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Der Nachmittag mit Marius Zekri

Im Porträt Ärztin Lisa Federle zögert nicht, sondern handelt

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DRK-Kreisvorsitzende und Ärztin Dr. Lisa Federle bei der Übergabe von Schnelltests (Archivbild)
Lisa Federle hat schon sehr früh flächendeckend mit Corona-Tests gearbeitet. Bild: Imago | Ulmer

Lisa Federle ist Notärztin und kämpft an vorderster Front in der Corona-Pandemie. Sie ist eine der Architektinnen des Tübinger Modells, in dem bis Ende April – bis zur Einführung der "Bundesnotbremse" – wissenschaftlich geprüft wurde, ob Lockerungen in Verbindung mit Tests ein Ausweg aus dem Lockdown sein können.

Gesprächszeit "Krisen erfordern Menschen, die anpacken" – Lisa Federle

Lisa Federle handelt, wenn andere noch diskutieren. Die Notärztin ist eine der Architektinnen des Tübinger Modells in der Pandemie.

DRK-Kreisvorsitzende und Ärztin Dr. Lisa Federle hält ein Schild hoch, auf dem Sicherheit geschrieben steht (Archivbild)
Bild: Imago | Eibner
Bild: Imago | Eibner

In der Stadt Tübingen war bis zum 23. April möglich, was anderorts noch nicht ging: Cappuccino trinken und in der Innenstadt shoppen. Ein Stückchen Normalität dank vieler Tests, engmaschiger Kontrollen und einer Begleitung durch die Wissenschaft. Die 59-jährige Lisa Federle hat das "Tübinger Modellprojekt" als Pandemie-Beauftragte der Stadt initiiert und hatte gehofft, dass das Modell zumindest in der Stadt, die eine geringere Inzidenz als der umliegende Landkreis aufwies, weitergeführt werden kann. "Dadurch, dass das jetzt abgebrochen wird, haben wir gar keine Kontrolle mehr", bedauert sie.

Ich habe wahnsinnig viele Zuschriften aus ganz Deutschland bekommen. Ich musste mittlerweile einen Pressesprecher einstellen.

Lisa Federle über das öffentliche Interesse an ihrem Engagement während der Pandemie

Schon im letzten Jahr ging Lisa Federle finanziell in Vorleistung und organisierte Selbsttests für Altersheime. Sie beobachtete, dass die Inzidenzen zunächst steigen, wenn man viel testet, aber auf lange Sicht fallen. So entstand auch die Idee für das Modellprojekt mit den Tübinger Lockerungen, das zwei Mal verlängert wurde. Die Reaktionen auf den Tübinger Weg waren überwältigend: "Die Menschen waren natürlich total glücklich. Und ich habe wahnsinnig viele Zuschriften aus ganz Deutschland bekommen. Ich musste mittlerweile einen Pressesprecher einstellen – als Ärztin bin ich das ja so nicht gewöhnt, so einen Ansturm. Und es war auch nicht mehr bewältigbar – ich hab auch immer noch mindestens 1.000 ungelesene E-Mails auf meinem Computer." Aber Federles Präsenz in den Medien ruft auch Menschen auf den Plan, die sie angreifen: "Ich bin bedroht worden von Attila Hildmann – da hat sich jetzt auch die Kripo eingeschaltet. Ich bekomme auch noch andere Briefe, von Leuten, die mir anonym schreiben."

Ärztin werden: ein zielstrebiger Hindernislauf

Lisa Federle hatte schon als Kind den Wunsch, Ärztin zu werden. Doch ihr Weg ist alles andere als gewöhnlich: Mit 17 Jahren wurde sie schwanger, sie brach das Gymnasium ab, mit 19 kam das zweite Kind. Erst viele Jahre später hat sie – inzwischen alleinerziehend – ihre Schulabschlüsse nachgeholt. Zwei weitere Kinder folgten, während sie endlich Medizin studierte. Wie sie das alles gemeistert hat, weiß Federle heute auch nicht mehr genau, aber: "Meine Kinder mussten mich sicherlich immer wieder entbehren. Aber ich habe alles für meine Kinder getan, und sie wussten, sie können sich 100 Prozent auf mich verlassen."

Krisen erfordern Menschen, die anpacken.

Lisa Federle über gesellschaftliches Engagement
DRK-Kreisvorsitzende und Ärztin Dr. Lisa Federle hält ein Schild hoch, auf dem Sicherheit geschrieben steht (Archivbild)
Wenn man Sachen von Herzen macht, macht man sie gut, ist Lisa Federle überzeugt. Bild: Imago | Eibner

Sie zögert nicht lange, sondern handelt – wenn andere noch darüber diskutieren, was jetzt die richtige Maßnahme ist. Schon 2015 engagierte sich Federle mit ihrem Arztmobil in der Flüchtlingshilfe. "Krisen erfordern Menschen, die anpacken", ist Federle überzeugt. "Ich weiß, was Existenzängste sind. Und deswegen weiß ich auch, was das jetzt in der Krise für Menschen bedeutet." Für ihr Engagement beim Einsatz eines Ärztemobils mit kostenlosen Corona-Schnelltests wurde Lisa Federle im letzten Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das Wichtigste daran? Sie wird ernster genommen: "Das hat mich am meisten daran gefreut. Für mich war die schlimmste Situation im letzten Jahr eigentlich die, dass ich wusste: Das und das ist wichtig – und ich werde nicht gehört."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 10. Mai 2021, 18:05 Uhr