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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Im Porträt Wie der Bremer Mikis Weber die Gewalt auf Myanmars Straßen erlebte

Autorin

Bremer Mikis Weber ist in Myanmar ein Star
Myanmar war viele Jahre Mikis Webers Heimat. Bild: Mikis Weber

Bis vor kurzem war der Bremer Mikis Weber noch ein gefeierter Sänger und Schauspieler in Myanmar. Aber die Machtübernahme des Militärs zwang den 29-Jährigen, seine Wahlheimat zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren.

Gesprächszeit "Auf mich wurde geschossen" – Mikis Weber

Bis vor kurzem war der Bremer Mikis Weber noch ein gefeierter Star in Myanmar. Aber der Putsch des Militärs zwangen den 29-Jährigen das Land zu verlassen.

Audio vom 16. April 2021
Bremer Mikis Weber ist in Myanmar ein Star
Ein Bremer in exotischer Kulisse? Für Burmesen ist Mikis ein Exot. Bild: Mikis Weber

Das Wort "Schauspieler" kann auf burmesisch auch "Königsohn" bedeuten. Und da Mikis Weber die Landessprache Myanmars fließend spricht, wurde der Bremer in der ehemaligen britischen Kolonie schnell bekannt als Sänger und Schauspieler. Dabei kam der Durchbruch ganz zufällig. Weber, der in der Millionen-Stadt Yangon am Goethe-Institut arbeitete, sang bei einem Festival auf burmesisch. Das Video ging viral, es folgten Einladungen zu Talk-Shows, Filmrollen und Werbeauftritte. "Ich habe immer gefragt: 'Was ist das?' Und ich habe Leuten Frikadellen an die Ohren gefragt. Ich habe mir die Wörter in Lautschrift aufgeschrieben, zum Beispiel 'Hallo' auf burmesisch und dann schreibe ich 'mingalabar', und erst später habe ich die Schrift gelernt. Also learning by doing".

Kindheit an der Weser zwischen Punk und Hippie

Mikis Weber verbrachte eine unbeschwerte Kindheit an der Weser. Seine Eltern nahmen ihn mit auf Konzerte, er lebte mit seiner Mutter und seinem Stiefvater zeitweise in Neuseeland und erlebte mit seinem Vater die Natur Thailands. 2011 reiste Mikis Weber in das Grenzgebiet zwischen Thailand und Myanmar. Hier lebten Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Myanmar geflohen waren. Während seines Aufenthalts brachte er dort ehemaligen Kindersoldaten und Prostituierten Englisch bei. 

Den größten Kulturschock überhaupt erlebte er jedoch nach seiner Rückkehr nach Bremen. Mikis Weber hatte das Fernweh gepackt. Ein kleines Flugzeug aus einem Überraschungsei, das die Farben der burmesischen Flagge trug, bestärkte ihn in seinen Plänen, wieder zurück nach Asien zu reisen.

Myanmar ist auch autoritär, es gibt diese beiden Extreme. In Myanmar denkt man, alle sind nett und lächeln, und dann gibt es doch auch Menschen, die böse sind.

Mikis Weber über seine langjährige Wahlheimat

Bevor Mikis Weber nach Myanmar auswanderte, machte er eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann in Hamburg. 2016 war es soweit, Mikis Weber hatte eine Stelle beim Goethe-Institut in Yangon, einer der größten Städte Myanmars bekommen. Das Land hatte sich nach Jahren des Bürgerkriegs langsam geöffnet, 2015 fanden erstmals demokratische Wahlen statt. 

Wäre Myanmar eine Person, dann wäre sie eine witzige, liebevolle und charmante Person, sagt der 29-Jährige. "Sie hat aber auch Potential zum Bösen. Myanmar ist auch autoritär, es gibt diese beiden Extreme. In Myanmar denkt man, alle sind nett und lächeln, und dann gibt es doch auch Menschen, die böse sind, wie es in den Nachrichten zu sehen ist. Aber die Mehrheit der Menschen ist doch sehr freundlich."

Jeder ist theoretisch ein Ziel.

Mikis Weber über das Militär auf den Straßen Myanmars

Nach einer kurzen Zeit als Demokratie putschten Anfang Februar wieder die Militärkräfte in Myanmar. Sie setzten die Ende 2020 demokratisch gewählte Regierung ab und erklärten einen einjährigen Notstand. "Myanmar war vor zwei Monaten noch ein hauptsächlich friedliches und freundliches Land mit Touristen, fröhlichen Menschen und Träumen. Das hat sich alles in Luft aufgelöst", berichtet der Bremer.

Ein Videoanruf mit Mikis Weber. Er sitzt in einem Zimmer, im Hintergrund steht ein Regal.
Vor wenigen Wochen noch hat Mikis Weber immer wieder Videos mit Militärszenen aus Myanmar in den sozialen Netzwerken geteilt. Bild: Radio Bremen

Mikis Weber schloß sich der Bewegung des zivilen Ungehorsam an, protestierte gegen den Putsch. Doch die friedlichen Demonstrationen wurden blutig niedergeschlagen, Prominente und Aktivisten werden gefangen genommen, Menschen verschwinden, es wird auf der Straße geschossen – auch schon auf Mikis Weber. "Jeder ist theoretisch ein Ziel", weiß Weber.

Auch bei ihm selbst standen plötzlich bewaffnete Uniformierte vor der Tür. Das erzählten ihm Nachbarn, die das Ganze beobachtet haben. Denn Mikis Weber hat Myanmar zusammen mit seiner Lebensgefährtin inzwischen verlassen. Ob er in seine Wahlheimat zurückkehren kann und wird, ist derzeit unklar. Aber er will auch von Deutschland aus auf die Lage in Myanmar aufmerksam machen. 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 16. April 2021, 18:05 Uhr