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Sounds mit Till Lorenzen

Was wir lesen Land mit wechselvoller Geschichte: 5 Bücher über die Ukraine

Autorinnen

Illustration von Menschen, die auf Bücherstapeln sitzen und lesen. (Symbolbild)
Die Ukraine im Fokus: Wir empfehlen Ihnen Bücher, die uns das Land und seine Menschen näherbringen. Bild: Imago | fStop Images/Malte Müller

Der Krieg rückt ein Land ins Blickfeld, das sonst häufig am Rand unserer Wahrnehmung liegt: die Ukraine. Vielen geht es zurzeit darum, die Ukraine zu verstehen – und das Verhältnis zu Russland, das nie einfach war. Die Ukraine hat eine reiche literarische Szene – das sind unsere Leseempfehlungen.

Das schwierige Verhältnis zwischen der Ukraine und Russland, die dramatische Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert, die Traumata des Zweiten Weltkrieges und des Stalinismus, kulturelle Vielfalt und die Widerstandskraft der Menschen: Darum geht es in diesen Romanen ukrainischer Autorinnen und Autoren und der Graphic Novel des italienischen Zeichners Igort.

1 Oksana Sabuschko, "Museum der vergessenen Geheimnisse": der Widerstand ukrainischer Frauen 

Buchcover Oksana Sabuschko: "Museum der vergessenen Geheimnisse"
Oksana Sabuschko: "Museum der vergessenen Geheimnisse", übersetzt von Alexander Kratochvil, Literaturverlag Droschl, 2010, 760 Seiten, 29 Euro. Bild: Fischer Verlage | Collage Sabina Weinrich

Drei Frauenleben, die die verworrene und dramatische Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert verkörpern: Die Kiewer Fernsehproduzentin Daryna stößt auf ein Foto der Partisanin Helzja. Helzja war Mitglied der ukrainischen Aufstandsarmee in den 1940er Jahren, und Daryna beschließt, ihrer Geschichte für eine Dokumentation nachzuspüren. Dayrinas beste Freundin, die Malerin Wlada, kommt fast zeitgleich bei einem Unfall ums Leben – dabei verschwindet ihre wertvolle Gemäldeserie mit dem vielsagenden Titel "Geheimnisse".

Ein mutiger Schlüsselroman über das schwierige Verhältnis der "ungleichen Brüder" Ukraine und Russland und den Widerstand der ukrainischen Frauen.
 

2 Maria Matios, "Mitternachtsblüte": wie kulturelle Vielfalt vernichtet wird

Buchcover Maria Matios "Mitternachtsblüte"
Maria Matios: "Mitternachtsblüte", aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck, Haymon Verlag, 2015, 224 Seiten, 19,90 Euro Bild: Haymon Verlag | Collage Sabina Weinrich

In einem abgeschiedenen Dorf in der Bukowina lebt die junge Iwanka. Sie leidet an Epilepsie. Die Bewohner betrachten sie als Sonderling. Aus ihrer Perspektive lernen wir das Dorfleben kennen, voller Magie, alter Bräuche und Dämonen. Es ist ein sprachlich und kulturell buntes Miteinander von Ukrainern, Juden und anderen Volksgruppen – bis erst das brutale sowjetische Kommando und dann der deutsche Judenvernichtungswahn über das Dorf hereinbrechen.

Die in ihrer Heimat sehr bekannte Schriftstellerin erzählt die tragischen Geschehnisse in der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs – sprachmächtig und mit großem Gespür für den vernichteten kulturellen Reichtum der Bukowina.

3 Andrej Kurkow, "Graue Bienen": allein zwischen den Fronten

Buchcover Andrej Kurkow " Graue Bienen"
Andrej Kurkow, "Graue Bienen", aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing, Diogenes Verlag, 2019, 445 Seiten, 24 Euro. Bild: Diogenes | Collage Sabina Weinrich

Vom Alltag ganz normaler "kleiner Leute", die im Donbass leben und plötzlich in den Krieg zwischen ukrainischer Armee und prorussischen Separatisten geraten, erzählt dieser brisante Roman. Es ist einfach Pech, dass das Dorf des Bienenzüchters Sergej ausgerechnet in der so genannten "grauen Zone" liegt. Nur Sergej und sein Freund-Feind Paschko harren noch aus, obwohl es hier nichts mehr gibt. Sergej hält sich politisch aus allem heraus, ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung. Gequält von Alpträumen, in denen sogar seine Bienen grau werden, beschließt der Imker, sie in den friedlichen Westen zu schleusen, um sie dort frei zu lassen – doch der Krieg verfolgt ihn auf dieser schwierigen Reise.

4 Katja Petrowskaja, "Vielleicht Esther": eine osteuropäisch-jüdische Familiengeschichte

Buchcover Katja Petrowskaja "Vielleicht Esther"
Katja Petrowskaja: "Vielleicht Esther", Suhrkamp, 348 Seiten, 11 Euro Bild: Suhrkamp | Collage Sabina Weinrich

Nicht einmal über den Namen der Großmutter ist sie sich sicher. Vielleicht hieß sie Esther, die Frau, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb und von deutschen Soldaten "mit nachlässiger Routine" erschossen wurde. Katja Petrowskaja beginnt zu recherchieren, und sie macht sich auf die Reise. Was sie findet: einen Großonkel, der 1932 ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Moskau verübte; seinen Bruder in Odessa, der Revolutionär war und sich den Untergrundnamen Petrowski gab; und einen Urgroßvater, der in Warschau ein Waisenhaus für gehörlose jüdische Kinder gründete.

Die vielen verstreuten Splitter einer osteuropäisch-jüdischen Familiengeschichte montiert die Autorin staunend, kunstvoll und mit Sinn für Komik zu einem mehrfach ausgezeichneten Roman.

5 Igort, "Berichte aus der Ukraine": sensibel gezeichnete Lebensgeschichten

Buchcover Igort: "Berichte aus der Ukraine"
Igort: "Berichte aus der Ukraine", aus dem Italienischen von Giovanni Peduto, Reprodukt, 180 Seiten, 24 Euro. Bild: Reprodukt | Collage Sabina Weinrich

Der italienische Zeichner Igort beschäftigt sich schon lange mit der Ukraine und deren Verhältnis zu Russland. Vor gut zehn Jahren machte er eine lange Reise durch die Ukraine, um dort Antworten auf seine Fragen zu finden. Er wollte zum Beispiel wissen, ob das Land gespalten ist – in einen westlich orientierten Teil und einen, der sich die UDSSR zurückwünscht. Igort sprach mit verschiedensten Menschen, hörte auch sehr alten Menschen zu – und zeichnete deren Lebensgeschichten. Auf diese Weise entstand eine Comic-Reportage, die tiefe und manchmal erschütternde Einblicke in die Geschichte der Ukraine gibt: in den Stalinismus und die Zeit danach, die Gräueltaten der deutschen Nationalsozialisten und vor allem den "Holodomor" – die große Hungersnot, die Joseph Stalin in den 1930ern künstlich erzeugte, damit Millionen Menschen tötete und das Land traumatisierte.

Igorts Bildsprache ist beeindruckend: Mal zeichnet er in erdigen, warmen Farbtönen, mal in fast verstörend krisseligem Schwarz-Weiß das nach, was seine Protagonistinnen und Protagonisten erlebt haben. Zusätzlich hat er einige Kapitel zu geschichtlichen Fakten gezeichnet, nicht zuletzt über die Unabhängigkeits-Bestrebungen der Ukraine, die immer wieder zerschlagen wurden. "Berichte aus der Ukraine" ist eine Graphic Novel, die dabei hilft, das, was jetzt in der Ukraine passiert, in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. März 2022, 10:10 Uhr