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Der Sonntagmorgen mit Martin Busch

Im Porträt So erlebte Autorin Kathrin Röggla den 11. September in New York

Autorin

Schriftstellerin Kathrin Röggla
War im September 2011 Literatur-Stipendiatin in New York: Kathrin Röggla. Bild: Jessica Schäfer

Um die Katastrophe zu sehen, hätte Kathrin Röggla nur den Kopf etwas wenden müssen. Doch sie tat es nicht. Am 11. September 2001 war die Schriftstellerin tief in ihrer Arbeit versunken, während nur einen Kilometer neben ihr ein Flugzeug in das World Trade Center flog.

Gesprächszeit "Es war schnell klar, dass es kein Unglück war" – Kathrin Röggla

Am 11. September 2001 war Kathrin Röggla tief in ihrer Arbeit versunken, während nur einen Kilometer neben ihr ein Flugzeug in das World Trade Center flog.

Schriftstellerin Kathrin Röggla
Bild: Jessica Schäfer
Bild: Jessica Schäfer

Die junge Literatur-Stipendiatin saß an diesem sonnigen Dienstagmorgen in New York City bereits im Atelier am Schreibtisch, der Blick aus dem großen Fenster ging auf den Ostteil der Metropole hinaus. Sie arbeitete, als ihr Mobiltelefon klingelte. Ein sorgenvoller Anruf aus Deutschland: "Sag mal, was ist denn bei Euch los? Das World Trade Center brennt!"

Es war eine sehr chaotische Situation.

Kathrin Röggla über das Durcheinander auf den Straßen New Yorks

Kathrin Röggla beugt sich vor und schaut nun endlich zur Seite Richtung World Trade Center und erschrickt: Das Feuer ist nah, die Türme sind schließlich nur etwa einen Kilometer entfernt von ihrer Wohnung. Sie rennt auf die Straße: "Es war eine sehr chaotische Situation, die Nachrichten waren so unklar. Alle sind natürich auf die Straße und haben da hingesehen."

Zwischen berstendem Beton und Metall

Ob da erst ein Turm brennt oder schon beide, weiß sie nicht mehr. Sie beschließt gemeinsam mit einer Freundin, Richtung Hudson River zu laufen. Warum, weiß sie selbst nicht mehr. Sie will weg von dem giftigen Gestank, der immer mehr zunimmt, und dem Lärm aus zerberstenden Metallen, Beton, Alarmanlagen, Sirenen und den Armee-Hubschraubern, die mittlerweile am Himmel kreisen.

Er war wie ein hilfloses Kind, das mit den ärgsten Vokabeln und Waffen loszieht.

Kathrin Röggla über den damaligen US-Präsidenten George W. Bush
Die brennenden Türme des World Trade Centers am 11. September 2001 (Archivbild)
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA erschütterten die ganze Welt. Bild: DPA | AP Photo/Richard Drew

Sehr schnell tritt nach dem Terroranschlag der damalige Präsident Georg W. Bush vor die Kameras. Sein Versprechen: "We will hunt them down!" – "Wir werden sie bis zum Ende jagen". Der Krieg gegen den Terror wird ausgerufen, auch wenn noch gar nicht klar ist, wer denn eigentlich die Schuldigen sind und wo man sie finden kann, kritisiert Kathrin Röggla. Die Auftritte des Präsidenten machen ihr Sorge: "Er war wie ein hilfloses Kind, das mit den ärgsten Vokabeln und Waffen loszieht, um sich selbst ein Gefühl der Klarheit und Sicherheit zu geben".

Ein Anschlag mit weltweitem Nachhall

Kathrin Röggla nimmt sich Papier und Stift, kauft sich eine Einmal-Kamera und beginnt, die Stadt New York nach den Anschlägen noch einmal neu zu entdecken. Nach den apokalyptischen Bildern, die alle wirkten wie eine große Hollywood-Inszenierung, will sie nun die unterschiedlichen kleinen Reaktionen, abseits des Heldenpathos, auf die Anschläge aber auch auf die zunehmende Kriegsrhetorik festhalten.

Jeder weiß, wo er an dem Tag war, egal, ob er in Heidelberg lebt, in Kairo oder irgendwo anders auf der Welt.

Kathrin Röggla über das kollektive Gedächtnis zum 11. September 2001

Nach drei Monaten kehrt sie dann nach Deutschland zurück. Im Dezember 2001 veröffentlicht sie ein Buch über den 11. September und die politischen Folgen des Anschlags. Bei den folgenden Lesungen und Diskussionen wird ihr immer stärker klar, welch unglaublicher Nachhall die Anschläge in New York aufgrund der intensiven medialen Berichterstattung weltweit hatten – und immer noch haben: "Jeder weiß, wo er an dem Tag war, egal, ob er in Heidelberg lebt, in Kairo oder irgendwo anders auf der Welt."

Jetzt sind 20 Jahre vergangen – und auch wenn jetzt vor kurzem der Afghanistan-Feldzug beendet ist, der als Antwort auf die Anschläge am 11. September begonnen hat, so ist Kathrin Röggla klar, dass noch lange nichts abgeschlossen und vorbei ist: "Die Geschichte ist nicht vorüber, wir stehen auf dem Erbe und müssen damit umgehen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 10. September 2021, 18:05 Uhr