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Der Morgen mit Tom Grote

In der Ausstellung "Remix" liefert neue Perspektiven auf die Schätze der Kunsthalle

Autorin

Ein Raum in der Bremer Kusthalle in der Ausstellung "Remix".
Allein das farbliche Zusammenspiel der Räume und Werke in der Ausstellung "Remix" ist ein ästhetisches Erlebnis. Bild: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen | Marcus Meyer

Die Bremer Kunsthalle hatte die Qual der Wahl. Seit Gründung des Bremer Kunstvereins 1823 ist eine beachtliche Sammlung aus acht Jahrhunderten zusammengekommen, vieles davon lagert im Depot. Für die letzte große Ausstellung "Ikonen" war das Haus 2019 komplett leer geräumt worden. Deshalb bot sich jetzt die Gelegenheit, die Räume ganz anders zu gestalten und damit die Sammlung wieder neu zu entdecken. Ein gelungener "Remix".

Frauenporträts aus der französischen Revolution hängen an blutrot gestrichener Wand, die Impressionisten vor lichtem Hellblau, und die Expressionisten im größten Ausstellungsraum vor knalligem Zitronengelb – allein das farbliche Zusammenspiel der Räume und der ausgestellten Werke ist ein ästhetisches Erlebnis. Alle 42 Ausstellungsräume wurden neu gestrichen, von zartrosa über mintgrün bis dunkelgrau. Akzente wurden verschoben, Konzepte verändert und modernisiert.

Gezeigt werden Neuerwebungen und Schätze aus dem Depot

Nun werden 500 Werke gezeigt statt bislang 400, vor allem mehr zeitgenössische Kunst und Kunst nach 1945. Dabei sind Neuerwerbungen, aber auch Verborgenes aus dem Depot. Altbekanntes wird in neue Bezüge gesetzt. Der Rundgang durch die Ausstellung, also durch Jahrhunderte der Kunstgeschichte, ist chronologisch angelegt, wird aber immer wieder unterbrochen durch aktuelle Bezüge oder Gegenüberstellungen. "Das ist eines der zentralen Themen, dass wir auf der einen Seite eine Stadt haben, die global vernetzt war und ist, vom Austausch mit anderen Kulturen, Wirtschaften lebt, aber auch geprägt wurde durch Mäzene, Sammler Direktoren, dieser Austausch ist ganz zentral für diese Ausstellung", so Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg.

Räume mit eigenen Themengebieten

Ausgestopfte Tiere als Bremer Stadtmusikanten aufeinander stehend, ebensolchen Tieren gegenüber, aber als Skelette.
Maurizio Cattelan, Love Saves Life, 1995 und Love Lasts Forever, 1998 Tierpräparate, Tierskelette Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen Bild: Maurizio Cattelan

Im zentralen Mittelsaal im ersten Stock thronen zwei Variationen der weltberühmten Stadtmusikanten – als Gerippe und ausgestopft. An den Wänden hängen Gemälde Bremer Stadtansichten oder Porträts Bremer Mäzene und Sammler, auch eines von Gustav Pauli, einem der Vorgänger Grunenbergs. Gezeigt werden Perspektiven auf Bremen und seine Menschen.

In einem anderen Raum geht es um Krieg, ein Thema, das sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Zu sehen sind Schlachten-Gemälde niederländischer Maler von 1613 über den damaligen Glaubenskrieg, und eine Videoarbeit des syrischen Künstlers Rabih Mroué von der vorletzten Dokumenta über Handyaufnahmen von Todesschützen. Eine Leihgabe aus dem Bremer Rathaus ist auch dabei: Franz Radziwill "Die Klage Bremens" zeigt die kriegszerstörte Stadt nach 1945.

Arbeiten zum Thema "Wald" werden ebenfalls in einem eigenen Raum ausgestellt. Das Spektrum reicht vom Wald als romantisches Idyll über die Gefährdung durch den Klimawandel bis zum Wald als nationales Symbol. Zu sehen sind Caspar David Friedrichs "Felsental" neben dem Foto einer zeitgenössischen Bremer Fotografin von Ruinen der Hitlerschen Wolfsschanze im Wald. So entstehen inhaltlich interessante Nachbarschaften.

Bei der zeitgenössischen Kunst fällt eine raumgreifende Installationen von Hanne Darboven ins Auge. Sie besteht aus 900 gerahmten Schreibzeichnungen, Kalenderzahlen, kombiniert mit Tierfotos, die quasi die Wände hochwachsen. Auch der Künstler Franz Ackermann ist für den Remix tätig geworden. Er hat knallig, grell und wild ein ganzes Kabinett gestaltet, mit Wandmalereien und gerahmten Gemälden, in die Fotos von indischen und bremischen Stadtansichten eingearbeitet sind.

Fazit: Kunstwerke können neu entdeckt werden

Gemälde mit zwei Mäusen.
Jacques de Gheyn II., Mäuse, um 1600 Öl auf Eichenholz, 12 x 20 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen Bild: Kunsthalle Bremen

In dem neuen Rundgang erlebt man die Schätze der Kunsthalle neu. Wenn beispielsweise Edvard Munch neben Paula Modersohn-Becker platziert wird und Monets "Camille" im Raum der deutsch-französischen Beziehungen hängt, ergeben sich neue unmittelbare Vergleiche. Die Ausstellung bietet Kontexte an, wirft Blicke hinter die Werke, eröffnet neue Perspektiven. Das macht Lust auf mehr.

Dieses Thema im Programm: Der Nachmittag, 5. Juni 2020, 17:40 Uhr