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Die Nacht

Im Porträt Michael Olsen engagiert sich in Oldenburg – mit besonderen Ideen

Autorin

Michael Olsen
Michael Olsen ist in Oldenburg bekannt für seine ungewöhnlichen Ideen. Bild: Jörg Hemmen

Das erste Bestattungsfahrrad in Oldenburg? Hat Michael Olsen angeregt. Schräge Ideen für Kunst im öffentlichen Raum? Kommen auch von ihm. Wir stellen Ihnen einen Lieblingsmenschen vor, den in Oldenburg viele kennen. Er engagiert sich unermüdlich für andere und bewegt Vieles in der Stadt.

Micha O. – ein Tausendsassa, der in Oldenburg viel bewegt

Das erste Bestattungsfahrrad in Oldenburg? Hat Michael Olsen angeregt. Schräge Ideen für Kunst im öffentlichen Raum? Kommen auch von ihm. Er ist ein Lieblingsmensch, den in Oldenburg viele kennen.

Michael Olsen
Bild: Kristin Hunfeld
Bild: Kristin Hunfeld

Bremen-Zwei-Autorin Kristin Hunfeld lebt seit 22 Jahren in Oldenburg – und kennt Michael Olsen vermutlich ebenso lang, ganz genau kann sie das gar nicht sagen. Sie nennt ihn jedenfalls Micha O.  

Wenn ich mich bloß erinnern könnte, wann mir Micha O. zum ersten Mal begegnet ist. Irgendwie war er immer schon da, überall, wo es um Kunst, Kultur und kreative Ideen geht. "Mal sieht man ihn im Fernsehen, dann in der Kulturetage. Dann steht er in der Zeitung, macht diese Kunstaktion und jene Kunstaktion", sagen auch ihre Nachbarinnen.

Kunstinstallation mit vielen Klorollen von Michael Olsen
Für Michael Olsens Klorollen-Installation sammelten Oldenburger*innen monatelang Papprollen. Bild: Izabela Mittwollen

Neulich saß Michael Olsen zum Beispiel auf dem Schlossplatz – mit mehr als 12.000 Klopapier-Rollen, beziehungsweise den Pappkernen der leeren Rollen. Monatelang hatten Oldenburgerinnen und Oldenburger die Rollen gesammelt – ohne genau zu wissen, was er damit eigentlich vorhatte. Die Installation wurde dann eine Anspielung auf die Hamsterkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie – und war zwei Tage lang auf dem Schlossplatz zu sehen. Micha O wollte damit ein Zeichen setzen gegen den hemmungslosen Konsum und das nicht enden wollende Produzieren von Müll.

Es ist eine humorvolle Interpretation unseres ethisch nicht zu vertretenden Konsumwahns und vielleicht auch Hortungswahns.

Michael Olsen über seine Installation auf dem Oldenburger Schlossplatz

Wo es gilt, Altes zu bewahren, ist er auch dabei: ob im Repair-Café oder bei der Rettung alter Gebäude für die Kultur. Viele Hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden hat Micha O. geleistet, bei der Sanierung des sogenannten Poly-Hauses in der Innenstadt oder des historischen Globe Theaters und Kinos aus der britischen Besatzungszeit. Er sagt: "Das ist ein hochgradig soziales Projekt, und wir müssen lernen, miteinander zu arbeiten, anstatt immer nur an uns zu denken. Das Leben ist Tun für die Gemeinschaft. Das war für mich schon immer so."

Wir müssen lernen, miteinander zu arbeiten, anstatt immer nur an uns zu denken. Das Leben ist Tun für die Gemeinschaft. Das war für mich schon immer so.

Michael Olsen über sein Engagement

1959 wurde Michael Olsen in Hannover geboren. Nach der Grundschule ging er sieben Jahre lang auf ein Internat in St. Peter Ording, wegen der besseren Luft. Denn der Junge litt unter schwerem Asthma. Vielleicht aus dieser Zeit stammt sein Bestreben, immer auch für andere im Einsatz zu sein. Er erinnert sich: "Dann hab ich meinen Klassenkameraden die Fahrräder repariert – auch weil ich dann gemerkt habe: Dann gelte ich was! Ich war immer klein, schmächtig, immer krank, aber ich konnte viel – und damit konnte ich punkten. Und das ist so geblieben."

1977 kam Michael Olsen nach Oldenburg. Er machte nach dem Fachabitur Elektrotechnik und einem Lehramtsstudium Kunst und Mathematik eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker. Heute arbeitet er, im Brotberuf, halbtags bei der Post.

Die Idee ist, dieses in unserer Gesellschaft mit Tabu und Angst besetzte Thema Tod und Sterben wieder in unseren Alltag zu holen. Wenn wir uns dieser Endlichkeit mehr bewusst werden, dann können wir uns vielleicht von diesem Wachstumswahn und diesem Wohlstandswahn emanzipieren.

Michael Olsen über das Bestattungsfahrrad

Viel Geld brauche er nicht, sagt er, und so hat er Zeit für seine Projekte. Zum Beispiel die offene Fahrradwerkstatt, die er vor Corona jahrelang betrieb. Das Bestattungsrad, das Micha O. gebaut hat, hat es sogar in die internationalen Medien geschafft – und ist sowohl in Bremen als auch in Oldenburg schon zum Einsatz gekommen.

Für ihn ist es ein Herzensprojekt, das viel bewegen kann: "Die Idee ist, dieses in unserer Gesellschaft mit Tabu und Angst besetzte Thema Tod und Sterben wieder in unseren Alltag zu holen. Wenn wir uns dieser Endlichkeit mehr bewusst werden, dann können wir uns vielleicht von diesem Wachstumswahn und diesem Wohlstandswahn emanzipieren."

Michael Olsen
Mit dem Bestattungsfahrrad will Michael Olsen den Tod im Alltag wieder sichtbarer machen. Bild: Kristin Hunfeld

Eigentlich wollte Micha O. mal kürzer treten, nach einem schweren Unfall, nach Krankenhaus und Reha. Das ist gar nicht lange her, aber jedes Mal, wenn ich ihn treffe, erzählt er mir von einem neuen Projekt.

Als nächstes will Micha O. das Inventar einer mehr als 80 Jahre alten Fahrradwerkstatt sortieren. Jahrzehntelang hat er hier selbst Ersatzteile gekauft, auch mal aushilfsweise mitgearbeitet. Jetzt ist der Inhaber alt geworden und musste aufhören. Und weil Micha O. schon mal da ist, und weil er ohnehin Frühaufsteher ist, macht er dem alten Herrn jetzt jeden Morgen das Frühstück.  

Die Kinder des Ladenbesitzers wohnen nicht in Oldenburg. Dass Micha O. sich kümmert, ist für sie eine große Erleichterung, sagt Tochter Berit. "Das ist total schön, da krieg' ich gleich Tränen in den Augen. Und mein Vater, der ist immer schon wach und wartet auf Michael, und der macht dann auch Fotos und stellt das in unsere Chat-Gruppe. Und dann wissen wir immer, meinem Papa geht’s gut", sagt sie über Micha O.. Er ist eben für viele in Oldenburg ein Lieblingsmensch.

Mehr Lieblingsmenschen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. August 2021, 15:20 Uhr