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Die Nacht

Im Porträt Für Autorin Mirna Funk ist die jüdische Welt bunter geworden

Autorin

Mirna Funk
Mirna Funk lebt in Berlin, pendelt aber regelmäßig nach Tel Aviv. Bild: Imago | tagesspiegel/Doris Spiekermann-Klaas

Die Autorin Mirna Funk setzt sich öffentlich mit ihrer jüdischen Identität auseinander. Nicht nur in Zeitungsartikeln, Kolumnen und Blogs, sondern auch in ihren Büchern. Gerade ist ihr zweiter Roman erschienen: "Zwischen Du und Ich".

Gesprächszeit "Das neue Judentum entsteht mit neuem Selbstbewusstsein" – Mirna Funk

Autorin Mirna Funk setzt sich öffentlich, auch im Netz, mit ihrer jüdischen Identität auseinander. Gerade ist ihr neuer Roman erschienen: "Zwischen Du und Ich".

Mirna Funk
Bild: Imago | tagesspiegel/Doris Spiekermann-Klaas
Bild: Imago | tagesspiegel/Doris Spiekermann-Klaas

Die Handlung von "Zwischen Du und Ich" spielt in Berlin und Tel Aviv. Hauptfiguren sind eine deutsche Jüdin und ein israelischer Jude. Beide waren in ihrem Leben Opfer von Gewalt – und obendrein sind ihre Familienbiografien durch den Holocaust tief geprägt. "Ich wollte erstmal generell darüber schreiben, wie es sich anfühlt, Opfer zu sein. Und ich wollte zeigen, was diese Opferdiskussion auch mit der israelischen Gesellschaft gemacht hat", sagt die 40-Jährige.

Unterschiedliche Schattierungen von Beige. Das ist die DDR für mich.

Mirna Funk über ihr Aufwachsen in den Achtzigern in Ost-Berlin

Mirna Funk hat selbst ein paar Jahre in Tel Aviv gelebt. Aufgewachsen ist sie aber in Ost-Berlin, wo sie 1981 geboren wurde. Ihre Erinnerungen an die DDR sind "Shades of Beige": "Unterschiedliche Schattierungen von Beige. Das ist die DDR für mich. Dann erinnere ich mich natürlich an mein blaues Pionierhalstuch und an die Fahnenapelle am Freitag in der Schule. An Ofenheizung in der Dusche, in der Küche und sehr viel Kälte im Winter."

Und natürlich erinnert sie sich an ihren Urgroßvater Stephan Hermlin, einen der wichtigsten Schriftsteller der DDR: "Er hat mir mal einen Hasen geschenkt, ein Stofftier, den ich viele Jahre hatte. Ich weiß gar nicht, ob meine Mutter ihn noch hat. Meine Mutter hebt immer alles auf. Ich schmeiß' immer alles weg. Aber er hat keine klassische Urgroßvater-Rolle für mich übernommen. Er ist wie jemand, der immer wieder aufgetaucht und wieder verschwunden ist und mit dem ich mal gesprochen habe und dann wieder nicht gesprochen habe."

Das neue Judentum, das noch sehr fragil ist, entsteht jetzt erst mit einem neuen Selbstbewusstsein, das es vor 20, 30 Jahren noch gar nicht geben konnte.

Mirna Funk über das heutige, jüdische Leben in Deutschland

Religion hat in ihrer Familie keine Rolle gespielt. Trotzdem war sich Mirna Funk ihrer jüdischen Identität immer bewusst. Auch wenn sich die Bedeutung in ihrem Leben ständig verändert. Jüdische Identität ist für sie wie eine nie endende Reise: "Ich glaube, vor zehn Jahren hätte ich mir vielleicht gewünscht, dass es ein Ende dieser Reise gibt. Das wünsche ich mir heute nicht mehr. Ich bin ganz zufrieden und ganz glücklich, dass das eine Frage ist, die immer wieder neu beantwortet werden muss."

Seit 1700 Jahren leben Juden und Jüdinnen in Deutschland und das aktuelle jüdische Leben ist sehr heterogen. Die Spannweite reicht von sogenannten Kontingentgeflüchteten, die in den 1990er Jahren aus der damaligen UDSSR kamen bis hin zu jungen Israelis, die es jetzt ins hippe Berlin zieht. Die jüdische Welt in Deutschland ist bunter, offener und lauter geworden, sagt Mirna Funk: "Es gibt jetzt diese Mischung aus dem neuen Judentum, das noch sehr fragil ist. Es entsteht jetzt erst mit einem neuen Selbstbewusstsein, das es vor 20, 30 Jahren noch gar nicht geben konnte. Das ist schon sehr besonders und schön."

Lesungen im Netz statt Reisen nach Tel Aviv

Nach Israel ist Mirna Funk zum ersten Mal als junges Mädchen gereist – das war 1991 mit ihrem Vater. Längst ist Israel für sie zu einer zweiten Heimat geworden. Auch der Vater ihrer Tochter ist Israeli und normalerweise verbringt Funk viel Zeit in Tel Aviv. Corona-bedingt muss sie jetzt von den Erinnerungen zehren an Wärme, Meer und Geselligkeit: "Man kann auf einer Bank sitzen in einem Park und kommt ins Gespräch und landet dann vielleicht auf irgendeinem Schabbat-Diner von irgendeiner Familie, die man nicht kannte. Und das ist etwas, was das Land sehr besonders macht. Und was ich immer wieder vermisse."

Wegen Covid-19 ist derzeit nicht nur Israel unerreichbar. Auch Lesereisen durch Deutschland für ihren neuen Roman sind nicht möglich. Aber Mirna Funk verlegt ihre Lesungen einfach ins Internet – per Videokonferenz können dann sogar Menschen in Israel dabei sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 22. Februar 2021, 18:05 Uhr