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Mare Radio

Porträt 6 Politiker*innen aus dem Nordwesten mit neuen Aufgaben in Berlin

Collage zeigt die 6 Politiker*innen : Christian Dürr,Sarah Ryglewski, Lars Klingbeil, Siemtje Möller, Johann Saathof und Sven Giegold
Bild: DPA | Michael Kappeler, Florian Gaertner, Christoph Soeder, Montage Radio Bremen

Die Ampelkoalition steht, Minister und Ministerinnen sind im Amt. Doch wer aus dem Nordwesten hat Einfluss in der Koalition? Wir stellen sie vor.

1 Für die Erneuerung der SPD: der Parteivorsitzende Lars Klingbeil aus der Lüneburger Heide

Die SPD erneuern: Das will der neue Parteivorsitzende Lars Klingbeil, gemeinsam mit seiner Kollegin Saskia Esken und Generalsekretär Kevin Kühnert. Er möchte das "Teamplay" in der Partei weiter vorantreiben, sagt er selbst.

Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, kommt zu dem Tagungsort für die Sondierungsgespräche mit AirPods in den Ohren
Lars Klingbeil Bild: DPA | Christoph Soeder

Lars Klingbeil stammt aus Munster in der Lüneburger Heide, dort begann auch seine politische Laufbahn. Aus der Heide ging es nach Berlin: Von Ende 2017 war Klingbeil vier Jahre lang Generalsekretär der SPD und von Mai 2003 bis November 2007 einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jusos. Seit Oktober 2009 sitzt er im Bundestag, dem er schon von Januar bis Oktober 2005 angehörte.

Klingbeil erlebte den Niedergang der SPD mit: "Der Rücktritt von Andrea Nahles war der Tiefpunkt meiner politischen Laufbahn", sagt er selbst. Das war Anfang Juni 2019, die SPD dümpelte bei 15 Prozent, Nahles warf als Parteivorsitzende hin und Lars Klingbeil fegte die Scherben zusammen. Für ihn war es selbstverständlich, an Bord zu bleiben, sagte er. Und seinen Genossen Mut zu machen, auch mit einem Zitat der Indieband Kettcar, das er in seine Antrittsrede einbaute: "Nur weil man sich so dran gewöhnt hat, ist es nicht normal. Nur weil man es nicht besser kennt, ist es noch lange nicht egal."

Lars Klingbeil veränderte die Strukturen im Willy Brandt Haus – und er veränderte den Stil. "Dieses Machohafte, dieses Draufhauen – das hat vielleicht in den 70er-Jahren funktioniert. Das ist keine moderne Politik. So kann man weder eine Partei noch ein Land führen."

2 Christian Dürr folgt auf Christian Lindner als Fraktionsvorsitzender

Ganz vorn dabei ist auch Christian Dürr aus Ganderkesee. Der FDP-Politiker führt als Nachfolger von Christian Lindner die Fraktion der Liberalen im Bundestag.

Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag spricht im Bundestag nach der ersten Regierungserklärung von Kanzler Scholz.
Christian Dürr Bild: DPA | Michael Kappeler

Christian Dürr ist FDP-Politiker mit Herzblut. Geboren in Delmenhorst, aufgewachsen in Ganderkesee. Seit der Schulzeit interessiert sich der 44-Jährige für Politik. 1996 wird er Mitglied bei der FDP, 2003 wird er in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Geplant hat er fünf Jahre in der Politik, aber "dann hat mir das so viel Freude gemacht, dass ich gesagt hab, ich bleib dabei, es ist einfach eine tolle Aufgabe. Ich empfinde es als unheimliches Privileg, das machen zu dürfen, nach wie vor, bis heute."

Seit 2017 ist Christian Dürr im Bundestag, wird erst stellvertretender Fraktionsvorsitzender – und jetzt Fraktionschef der FDP. Jetzt gehe es darum, mit den Regierungsparteien und der Opposition gut zusammenzuarbeiten, aktuell, um Lösungen für die Corona-Pandemie zu finden, so Dürr. Christian Dürr setzt wie Lars Klingbeil auf Teamplay: Man müsse sich abstimmen, weil man doch gemeinsame Ziele habe. "Und bei aller Unterschiedlichkeit der Parteien ist es wichtig, dass man da Teamplay macht und auch was erreicht."

3 Staatsministerin im Bundeskanzleramt: die Bremer SPD-Abgeordnete Sarah Ryglewski

Sarah Ryglewski (SPD) sitzt seit 2015 für Bremen im Deutschen Bundestag. Schon in den vergangenen Jahren hat sie eng mit Olaf Scholz zusammengearbeitet, als parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium. Jetzt folgt sie dem neu gewählten Kanzler ins Bundeskanzleramt, als Staatsministerin und Beauftragte für die Bund-Länder-Beziehungen.

Sarah Ryglewski, Staatsministerin fuer Bund-Laender-Beziehungen, spricht auf dem SPD Parteitag.
Sarah Ryglewski Bild: DPA | photothek | Florian Gaertner

Sarah Ryglewski wird mit 19 SPD-Mitglied und beginnt gleichzeitig ihr Politikstudium in Bremen. Zwei Jahre nach Abschluss ihres Studiums wird sie Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft, 2015 kommt sie als Nachrückerin in den Deutschen Bundestag.

Ist Ryglewski damit eine Politikerin durch und durch? Irgendwie schon – aber auch irgendwie ganz schön ungeplant, sagt die heute 38-Jährige: "Ich hatte eigentlich nie den Wunsch, Politikerin zu werden. Ich hatte immer einen Wunsch, politisch aktiv zu sein. Aber ich habe das damals mehr ehrenamtlich begriffen."

In den nächsten vier Jahren wird Sarah Ryglewski vor allem zwischen Bund und Ländern vermitteln, damit Gesetze, die im Bundestag beschlossen werden, auch durch den Bundesrat gehen. Eine Aufgabe, die ihr Respekt einflößt, sagt sie – und eine, auf die sie sich freut.

4 Staatssekretär im Innenministerium: Johann Saathoff aus Ostfriesland

Johann Saathoff (SPD) ist in der neuen Regierung parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. Seit 2013 sitzt er im Bundestag, vorher war er zehn Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn. Zuletzt war Saathoff Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und Russlandbeauftragter. Jetzt ist er die rechte Hand von Innenministerin Nancy Faeser.

Johann Saathoff (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages, spricht im Bundestag
Johann Saathoff Bild: DPA | Christoph Soeder

Der SPD-Politiker ist Ostfriese und das versteckt er nicht. Erst recht nicht, als die AfD 2018 mit einem Antrag im Bundestag Deutsch als Landessprache im Grundgesetz verankern will, um andere Sprachen zu verdrängen. Saathoff kontert mit einer Rede auf Plattdeutsch, seiner Muttersprache: "Düütsland waard neet armer dör anner Spraken, Düütsland waard rieker, un daarup mötten wi stolt ween."

Saathoff freut sich auf die neue Aufgabe. Besonders wichtig ist ihm die Bekämpfung des Rechtsextremismus. Er sagt: "Ich glaube, dass Rechtsextremismus keine Frage von Regionen ist, sondern von innerer Einstellung, und dass die Grenzen dazu fließend sind und wir ganz besonders wachsam sein müssen." 

5 Aus Brüssel ins Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Sven Giegold

Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen) geht nach zwölf Jahren im Europaparlament nach Berlin: Er wird als Staatsekretär zusammen mit Robert Habeck das neue Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz leiten.

Sven Giegold, Europaabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, kommt am CityCube an.
Sven Giegold Bild: DPA | Michael Kappeler

Der Abschied falle ihm nicht leicht, schreibt Sven Giegold auf seiner Webseite. Aber als Sprecher der deutschen Grünen habe er sein Ziel erreicht: Grün sei eine Marke mit Profil geworden, eine, die man mit Europa verbindet. Giegold sieht seinen Beitrag dazu vor allem in seiner Arbeit als Finanz- und Wirtschaftspolitiker.  Bundespolitik und Europapolitik verbinden – darum ging und geht es Sven Giegold: "Das ist im Grunde der Anspruch, den man aus Sicht der europäischen Demokratie haben sollte: Dass Brüssel nicht etwas ist, was alle fünf Jahre mal in der deutschen Öffentlichkeit passiert."

Als Staatssekretär im neuen Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz will er nun seine Erfahrung als Finanzexperte einbringen – und zugleich Europa in der Tagespolitik verankern. Klar, sagt Giegold – mit dem Umzug von Brüssel nach Berlin werde sich für ihn viel verändern. Verbiegen will er sich aber nicht.

6 Staatssekretärin im Verteidigungsministerium: Siemtje Möller

Siemtje Möller, SPD-Politikerin aus Friesland, sitzt seit 2017 im Bundestag. Jetzt ist sie Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Darüber freut sie sich sehr, denn Verteidigungspolitik ist ihr ein Herzensanliegen.

Siemtje Möller (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages, spricht bei einer Debatte im Bundestag
Siemtje Möller Bild: DPA | Christoph Soeder

Schon als Jugendliche habe sie sich sehr für Politik interessiert, sagt Möller. Besonders faszinierend fand sie Internationale Sicherheitspolitik. Im Studium – Möller ist Lehrerin – wählte sie Internationale Politik als Schwerpunkt. 2010 trat sie in die SPD ein, 2017 wurde sie in ihrem Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund direkt in den Bundestag gewählt. "Ich bin dann als Abgeordnete mit dem größten Bundeswehraufkommen bundesweit, denn das ist der Wahlkreis 26, voller Überzeugung und mit einer klaren Entscheidung in den Verteidigungsausschuss gegangen, und dort eben in den Bereich internationale Sicherheitspolitik."

Siemtje Möller war verteidigungspolitische Sprecherin und Sprecherin des konservativen Seeheimer Kreises der SPD-Bundestagsfraktion. Und nun parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. "Das ist ja tatsächlich mein Leib- und Magenthema, das, woran ich mit viel Herzblut in den letzten vier Jahren gearbeitet habe." Was sie vorhat, unter anderem? Die Bundeswehr müsse besser für gefährliche Einsätze ausgestattet werden, sagt die 38-Jährige. So spricht sie sich klar für eine Bewaffnung von Drohnen aus. Und sie freut sich auf den Kontakt mit Soldatinnen und Soldaten im Einsatz.