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Die Nacht

Im Porträt Nava Ebrahimi gewinnt den Bachmannpreis

Autorin

Schriftstellerin Nava Ebrahimi (Archivbild)
Hat auch schon den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises gewonnen: Nava Ebrahimi. Bild: DPA | ORF/LST Kärnten/Clara Wildberger

Der mit 25.000 Euro dotierte Bachmannpreis geht in diesem Jahr an die im Iran geborene deutsch-österreichische Autorin Nava Ebrahimi. "Der Cousin", ein Text über die Fluchtgeschichte eines schwulen Tänzers überzeugte die Jury in Klagenfurt.

Nava Ebrahimi ist 1978 in Teheran geboren. Schon mit drei Jahren verließen ihre Eltern den Iran als Ayatollah Chomeinei die Islamische Republik installierte und politisch Andersdenkende verfolgt wurden. Der Vater hatte zuvor in Deutschland Agrarwissenschaft studiert, die Mutter ist Designerin. Die Eltern machten in Köln ein Restaurant auf – die kleine Tochter ging in eine katholische Schule, wo Nava Ebrahimi als einzige Muslima eine Exotin war.

Ich kann, glaube ich, nur noch fiktiv schreiben.

Nava Ebrahimi 2020 über den Segen, Autorin statt Journalistin sein zu können

Sie schrieb schon immer gern – doch Schriftstellerin zu werden, das literarische Schreiben im nach der Wende neuen Studiengang in Leipzig zu erlernen, erschien ihr zu unsicher. Nava Ebrahimi studierte in Köln Journalismus und Wirtschaft – war Redakteurin der Financial Times Deutschland, schrieb für die Kölner Stadtrevue und war Nahost-Referentin für die Bundesagentur für Außenwirtschaft.

Seit 2012 lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Graz, war zunächst als Werbetexterin tätig, nahm dann aber doch an einem Kurs der Bayerischen Akademie des Schreibens teil. Für ihren Erstlingsroman "16 Wörter" bekam Nava Ebrahimi 2017 den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises. Im vergangenen Jahr machte sie dann mit ihrem zweiten Roman "Das Paradies meines Nachbarn" auf sich aufmerksam, der das Schicksal der Kindersoldaten im Ersten Golfkrieg vor 40 Jahren thematisiert. Dass sie damit den Rollenwechsel von der Journalistin zur Autorin geschafft hat, darüber ist Ebrahimi sehr dankbar: "Ich find’s sehr schwer, heute Journalistin zu sein. Jede Aussage kann direkt gewendet werden und von der anderen Seite betrachtet, stelle ich sie direkt wieder in Frage. Ich kann, glaube ich, nur noch fiktiv schreiben, weil die Realität scheint mir so komplex und so unfassbar in vielerlei Hinsicht, dass ich jetzt froh bin, dass ich jetzt keine Fakten beschreiben muss."

Ja, ich hab beide Brillen auf. Ich kann die wechseln, ich kann die anziehen. 

Nava Ebrahimi über ihre deutsch-iranische Identität

Nava Ebrahimi ist bei Zeitungen und Online-Portalen gefragte Autorin, wenn es um die Einschätzung der Lage im Iran geht. Obwohl sie selbst nur noch entfernte Verwandte im Iran hat und seit zehn Jahren nicht mehr dort gewesen ist. Sie versucht, das Land aus beiden Perspektiven zu sehen: "Ja, ich hab beide Brillen auf. Ich kann die wechseln, ich kann die anziehen – ich glaub, das ist dann wirklich auch der Mehrwert, den ich liefern kann, wenn ich um meine Meinung gefragt werde. Wie die ganze Welt ist auch der Iran wahnsinnig komplex geworden. Es ist alles total paradox und widersprüchlich. Für die Menschen ist der Alltag schon ein ständiger Kampf – vor allen Dingen für die Frauen".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 18. März 2020, 18:05 Uhr