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Der Tag mit Kristin Hunfeld

Kunstspaziergänge in der Region Die Skulptur "Zur Schicht" in Bremen-Gröpelingen

Autoren

  • Lisa-Maria Röhling
Bronzeskulptur "Zur Schicht": ein gebeugter Mann
Erinnerung an die Geschichte Gröpelingens und eine Hommage an die Werftarbeiter: Die Skulptur "Zur Schicht" von Waldemar Otto. Bild: Radio Bremen | Lisa-Marie Röhling

Corona-konform Kunstwerke entdecken, beim Spazierengehen an der frischen Luft: Das geht an vielen Orten in der Region. Begleiten Sie uns auf unserem Kunstspaziergang – wer uns ein Beweisfoto schickt, gewinnt mit ein bisschen Glück eins unserer begehrten Bremen-Zwei-Notizbücher.

Wo geht es hin?

Es geht in den Bremer Stadtteil Gröpelingen, genauer an die Ecke Lindenhofstraße/Dockstraße im sogenannten Grünzug West. Da steht die Skulptur "Zur Schicht". Sie steht genau dort, wo viele Werftarbeiter zur Arbeit gingen. 1983 – auf dem Höhepunkt der Werftenkrise – wurde sie aufgestellt.

Von wem stammt das Kunstwerk?

Waldemar Otto schuf die Skulptur Anfang der 1980er Jahre. Von dem Künstler, der viele Jahre in Worpswede lebte und arbeitete, gibt es zahlreiche Kunstwerke im Nordwesten zu entdecken. Auch der Neptunbrunnen auf dem Domshof in Bremen ist sein Werk.

Welche Geschichte steckt dahinter?

Bronzeskulptur "Zur Schicht": ein gebeugter Mann
Die Skulptur "Zur Schicht" steht an einem Weg, den viele Werftarbeiter auf dem Weg zur Arbeit nahmen. Bild: Radio Bremen | Lisa-Marie Röhling

Noch vor 40 Jahren war der Bremer Stadtteil Gröpelingen von Großwerften geprägt. Konzerne wie der Bremer Vulkan und die AG Weser hatten über Jahrzehnte hinweg für gute Jobs gesorgt. Doch Anfang der 80er-Jahre erfasste die Werftenkrise Bremen: Aufträge blieben aus, die Firmen machten immense Verluste. Die einst wichtigen Wirtschaftstreiber der Stadt mussten schließen. Das Ende einer Ära.

Aus dem Stadtteil verschwunden ist die Werftengeschichte aber nicht. Ein Spaziergang durch den Grünzug West führt an einer Bronzestatue vorbei, die einen überlebensgroßer, dünnen Mann mit Aktentasche zeigt, der anscheinend den Weg zur Arbeit antritt.

Waldemar Otto wollte dem letzten Werftarbeiter noch einmal huldigen.

Andrea Munjic über die Skulptur "Zur Schicht".

Mit "Zur Schicht" wollte der Künstler Waldemar Otto der Werftengeschichte und auch der Arbeiterbewegung ein Denkmal setzen, sagt Andrea Munjic vom Gröpelinger Verein "Kultur vor Ort". Denn das Entstehungsjahr der Skulptur, das Jahr 1983, sei auch das Schicksalsjahr der Werften gewesen. "Waldemar Otto wollte sozusagen dem letzten Werftarbeiter noch einmal huldigen", so Munjic.

Dass die Skulptur genau an dieser Stelle steht, ist kein Zufall: Die Lindenstraße war der Arbeitsweg für viele Werftangestellte. In dem besagten "Schicksalsjahr" mussten sie für den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze bei der AG Weser kämpfen, es fehlten die Aufträge.

Steinplatte mit Inschrift: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren."
Protest gegen die Werftenschließungen: Diese Steinplatte verankerten Werftarbeiter am Fuß der Skulptur "Zur Schicht". Bild: Radio Bremen | Lisa-Marie Röhling

1983 besetzten sie das Werftgelände – und auch das lässt sich an der Skulptur "Zur Schicht" ablesen. An ihrem Sockel ist eine Tafel eingelassen. Darauf zu lesen ist ein Zitat von Bertolt Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren". Teil des Kunstwerkes ist diese Inschrift nicht, erklärt Andrea Munjic. Die Werftarbeiter hätten die Steinplatte dort in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Protest verankert. Obwohl diese Ergänzung nicht ganz legal war, ist sie bis heute erhalten geblieben: "Man hat die Platte hier in Gröpelingen akzeptiert und nicht versucht, sie wieder zu entfernen." Ein Werk, das sich verselbstständigt hat und noch heute die bewegte Geschichte des Stadtteils widerspiegelt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 18. Dezember 2020, 14:40 Uhr.