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Sounds mit Till Lorenzen

Im Porträt Leander Haußmanns ganz persönlicher Blick auf die Stasi

Autor/Autorin

  • Birgit Kolkmann
Regisseur Leander Haußmann
Ist froh, dass er dank seiner Familie auf der offenbar richtige Seite der DDR stand: Leander Haußmann. Bild: DPA | Daniel Reinhardt

Zehn Jahre hat Leander Haußmann an seinem neuen Film "Stasikomödie" gearbeitet, der am 19. Mai in die Kinos kommt. Es ist eine skurrile Truppe, die von der Stasi den Auftrag bekommt, die Künstlerszene im Berliner Prenzlauer Berg zu bespitzeln und zu zersetzen. Aber es kommt anders, als Mielkes "Firma", die Stasi, sich das gedacht hat.

Regisseur Leander Haußmann

Gesprächszeit "Die DDR war so ein Gartenzwerg-System" – Leander Haußmann

Am 19. Mai 2022 kommt Leander Haußmanns "Stasikomödie" in die Kinos. Hauptfigur Ludger soll die DDR-Bohème bespitzeln – und wird selbst zum Schriftsteller.

Bild: DPA | Daniel Reinhardt

Alles entscheidet sich an einer Ampel in Ost-Berlin: Geht "Ludger" bei Rot, obwohl kein Auto kommt, oder wartet er auf Grün? Die Antwort gibt es im Film – und auch Regisseur Leander Haußmann verrät, welcher Ampeltyp er selbst ist: "Ich gehe bei Rot, wenn die Straße leer ist, und bringe das auch meinen Kindern bei. Ich sage: 'Vertraue nicht der Ampel!'" Und Ludger? Der per Ampeltest angeworbene Mitarbeiter vergisst in der DDR-Bohème seinen Auftrag und wird selbst zum Schriftsteller.

Leander Haußmann war früher selbst Teil der Künstlerszene Ost-Berlins; Ludger, der Stasi-Mann und Schriftsteller, ist sein Alter-Ego. Und der steht zu Beginn des Films an einer Kreuzung: "Wir stehen alle irgendwann an einer Kreuzung und müssen eine Entscheidung treffen. Und wir werden erst spät, möglicherweise am Ende unseres Lebens, erfahren, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung war", so Haußmann.

Wir lebten in Klein-Paris im Prenzlauer Berg und waren wahnsinnig hochnäsig und arrogant.

Leander Haußmann über seine Zeit als Teil der Kunstszene Ost-Berlins
Szene aus dem Film "Stasikomödie"
David Kross spielt in Leander Haußmanns Komödie den Stasispitzel Ludger. Bild: Constantin Film

Leander Haußmann hat sich beim dritten Teil seiner DDR-Trilogie nach "Sonnenallee" und "NVA" das Stasi-Thema vorgenommen – als Komödie: "Ich wollte versuchen, etwas Ernsthaftes zu erzählen, denn nur das Ernsthafte ist komisch." Im Film changieren die Stasi-Typen zwischen Gut und Böse, als zum Teil gebrochene Menschen und Charaktere. Auch er selbst habe als Teil der DDR-Künstlerszene über die Stasi gelacht, sagt Haußmann. Die Kunst-Bohème war der "Schrebergarten der Stasi", zitiert er Wolf Biermann und sagt selbst: "Wir lebten in Klein-Paris im Prenzlauer Berg und waren wahnsinnig hochnäsig und arrogant. Die Stasi war der verlängerte Arm des Spießbürgers. Die DDR war ja so’n Gartenzwerg-System, wo man immer klein gemacht werden sollte."

Das System hat mir immer misstraut.

Leander Haußmann über seine Stellung in der DDR

Für das Drehbuch zur "Stasikomödie"wäre er zu DDR-Zeiten "abgegangen", sagt Haußmann: "Das System hat mir immer misstraut. Selbst wenn ich FDJ-Sekretär hätte werden wollen – die haben mir nicht vertraut. Aber das lag auch an meinem familiären Umfeld. Sippenhaft war denen nicht fremd." Er hatte einen Ausreiseantrag gestellt damals in den 1980ern – aber dann kam die Wende. "Für mich war das das perfekte Timing – besser konnte es für mich nicht laufen. Ich hätte wahrscheinlich nicht in der Form die Theaterregisseur-Karriere machen können und Filme sowieso nicht!"

Als ich noch in der DDR lebte, war ich kein Ossi. Zu dem bin ich erst gemacht worden.

Leander Haußmann über die Unterteilung in Ossis und Wessis

In den 90er Jahren wurde Leander Haußmann Chef des Schauspiels Bochum. Ein "pochendes Herz" brachte er in den Westen, er elektrisierte die Stadt an der Ruhr, so sah es Leander Haußmanns damaliger Chauffeur. Der fuhr ihn, weil Haußmann selbst keinen Führerschein – pardon: keine Fahrerlaubnis – hatte. "Als ich noch in der DDR lebte, war ich kein Ossi. Zu dem bin ich erst gemacht worden," erinnert sich Haußmann an die Nachwende-Jahre.

Neben seiner Intendanz in Bochum inszenierte Haußmann auch an anderen Häusern und feierte mit "Sonnenallee" schließlich seinen Durchbruch als Filmregisseur. Dass er auch heute noch immer mal wieder "wie ein Student" mit seinen Projekten bei Produktionsfirmen vorsprechen muss, frustriert den bald 63-Jährigen zuweilen: "Mal Butter bei die Fische: Jetzt, wo ich in das gesetzte Alter eintrete, habe ich einen ganz, ganz großen Kampf zu kämpfen, wie viele andere auch: gegen die Verbitterung, gegen den Zorn. Den würde ich gerne gewinnen!" Neben den Filmen gleichzeitig Theater machen zu dürfen, ist dabei Haußmanns großes Glück: "Deswegen dauert es auch immer so lange, bis ein neuer Film von mir rauskommt".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 19. Mai 2022, 18:05 Uhr