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Im Porträt Wie Moritz Rinke Worpswede und Lanzarote verbindet

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Moritz Rinke anläßlich der Premiere der Nibelungen Festspiele Siegfrieds Erben am 20.07.2018 am Kaiserdom Worms.
Im Künstlerdorf Worpswede aufgewachsen, in Berlin zuhause, auf Lanzarote am Schreiben: Moritz Rinke Bild: Imago | Star-Media

Fußballer hätte Moritz Rinke werden sollen. Nicht irgendeiner, sondern Nationaltorwart von Österreich. So hatte es sich zumindest Johann Kresnik vorgestellt, der Gründer des Bremer Tanztheaters. Doch es sollte anders kommen: Seit vielen Jahren gehört Moritz Rinke zu Deutschlands führenden Dramatikern der Gegenwart.

Gesprächszeit "Es gibt eine große Sehnsucht von Künstlern nach Fußball" – Moritz Rinke

Moritz Rinke gehört zu Deutschlands führenden Dramatikern der Gegenwart. Im zweiten Roman des Fußball-Liebhabers geht es auf Rinkes Lieblingsinsel Lanzarote.

Moritz Rinke anläßlich der Premiere der Nibelungen Festspiele Siegfrieds Erben am 20.07.2018 am Kaiserdom Worms.
Bild: Imago | Star-Media
Bild: Imago | Star-Media

Moritz Rinkes Theaterstücke wie "Republik Vineta", "Wir lieben und wissen nichts" oder "Westend", werden national und international gespielt und erreichen ein Millionenpublikum. Im Sommer ist auch sein zweiter Roman erschienen: In "Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García" nimmt Rinke seine Leserinnen und Leser mit auf die Kanareninsel Lanzarote. Sie ist inzwischen zu seiner zweiten Heimat geworden: "1994 bin ich zum ersten Mal auf die Vulkaninsel gekommen und habe mich gleich in sie verliebt. Ich habe dort wegen des milden Klimas häufig die Wintermonate verbracht und in dieser Zeit einige meiner wichtigsten Stücke geschrieben. So etwas verbindet natürlich", erzählt Rinke.

Ich habe ein kleines Häuschen in einem Bergdorf von Lanzarote, wo außer dem Brechen der Wellen, Hunden und dem Wind nichts weiter zu hören ist. Das Rauschen des Windes und die Stille erinnern mich sehr an meine Kindheit.

Moritz Rinke über Heimat und Sehnsuchtsort

In mancher Hinsicht erinnere ihn Lanzarote an seine alte Heimat Worpswede. Was zunächst ungewöhnlich erscheint, erklärt Rinke so: "Was beide Orte vereint, ist diese unglaubliche Stille. Ich bin ja in Bergedorf, in den Moorwiesen am Rande von Worpswede, aufgewachsen, wo es sehr still war. Und inzwischen habe ich ein kleines Häuschen in einem Bergdorf von Lanzarote mit Blick auf den Atlantik, wo außer dem Brechen der Wellen, Hunden und dem Wind nichts weiter zu hören ist. Das Rauschen des Windes und die Stille erinnern mich sehr an meine Kindheit."

Wer den Fußball in Rinkes Leben brachte

Kindheit und Jugend in der Künstlerkolonie Worpswede haben Spuren bei Moritz Rinke hinterlassen. Sein Vater ist Goldschmied, seine Mutter Schauspielerin am Bremer Theater, die mit vielen Künstlerinnen und Künstlern befreundet ist. Zu den regelmäßigen Gästen in ihrem Garten gehört Johann Kresnik mit seiner Tanztruppe. Durch ihn lernt Moritz Rinke den Fußball lieben: "Wenn ich die alten Fotos sehe, auf denen wir beide abgebildet sind, werde ich sehr melancholisch, denn er war wirklich ein guter Freund. Er hat mir immer seine "Krrrrrresnik-Schüsse" aufs Tor geschossen. Ihn habe ich auch später noch sehr bewundert, weil er sich in seinem Leben so wahnsinnig treu geblieben ist. Kresnik machte einfach immer das, was er glaubte, was er meinte und was er konnte."

Schriftsteller zu werden, kam mir überhaupt nicht in den Sinn. In meinen Bücherregalen lagen vor allem Fußbälle und Tennisbälle.

Moritz Rinke über seine ersten Gedanken zur Berufswahl

Ein Leben als Maler – wie es ja eigentlich Tradition ist in Worpswede ist – kann sich der junge Moritz Rinke nicht vorstellen. Die Besuche in der örtlichen Malschule langweilen ihn. Denn statt freiem Malen müssen die Jungen und Mädchen in der Schule vor allem ein Motiv malen: den Worpsweder Himmel. Auch mit dem Lesen und Schreiben fremdelt Moritz Rinke zunächst: "Schriftsteller zu werden, kam mir überhaupt nicht in den Sinn. In meinen Bücherregalen lagen vor allem Fußbälle und Tennisbälle. Aber weil ich durch meine Mutter früh mit der Künstlerszene in Berührung gekommen bin, haben mich diese Menschen von Anfang an fasziniert. Wenn sie bei uns im Garten waren, hatte ich nie das Gefühl, erwachsenen Menschen gegenüber zu stehen, sondern großen Kindern."

Die große Liebe fand er am Millerntor

Neben Lanzarote hat Moritz Rinke auch eine enge Verbindung zur Türkei, dank seiner Frau Eylem, die aus Antalya kommt. Kennengelernt haben sich die beiden 2009 bei einem Fußballspiel am Hamburger Millerntor, als Rinke für die "Deutsche Nationalmannschaft der Autoren" stürmte. Sein Team gewann 7:1. Aber das war nebensächlich, erzählt er, "weil ich schon beim Aufwärmen eine Frau im Publikum entdeckte. Also verlegte ich meine Übungen deutlich mehr in ihre Richtung, um sie besser anschauen zu können. Nach dem Spiel stand Eylem plötzlich in unserer Kabine. Eigentlich wollte sie in die türkische Umkleide, weil da ihr Freund spielte. Aber wie es der Zufall wollte, landete sie bei uns. Und so lernten wir uns kennen."

Ich träume davon, irgendwann einmal das Bremer Theater zu leiten.

Moritz Rinke über große Ziele im Leben

2013 heiraten Eylem und Moritz. Einmal in Istanbul, als dort gerade rund um den Taksim-Platz die Revolution ausbricht, und einige Monate später in Worpswede. Lebensmittelpunkt der Familie Rinke – die ein Sohn und eine Tochter komplettieren – ist seit vielen Jahren Berlin.

Je älter er werde, desto mehr spiele er jedoch mit dem Gedanken, in den Nordwesten zurückzukehren, verrät Rinke: "Ich träume davon, irgendwann einmal das Bremer Theater zu leiten. Eine Ansage, mit der ich meinen Freund Michael Börgerding aber keinesfalls erschrecken möchte. Er macht das großartig. Aber wenn er irgendwann mal aufhören möchte, hoffe ich, dass er mir Bescheid sagt. Denn mit dem Bremer Theater bin ich ja seit der Kindheit verbunden."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 7. Oktober 2021, 18:05 Uhr