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Der Nachmittag mit Martin Busch

Im Porträt Warum mehr Diversity im Filmgeschäft dringend nötig ist

Autor/Autorin

  • Birgit Kolkmann
Nataly Kudiabor
Will, dass Vielfalt selbstverständlich mitgedacht wird: Film- und Serienproduzentin Nataly Kudiabor. Bild: Ufa | Sarah Eick

Die Filmproduzentin Nataly Kudiabor hat mit "All You Need" die erste Serie rund um vier queere Männer für die ARD Mediathek gemacht. Das Publikum will Vielfalt, sagt Kudiabor. Vier Millionen Klicks gab es im Netz – die zweite Staffel läuft jetzt auch im linearen Programm, die dritte kommt.

Nataly Kudiabor
Nataly Kudiabor

Gesprächszeit "Dann verlieren wir das Publikum" – Nataly Kudiabor

Das Publikum will Vielfalt, sagt Nataly Kudiabor. Sie ist Produzentin bei der Ufa und hat die ARD-Serie "All You Need" rund um vier queere Männer produziert.

Bild: Ufa | Sarah Eick

Kudiabors 14-jährige Tochter fand die Serie "All You Need" gut: "Mama, das sieht voll nach Netflix aus!" Da sei das Ufa-Team sehr stolz gewesen, sagt die Produzentin. Und auch ihre Mutter, die bald 80 wird, hat die queere Dramedy geguckt und allen ihren Bekannten gesagt, dass sie die Folgen unbedingt ansehen müssen. Sie mochte die Besetzung sehr gern, erzählt Nataly Kudiabor. "Ja, wir werfen unserem Creator Benjamin Gutsche vor, er hat sich seinen Freundeskreis gecastet," scherzt Kudiabor.

Wenn wir diese Vielfalt nicht abbilden, dann verlieren wir das Publikum.

Nataly Kudiabor über die Notwendigkeit von diversen Filmstoffen

Queere Serien seien nun auch für das breite Publikum in Deutschland interessant. In den USA, bei den Streaming-Plattformen ist das längst selbstverständlich. Hierzulande braucht es den "Tag der Diversität", um Vielfalt und Pluralität einzufordern – und gerade im Filmgeschäft sind die Beharrungskräfte der alt eingesessenen Entscheidungstragenden offenbar groß. Nur elf Prozent der Drehbuchschreiberinnen sind zum Beispiel weiblich: "Ja, die Basics sind noch nicht gelernt", sagt Nataly Kudiabor. "Das ist wirklich sehr traurig. Da können Sie sich vorstellen, wie es mit den weiteren Diversitätsmerkmalen aussieht." Die Welt ist vielfältiger, als wir sie im Fernsehen zeigen, so Kudiabor. "Und wenn wir diese Vielfalt nicht abbilden, dann verlieren das Publikum. Weil die sagen: 'Was hat das mit uns zu tun?' Dann gehen die woanders hin, zum Streamer." Aber inzwischen habe sich auch in den Programmetagen herumgesprochen, dass sich diverse Themen gut verkaufen, wobei Kudiabor es schade findet, wenn Diversity nur für die Kasse, nicht aus Überzeugung gefördert wird.

Eine Branche mit wenig Kindern aus der arbeitenden Klasse

Sie selbst versucht, an Filmhochschulen, auf Festivals mit jungen Kunstschaffenden Kontakte zu knüpfen. Eine Talentsuche, die ihr als Netzwerkerin viel Spaß mache, so die UFA-Produzentin, die sich auch gern als Mentorin für den Nachwuchs einsetzt. Denn schließlich merkt sie bei der Ufa selbst, dass auch unter den Filmschaffenden bei der Vielfalt noch einiges zu tun ist. In der Branche tummelt sich oft der finanziell gut aufgestellte Studierten-Nachwuchs: "Aber wo sind die Leute, die vielleicht total spannende Geschichten zu erzählen haben, aber vielleicht gar keinen Zugang haben oder sich hätten vorstellen können, an eine Filmhochschule zu gehen?", fragt sich Kudiabor.

Wie es ist, nicht Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft zu sein

Als junge Publizistik-Studentin in den neunziger Jahren ist sie eher zufällig erst in den Fernsehjournalismus und dann bei RTL in die Serienproduktion eingestiegen: "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Verbotene Liebe" und dann kamen eigene, auch sehr hintergründige Produktionen wie "Arthurs Gesetz". Aufgewachsen ist Nataly Kudiabor im Rheinland, zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Als Tochter eines Ghanaers, der in Aachen Maschinenbau studierte und einer deutschen Mutter hat sie, wie ihre Eltern, den alltäglichen Rassismus in der Bundesrepublik erlebt. Ihre Eltern wanderten, noch vor ihrer Geburt für zwei Jahre nach Ghana aus, weil sie als Paar Schwierigkeiten hatten, in Hamburg eine Wohnung zu finden. Und im Rheinland sei es für den Vater, der schon als Stipendiat Deutsch und Latein sprechen konnte, "total schwierig" gewesen. "Aber viel mehr noch für meine Mutter, weil sie das Gefühl hatte, ihn beschützen zu müssen, weil sie ja Teil dieser weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft war, die sich ja teilweise sehr diskriminierend verhalten hat."

Das ist eine Waffe, die mir niemand nehmen kann.

Nataly Kudiabor über die Macht der Sprache

Welche Gaben hat Nataly Kudiabor von ihren Eltern, die sie schließlich auch Filmproduzentin werden ließen? "Viel Fantasie, viel Sprechen, schnell sprechen", sagt Kudiabor lachend, wie es halt in Nordrhein-Westfalen üblich sei. Und die Sprache ist ihre Stärke: "Ich glaube, wenn mich jemand angreifen würde, ich wüsste schon, wie ich mich mit Worten zur Wehr setzen kann. Und das habe ich von meinen Eltern gelernt, dass das eine Waffe ist, die mir niemand nehmen kann!" Für die Zukunft wünscht sich die Ufa-Produzentin noch viele tolle Geschichten erzählen zu können: "Mit Kreativen, die ich vielleicht noch entdecken kann und die mich genauso bereichern. Das ist ja keine Einbahnstraße."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 31. Mai 2022, 18:05 Uhr