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Der Morgen mit Tom Grote

Im Porträt Warum Identität sich auch über den Namen ausdrückt

Autorin

Schriftstellerin Laura Cwiertnia
Trägt den Nachnamen ihrer Mutter: Laura Cwiertnia Bild: Marlena Waldthausen

Laura Cwiertnia ist in Bremen aufgewachsen und hat mit "Auf der Straße heißen wir anders" in diesem Jahr ihr literarisches Debüt veröffentlicht. Darin hat sie einen Teil ihrer deutsch-armenischen Identität eingewoben.

Schriftstellerin Laura Cwiertnia

Gesprächszeit "Ich hätte vielleicht gerne einen zweiten Namen gehabt" – Laura Cwiertnia

Laura Cwiertnia ist in Bremen-Nord aufgewachsen und hat in ihrem Roman-Debüt "Draußen heißen wir anders" einen Teil ihrer deutsch-armenischen Identität eingewoben.

Bild: Marlena Waldthausen

Um Laura Cwiertnia zu treffen, ist Bremen Zwei-Moderatorin Ziphora Robina nach Hamburg gefahren – ins Redaktionshaus der Wochenzeitung "Die Zeit". Dort ist Cwiertnia Redakteurin im Klima- und Nachhaltigkeitsressort – und jetzt auch Autorin. Mit "Auf der Straße heißen wir anders" ist ihr Debütroman erschienen.

Die Protagonistin heißt "Karlotta" – kurz "Karla", weil der armenische Vater ihr mit diesem Namen eine deutsche Identität geben wollte. Und so ergeht es auch den anderen Personen im Buch: Zuhause haben sie den einen Namen – draußen werden sie anders gerufen. Auch Laura Cwiertnia ist Halb-Armenierin und hat sich über ihre Vornamen Gedanken gemacht: "Ich hätte vielleicht gerne einen zweiten Namen gehabt, der armenisch wäre oder irgendwas, was damit assoziiert ist."

Warum sie nicht zweisprachig aufwuchs

Laura Cwiertnia und Ziphora Robina
Ziphora Robina (rechts) hat Laura Cwiertnia in Hamburg besucht. Bild: Radio Bremen | Ziphora Robina

Bei Erziehung und Sprache fokussierte sich Cwiertnias Vater, der als Armenier in Istanbul aufwuchs, mehr auf das Deutsche: "Das war bei uns so, dass er mit Absicht nicht Türkisch mit mir gesprochen hat, was seine Mutter- oder Verkehrssprache in der Familie war. Das war ihm eben wichtig, dass ich nicht diese Zerrissenheit spüre." Dass sie deshalb heute weder Türkisch noch Armenisch spricht, findet Laura Cwiertnia ziemlich schade. "Ich habe immer noch vor, beides fließend zu lernen", schmunzelt die Journalistin.

Eine Reise, die Fragen aufwirft

Wie Protagonistin Karlotta ist auch Laura Cwiertnia mit ihrem Vater in dessen Heimatland, nach Armenien, gereist. Doch von "Heimat" will Cwiertnia dabei nicht sprechen, sondern lieber von einem Fixpunkt in der Biografie. Diese Reise habe bei Cwiertnia und ihrem Vater ambivalente Gefühle ausgelöst, sagt sie. Die Sprache hatte etwas Verbindendes und kam ihnen vertraut vor – und trotzdem war Armenien für beide ein Ort, zu dem sie noch viele Fragen haben.

Das ist nicht eins zu eins meine Biografie.

Laura Cwiertnia über den biografischen Teil ihres Romans

Geboren und aufgewachsen ist die Journalistin und Autorin in Bremen. Ihre Mutter ist Deutsche, und auch ihre eigene Identität würde Laura Cwiertnia als "deutsch" beschreiben. Dass sie aufgrund ihres Buches derzeit als deutsch-armenische Autorin vorgestellt wird, sei für sie deshalb ein bisschen komisch. In ihrem autofiktionalen Roman hat Cwiertnia zwar einige Parallelen aus ihrem Leben eingewoben, aber sie betont: "Das ist nicht eins zu eins meine Biografie oder die meiner Familie."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 21. Juni 2022, 18:05 Uhr