflachen", wie Nicole Lamotte betont. "Das ist die Herausforderung heute", ist die neue Vorsitzerin überzeugt.

Geschäftsführerin eines Bremer Familienunternehmens

Momentan darf niemand die Kunsthalle besuchen. Corona sorgt nicht nur für ausbleibendes Publikum, sondern auch für einen Ausstellungsstau und für Kurzarbeit bei den Beschäftigten: "Wir hoffen allerdings, dass wir 2020 mit Hilfe der verschiedenen staatlichen Hilfen kein Loch in unsere Kasse gerissen bekommen, sondern dass wir da gut rauskommen. Ganz offen ist aber noch, was 2021 passiert." Immerhin kennt sich Nicole Lamotte mit Finanzen bestens aus; sie ist als studierte Betriebswirtin und Geschäftsführerin im Bremer Familienunternehmen "Henry Lamotte Services". Die Firma ist zwar noch nicht so alt wie der Bremer Kunstverein, hat aber in fast 100 Jahren Firmengeschichte auch einen Weltkrieg und die eine oder andere Wirtschaftskrise überstanden.

Jede Ausstellung ist auch ein Kostenrisiko. Wir wollen natürlich vermeiden, dass wir eine Ausstellung gar nicht zeigen können.

Nicole Lamotte über die derzeitigen Schwierigkeiten, Ausstellungen zu planen

Wenn Nicole Lamotte nicht in der Firma oder im Kunstverein aktiv ist, reist sie viel – unter anderem nach Australien, wo einer ihrer Söhne lebt. Auch Konzerte besucht sie gern, da schon in ihrem Elternhaus in Reinbek bei Hamburg viel musiziert wurde. Sie selbst lernte Klavier und sang viele Jahre im Chor, auch im Bremer Domchor. Die Liebe zur bildenden Kunst ist erst später erwacht, aber seitdem sehr beständig. Wenn auch derzeit unter erschwerten Bedingungen.

Die Ausstellung "Die Picasso-Connection – der Künstler und sein Bremer Galerist" über Picassos Druckgrafiken sollte eigentlich im November eröffnet werden, doch derzeit zerbricht sich auch Nicole Lamotte darüber den Kopf, wie es weitergehen soll: "Sie ist ganz großartig geworden. Sie hängt in verschlossenen Räumen und wir überlegen, sie bis in den Sommer zu verlängern." Alle drei Wochen sitzen Nicole Lamotte und die Verantwortlichen der Kunsthalle zusammen und versuchen, neu zu planen. "Jede Ausstellung ist ja auch ein Kostenrisiko. Wir wollen natürlich vermeiden, dass wir eine Ausstellung hängen und dann gar nicht zeigen können. Womöglich noch mit teuren Leihgaben. Oder dass die Leihgaben gar nicht kommen können, weil die Grenzen geschlossen sind."

Nicole Lamotte hat den Vorsitz des Kunstvereins in Bremen in schwierigen Zeiten übernommen. Dass Austellungen wie diese gelingen können und dass die Kunsthalle gut durch die Pandemie geleitet wird, daran wird die Bremerin künftig arbeiten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 11. Februar 2021, 18:05 Uhr