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Der Samstagvormittag mit Stefanie Pesch

Im Porträt Warum Martin Schmitz Fußgängerzonen am liebsten abschaffen würde

Autorinnen

Prof. Martin Schmitz
Design und Wirkung gehören für ihn zusammen: Promenadologe oder Spaziergangswissenschaftler Martin Schmitz. Bild: Doris-Spiekermann-Klaas/Der-Tagesspiegel

Manche versuchen 10.000 Schritte pro Tag zu gehen – manche schaffen es höchstens zwei Mal pro Tag vom Auto ins Büro und wieder zurück. Professor Martin Schmitz ist schon von Berufs wegen Spaziergänger. Er ist Spaziergangsforscher und plädiert für eine bewusstere Wahrnehmung unserer Umwelt.

Gesprächszeit "Die Fußgängerzone sollte man eigentlich abschaffen" – Martin Schmitz

Professor Martin Schmitz ist schon von Berufs wegen Spaziergänger. Er ist Spaziergangsforscher und plädiert für eine bewusstere Wahrnehmung unserer Umwelt.

Prof. Martin Schmitz
Bild: Doris-Spiekermann-Klaas/Der-Tagesspiegel
Bild: Doris-Spiekermann-Klaas/Der-Tagesspiegel

Die Spaziergangswissenschaft wird von manchen nicht ganz ernst genommen, sagt Martin Schmitz. Dabei streckt sich sein Forschungsgebiet weit in die Architektur und Stadtplanung hinein: "Die Spaziergangswissenschaft oder Promenadologie denkt Mobilität – also Gehen, Fahren, Fliegen – mit der Wahrnehmung zusammen," erklärt er. Und die Wahrnehmung der Umgebung ist dann Ausgangspunkt für das Planen und Bauen.

Spazierengehen schafft Schönheit

Martin Schmitz studierte Architektur und Stadt- und Landschaftsplanung. Heute lehrt er im Fachbereich Design an der Kunsthochschule Kassel und versucht, den Blick der Studierenden auf ihre Umwelt zu lenken: "Ich sagen denen immer: Wenn ihr Gestalterinnen und Gestalter werden wollt, dann müsst ihr euch umschauen. Alles um euch herum ist von Menschen gemacht."

Damit meint er nicht nur den Stuhl oder die Uhr an der Wand, die jemand entworfen hat, sondern auch den Straßenverkehr, die Beleuchtung oder die Wege zwischen Stadtteilen. Dabei ist das Spazierengehen wichtig, denn "wenn man eine genaue Aussage über einen Raum, eine Landschaft, eine Stadt treffen möchte, dann muss man sich in ihr bewegen. Und genau kann sie nur sein, wenn wir uns ganz langsam darin bewegen." Und weil jeder Mensch seine Umgebung in einem gewissen Maß gestalten kann, schaffe Spazieren auch Schönheit.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man die Fußgängerzone eigentlich abschaffen sollte.

Martin Schmitz über die Innenstadt von Kassel

In der Kasseler Innenstadt zeigt Schmitz seinen Studierenden, wie in den 50er und 60er Jahren die sogenannte "autogerechte Stadt" gebaut wurde: eine Fußgängerzuone, umringt von großen öden Parkplätzen und großen Straßen. Dabei sei auch die Fußgängerzone nicht wegen der Fußgänger, sondern wegen der Autos gebaut worden, sagt Schmitz. "Ich bin dann nach den Spaziergängen durch die Kasseler Innenstadt zu dem Schluss gekommen, dass man die Fußgängerzone eigentlich abschaffen sollte." Denn jetzt sehe man die negativen Folgen: Die Mieten sind so hoch, das es fast nur noch Geschäfte großer Ketten gibt, für kleine Einzelhändler ist die Innenstadt zu teuer. Das gelte für viele Innenstädte, überall werde nach neuen Konzepten gegen die Verödung der Innenstädte gesucht.

Eine autofreie Innenstadt sei keine Lösung, meint Schmitz: "Es hat überhaupt keinen Sinn, dieses Verkehrsmittel hinauszudrängen. Denn das wäre eigentlich nur die Mega-Fußgängerzone und Fußgängerzonen haben unglaublich viel Probleme gemacht." Stattdessen müsse man den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen.

Punk und Documenta

Martin Schmitz' Lehrmeister ist der Schweizer Soziologe Lucius Burckhardt. Er war einer der ersten Kritiker der Automobilisierung, sagt Schmitz, und verhinderte zum Beispiel in den 50er Jahren den Bau einer breiten Straße durch die gotische Altstadt von Basel.

Geprägt hat Martin Schmitz aber auch seine Zeit Ende der 70er Jahre am Deutschen Institut für Urbanistik in West-Berlin. Er fragte sich damals, warum ein Profi immer andere Profis braucht, um die Folgen seines Handels zu bewerten. Es war der Beginn der Punk-Zeit und Schmitz fühlte sich zur Bewegung "Geniale Dilettanten" und zur Künstlergruppe "Die tödliche Doris" hingezogen. "Das war ein Aufbruch, da brach was auf, und das unterschied sich massiv von der vorhergehenden Hippie-Bewegung".

Ende der Achtziger war Schmitz für das Filmprogramm der documenta 8 verantwortlich und er schrieb für Architektur- und Kunstzeitschriften. Später gründete er einen Verlag und eine Galerie. Sein Ziel war es immer, interdisziplinär zu denken und Kunst, Design und Wirkung in ihren Wechselbezügen zu betrachten.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, DATUM, 18:05 Uhr