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Die Nacht

In der Ausstellung "Soma"-Ausstellung verarbeitet ein italienisches Trauma

Autorin

Videostill aus Soma.
Videostill aus "Soma", Luisa Eugeni 2020. Bild: Luisa Eugeni 2020

Die Kunsthalle Bremen präsentiert mit dem Künstlerduo Luisa Eugeni und Mattia Bonafini die Preisträger des Karin-Hollweg-Preises von 2019. Die mulitmediale Ausstellung heißt "Soma" und läuft bis zum 25. April 2021.

Locker gewebte Fadengebilde hängen an Holzstäben von der Decke. An die Wände sind Videos projiziert: eine Frau im weißen Kleid watet durch ein überschwemmtes Feld, ein Mann im grauen Anzug wandert über brüchigen Asphalt. Der Mann aus dem Video ist auch real anwesend. Ganz in weiß gekleidet hat er sich einen weißen Stuhl wie einen Rucksack auf den Rücken gesteckt und schlängelt sich mit seiner Last am Boden. Er gehört zum Kollektiv Sineumbra, einem Ensemble aus Tänzern, Künstlern und Musikern, mit dem die Performance- und Videokünstlerin Luisa Eugeni und der Komponist und Musiker Mattia Bonafini krativ zusammenarbeiten.

Installationsansicht aus SOMA in der Kunsthalle.
Installationsansicht aus "Soma" in der Kunsthalle Bremen. Bild: Luisa Eugeni/Mattia Bonafini 2020 | Tobias Hübel

Naturkatastrophen und menschliche Erschütterungen

Luisa Eugeni und Mattia Bonafini stammen aus Italien. Ihre multimediale Installation führt in ihr Heimatland. Zum Beispiel in die Erdbebengebiete Mittel-Italiens. Luisa Eugeni stammt von dort, aus Assisi. 1997 hat sie selbst ein schweres Erdbeben erlebt.

Die Umsetzung reicht von journalistisch bis metaphorisch. Mal wurden Interviews mit Menschen in den Erdbebengebieten aufgenommen, von denen man aber nur die Hände sieht, niemals das Gesicht, mal übersetzen Tänzerinnen und Tänzer traumatische Erlebnisse und ihre Folgen in Bewegungen. Aber nicht nur Naturkatastrophen haben Italien erschüttert. Meistens sind es die Menschen selbst, die soziale, gesellschaftliche Beben auslösen und vor allem schinden sie die Natur. All das treibt Luisa Eugeni um. Italien gilt ihr dabei als Symbol. "Man kann auch an andere Länder denken, aber ich habe meinen Fokus auf Italien gegeben. Wie die Erde hier traumatisiert ist, von der ständigen Ausbeutung des Menschen."

Multimedial inszeniert

Die Besucherinnen und Besucher werden selbst Teil der Ausstellung, wenn sie beim Rundgang durch die vier Räume Schatten auf die Videowände werfen. Das wirkt, als ob die Frau, die auf dem überfluteten Feld mit Matschwasser spritzt, auf den eigenen Schattenriss zielt.

Tatsächlich ist es eine sehr politische Installation, die gleichzeitig aber auch sehr stark ästhetisch wirkt.

Eva Fischer-Hausdorf, Kuratorin

Natürlich ist die Ausstellung auch politisch gemeint, sagt die Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf: "Tatsächlich ist es eine sehr politische Installation, die gleichzeitig aber auch sehr stark ästhetisch wirkt. Es ist eine umfassende Installation, in der wir als Besucher mit unserem Körper eintauchen. Und gleichzeitig hat sie aber eine sehr starke politische Dimension."

Hohe Ästhetik, komplex und ambitioniert

Bilder, Klänge und Bewegungen sind aufeinander abgestimmt – und das immer sehr ästhetisch. Selbst wenn es um Aufnahmen von zerstörten Orten geht – eingestürzte Mauern, abgesperrte Straßen, verlassene Häuser – die Kameraführung lässt sogar Erdbebenschäden schön aussehen mit ihren klaren, graphischen Ausschnitten. In der Ausstellung "Soma" gibt es viel zu entdecken und zu erspüren. Und vielleicht tut diese ausführliche Beschäftigung mit den Traumata anderer auch der eigenen belasteten Seele gut.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 24. März 2021, 14:40 Uhr