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Der Vormittag mit Hendrik Plaß

In der Ausstellung Die Kunsthalle Bremen zeigt aufrüttelnde Fotos von globalen Krisen

Autor/Autorin

  • Anna Maria Stock
Richard Mosse auf einer Ausstellung vor einem seiner Bilder.
Die Arbeiten des Fotokünstlers Richard Mosse sind bis Juli in der Kunsthalle Bremen zu sehen. Bild: Radio Bremen

Die Fotografien von Richard Mosse stechen ins Auge. Mit seiner speziellen Fotokunst will er die Komplexität von humanitären und ökologischen Katastrophen weltweit sichtbar machen. Es ist die deutschlandweit erste Werkschau des irischen Fotografen.

Schon beim Betreten der Ausstellung fällt sie ins Auge: die Farbe Pink. Hier ein sich schlängelnder Fluss, umgeben von pinken Hügeln, dort eine Berglandschaft mit pinken Bäumen. Dieses Farbspiel sei eine Strategie des Foografen Richard Mosse, sagt Eva Fischer-Hausdorf, die Kuratorin der Ausstellung: "Wir sehen unglaublich ästhetische, wirkmächtige Bilder, die durch das Rot, Pink und Magenta unglaublich auf uns wirken. Das ist eine Strategie, die Richard Mosse anwendet, um die Betrachterinnen und Betrachter anzuziehen, an die Bilder heranzuziehen. Dann sind wir gezwungen, uns mit den Inhalten auseinanderzusetzen."

Richard Mosse, Alumina Refinery, Pará, 2020 aus der Serie Tristes Tropiques
Richard Mosse, Alumina Refinery, Pará, 2020 aus der Serie Tristes Tropiques. Bild: Jack Shainman Gallery, New York and carlier | gebauer, Berlin/Madrid

Die Bilder handeln im Kern von menschlichen Konflikten und Leid. Das Politische ist ihnen also zutiefst eingeschrieben. Meine Arbeit lebt von der Schwierigkeit, etwas zu zeigen, von dem ich finde, dass es gezeigt werden muss.

Richard Mosse

Die Fotos haben eine Sogwirkung. Denn das, was auf den Bildern zu sehen ist, hat nichts von der Leichtigkeit, die die kräftigen Farben zunächst vermuten lassen. Auf Begleittexten, zum Beispiel über ein Massakers von 2009 in der Demokratischen Republik Kongo, erfahren die Besucherinnen und Besucher von den Zusammenhängen. Richard Mosse war seit 2010 immer wieder im Kongo unterwegs, um die militärischen Konflikte abzulichten – und das Leid, das mit ihnen einhergeht. Es sind zutiefst politische Bilder. Das sieht auch der Künstler selbst so. "Die Bilder handeln im Kern von menschlichen Konflikten und Leid. Das Politische ist ihnen also zutiefst eingeschrieben, es ist gewissermaßen ihr Rückgrat. Meine Arbeit lebt von der Schwierigkeit, etwas zu zeigen, von dem ich finde, dass es gezeigt werden muss. Und das kann das dokumentarische Foto."

Richard Mosse, Lost Fun Zone, 2012 aus der Serie Infra
Richard Mosse Bild "Lost Fun Zone" zeigt ein Flüchtlingscamp im Kongo. Bild: Jack Shainman Gallery, New York and carlier | gebauer, Berlin/Madrid

Dokumentarfotografie mit spezieller Technik

Richard Mosse verwendet ungewöhnliche Mittel für seine Dokumentarfotografie. Die Bilder aus dem Kongo hat er auf einem Infrarot-Film abgelichtet, der im Zweiten Weltkrieg für das Militär entwickelt wurde. Der Film gibt grüne Landschaften und ihre Vegetation in Pinktönen wieder, sodass im Krieg als Natur getarnte Soldaten und Objekte entdeckt werden konnten.

Zwei Ausstellungsräume weiter wird das Farbenspiel unterbrochen. Graue Wandfarbe, davor schwarzweiße Bilder. Die großformatigen, länglichen Fotos wirken wie Stadtansichten. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Flüchtlingscamps. Auch für diese Aufnahmen verwendete Richard Mosse ein militärisches Mittel: Eine Wärmebildkamera, die Wärmestrahlung über eine Distanz von bis zu 30 Kilometern wahrnehmen kann. Diese Kamera ist als Waffe registriert – und wird von Regierungen eingesetzt, um Grenzen zu überwachen.

Fotos aus dem brasilianischen Regenwald

Richard Mosse, Senador Porfirio, Pará, 2021, aus der Serie Tristes Tropiques
Richard Mosse, Senador Porfirio, Pará, 2021, aus der Serie Tristes Tropiques. Bild: Jack Shainman Gallery, New York and carlier | gebauer, Berlin/Madrid

Richard Mosse hat auch die ökologische Zerstörung im Amazonas-Gebiet dokumentiert. Auch hier zeigen kräftige Farben, was sonst für das menschliche Auge nicht direkt sichtbar wäre: Gesunde Pflanzen werden farblich von kranken oder toten unterschieden. Für eine Video- und Soundinstallation, die am Ende der Ausstellung wartet, ist Richard Mosse mit einem Hubschrauber über ein Gebiet in Brasilien geflogen, das bis vor kurzem noch unberührter Urwald war. "Diese Kamera, die unter dem Hubschrauber war, die kann man hin und her schwenken. Und es gibt mehrere Momente, wo die Perspektive sich umdreht und man wirklich das Gefühl hat – die ganze Welt steht Kopf", sagt Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf. Richard Mosse macht erfahrbar, dass die Welt Kopf steht. Und dass wir das leider allzu häufig vergessen.

70 sehenswerte Fotoarbeiten

"Als Besucherin stellt sich im Laufe dieser absolut sehenswerten Ausstellung ein seltsames Gefühl ein. Einerseits wird man ästhetisch überwältigt. Andererseits emotional gerüttelt. Ertappt, enttarnt als Bewohnerin der Festung Europa. Ein Europa, das auch an einer weiteren Krise seinen Anteil hat: der weltweiten Klima- und Umweltkrise", resümiert Bremen-Zwei-Reporterin Anna Maria Stock.

Richard Mosse auf einer Ausstellung vor einem seiner Bilder.

Richard Mosses Fotokunst in Bremen

Die Kunsthalle Bremen zeigt 70 Fotoarbeiten und eine Videoinstallation von Richard Mosse. Die Werke nehmen aktuelle politische und ökologische Krisen in den Fokus.

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 2. April 2022, 08:10 Uhr