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Der Vormittag mit Julia Meichsner

Im Porträt Wie ein Grünen-Abgeordneter zum Chef-Lobbyisten von Bayer wurde

Autorin

Matthias Berninger vom Tagesspiegel lächelt in die Kamera
Matthias Berninger ist 2007 von der Politik in die Wirtschaft gewechselt. Bild: DPA | Tagesspiegel/Doris Spiekermann-Klaas

Seit rund zwei Jahren ist Matthias Berninger als Leiter von Public Affairs, Science & Sustainability das Gesicht der Bayer AG. Weil der Pharmakonzern den umstrittenen Saatgutkonzern Monsanto übernommen hat, nimmt er zum Thema Glyphosat genauso Stellung wie zu medizinischen Produkten. Früher saß er allerdings für die Grünen im Bundestag.

Gesprächszeit "Mir war schnell klar, dass ich das machen möchte" – Matthias Berninger

Matthias Berninger ist als Leiter von Public Affairs, Science & Sustainability das öffentliche Gesicht des Pharmakonzerns. Früher saß er für die Grünen im Bundestag.

Audio vom 16. März 2021
Matthias Berninger vom Tagesspiegel lächelt in die Kamera
Bild: DPA | Tagesspiegel/Doris Spiekermann-Klaas

Matthias Berningers offizielle Bezeichnung ist "Leiter für Nachhaltigkeit, Wissenschaft und Kommunikation" bei der Bayer AG. Andere sagen "Public Affairs" oder einfach nur "Chef-Lobbyist". Ein Begriff, mit dem Matthias Berninger kein Problem hat. Er kümmert sich um politische Kontakte, die Wissenschaftskommunikation seines Unternehmens und entwickelt Nachhaltigkeitsstrategien, die zu den Geschäften des Pharmakonzerns passen.

Sein Arbeitstag beginnt mitten in der Nacht

Weil Matthias Berninger von Washington aus arbeitet, muss er wegen der Zeitverschiebung sehr früh aufstehen. Dafür hat er am Nachmittag, wenn in Deutschland schon längst alle zuhause sind, Zeit für eine Fahrradtour, einen Spaziergang oder die Vorbereitungen fürs Abendessen seiner Familie, für das er zuständig ist.

Er ist in dritter Ehe mit einer Kroatin verheiratet, seine fünf Kinder sind zwischen zehn und 24 Jahre alt: "Wir sprechen viel über Politik. Das liegt ein bisschen in der Familie bei uns. Und wir haben die Situation, dass wir die Politik von Deutschland, Kroatien, Europa und den USA quasi in einer Familie haben."

Ich glaube, dass man nicht sein ganzes Leben nur im Parlament verbringen muss.

Matthias Berninger über seine Gründe für den Abschied aus der Politik

Manchmal kramen Berningers inzwischen erwachsene Kinder auch bei Youtube nach alten Videoschnipseln – und machen sich einen Spaß daraus, wenn sie ihren Vater bei einer alten Rede entdecken. Denn Anfang der 2000er-Jahre saß Matthias Berninger für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag und gehörte als 30-jähriger Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium zum Spitzenpersonal der Partei.

Doch ein Leben lang Politik zu machen und ständig mit den Gedanken an eine Wiederwahl beschäftigt zu sein, kam für Berninger nicht in Frage: "Ich war nie ein Freund von diesen sehr strengen Rotationsregeln, mit denen die Grünen in den 80er-Jahren ja angefangen haben. Aber gleichzeitig glaube ich auch, dass man nicht sein ganzes Leben nur im Parlament verbringen muss."

Ich definiere meinen Erfolg bei Bayer so, dass wir mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit auch erfolgreicher sind.

Matthias Berninger über das Gewinnstreben seines Arbeitgebers

Berninger zog es ins Ausland – und in die Wirtschaft zum Süßigkeitenkonzern Mars. Ein Wechsel, der von vielen mehr als kritisch beäugt wurde. 2019 kam dann das Angebot vom Pharmakonzern Bayer: "Für mich war schnell klar, dass ich das machen möchte. Und das hängt damit zusammen, dass ich mir angeguckt habe, welchen Einfluss ein Unternehmen wie Bayer auf diese Nachhaltigkeitsthemen hat, die mir so viel bedeuten. Und da war Bayer einfach ein Unternehmen, das so systemisch relevant ist, dass ich dazu nicht nein sagen konnte."

Wie kann man die wachsende Bevölkerung des Erdballs ernähren – und sie medizinisch versorgen? Diese Fragen treiben Berninger um. Deswegen sei er auch zur Bayer AG gegangen, sagt er. Nun entwickelt er Nachhaltigkeitsstrategien für den Global Player, der auch Gewinn machen will: "Das ist für mich kein Problem. Ich bin da, ehrlich gesagt, niemand, der sich dafür groß entschuldigt. Im Gegenteil: Ich definiere meinen Erfolg bei Bayer so, dass wir mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit auch erfolgreicher sind.

Bei Glyphosat setzt er auf Transparenz

Matthias Berninger scheut nach eigenen Angaben keine Konflikte. Oft, sagt er, vertrete er in Gesprächen eine Minderheitenmeinung. Privat, in der Öffentlichkeit – und auch im Unternehmen. Defizite bei Bayer sieht er manchmal im Vertrieb und in der Preispolitik, zum Beispiel bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.

Als er zu Bayer kam, hatte das Unternehmen gerade die Übernahme des Saatgutkonzerns Monsanto beschlossen. Bis heute ist dies eine der größten Baustellen für die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Bei der umstrittenen Glyphosat-Zulassung setzt Berninger darauf, Kritiker einzubinden und Studien allen zugänglich zu machen. Denn dies sei in der Vergangenheit nicht geschehen – und hätte so das Vertrauen untergraben. "Daraus haben wir gelernt und sagen: 'Wenn wir die Zulassung eines Produktes beantragen, ist das gesamte Dossier auch öffentlich einsehbar'", so Berninger.

Matthias Berninger spricht über landwirtschaftliche Innovationen, über Zugang zu medizinischen Produkten, biologische und konventionelle Landwirtschaft – und weiß, dass er damit nicht überall gut ankommt. Doch dass er seit zwei Jahren diese Themen für den Bayer Konzern vertritt, hat er nicht bereut.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 16. März 2021, 18:05 Uhr