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Der Nachmittag mit Marius Zekri

Im Porträt Katja Hübner über ihre Freundschaft zu einem Obdachlosen

Autorin

Katja Hübner
Katja Hübner ist immer wieder stehen geblieben: Bei einem Obdachlosen, der offenbar Hilfe brauchte. Bild: Penguin Random House | Florian Weinert

Katja Hübner ist irgendwann nicht mehr vorbeigelaufen. Vorbei an einem Obdachlosen, den sie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sah. Mit viel Geduld hat sie langsam Kontakt aufgenommen und es sogar geschafft, dass er psychiatrische Hilfe und einen Platz in einer Wohngruppe bekommen hat.

Gesprächszeit "Ich habe mich oft gefragt, was mache ich da und warum?" – Katja Hübner

Katja Hübner ist irgendwann nicht mehr vorbei gelaufen. Vorbei an einem Obdachlosen, den sie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sah.

Katja Hübner lehnt mit verschränkten Armen an einer Mauer.
Bild: Florian Weinert
Bild: Florian Weinert

Oft wird gesagt, dass sich innerhalb der ersten Sekunden des Kennenlernens entscheidet, ob man jemanden mag oder nicht. Bei Katja Hübner war es so: Sie sieht den obdachlosen Marc im Hamburger Schanzenviertel und guckt genauer hin: "Irgendetwas an genau dieser Person hat mich irritiert, dann auch interessiert. Und irgendwann war es so, dass ich ihn auch einfach mochte."

"Ich habe mich oft gefragt, was mache ich da und warum?"

Katja Hübner über ihre ersten Kontaktversuche zum Obdachlosen Marc

Katja Hübner fängt an, mit dem völlig in sich gekehrten, oft abweisenden jungen Mann, der auf einer Parkbank lebt, in Kontakt zu treten. Dafür braucht sie viel Geduld. Anfangs erträgt Marc die Anwesenheit eines anderen Menschen nicht länger als eine Zigarettenlänge. Doch Katja lässt nicht locker. Dabei weiß die selbstständige Grafikerin gar nicht genau, warum. Denn sie hat ein ausgefülltes Familienleben, einen Job und einen großen Freundeskreis: "Ich habe mich oft gefragt: Was mache ich da und warum? Ich hatte aber nie eine definitive Antwort und dann dachte ich immer: Ich lasse mich jetzt mal machen."

Psychiatrische Hilfe? Praktisch unmöglich.

Katja Hübner
Eine Bank war lange Zeit das Zuhause von Marc. Katja Hübner hat ihn täglich dort gesehen. Bild: Penguin Random House | Florian Weinert

Sie geht auf dem Weg zur und von der Arbeit regelmäßig bei Marc vorbei, bringt Zigaretten, raucht und redet mit ihm. Ihr ist klar: Dieser Mann klammert sich an die Bank und an die dreckige Hundewiese davor. Er braucht dringend psychiatrische Hilfe. Doch Katja Hübner muss feststellen, dass es fast unmöglich ist, diese Hilfe für einen Obdachlosen zu bekommen. Marc kann erst eingewiesen werden, wenn er in akuter Lebensgefahr ist. Vorher darf keine Institution handeln: "Der Fehler im System ist, dass ein Mensch mit einer Psychose sich selten als krank ansieht. Und so jemand geht in der Regel nicht freiwillig in die Psychiatrie."

Ich wollte auf gar keinen Fall verpassen, wie sich Marc aus dieser leeren, toten Hülle herausschält.

Katja Hübner über die Zeit, die Marc in ärztlicher Behandlung war

Doch Marc hat Glück, denn Katja Hübner lernt den damaligen Leiter der Spezialambulanz für Psychosen des Universitätsklinikums Eppendorf kennen und der hilft, Marc kurz vor dem Erfrierungstod zu retten. Vier Monate verbringt der junge Mann auf der geschlossenen Station. Langsam findet er aus seinem inneren Labyrinth heraus, weiterhin eng begleitet von Katja Hübner: "Ich wollte auf gar keinen Fall verpassen, wie sich Marc aus dieser leeren, toten Hülle herausschält."

Inzwischen geht es Marc gut. Er lebt in einer Wohngruppe und in den aktuellen Corona-Zeiten hat er vielen Menschen sogar etwas voraus: Er braucht nicht viele Menschen um sich, die derzeitigen Kontaktbeschränkungen fallen ihm nicht schwer. Und er ist immer noch mit Katja befreundet und in ihrer Familie ein willkommener Gast. Die Theorie über die ersten Sekunden des Kennenlernens hat sich also in diesem Fall bestätigt – und geholfen, ein Leben zu retten. In ihrem Buch "Okay, danke ciao!" erzählt Katja Hübner diese Geschichte zwischen Freundschaft und Obdachlosigkeit.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 13. April 2021, 18:05 Uhr