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Die Nacht

Im Porträt Karim El-Gawhary hat vor 10 Jahren vom Tahrir-Platz in Kairo berichtet

Autorin

Schriftsteller Karim El-Gawhary schaut freundlich in die Kamera (Archivbild)
Karim El-Gawhary hat turbulente Jahre in Ägypten erlebt. Die Zeiten sind heute schwieriger als vor der "Arabellion", sagt er. Bild: DPA | Arno Burgi

In Kairo gibt es kaum Orte, an denen es ruhig ist. Die 20-Millionen-Stadt pulsiert Tag und Nacht. Vor zehn Jahren stand Karim El-Gawhary auf dem Tahrir-Platz, als Zehntausende Ägypter die Arabische Revolution im Land einleiteten. Er erlebte bewegende Szenen, aber auch, wie die Repressionsschraube in den Jahren danach fest angezogen wurde.

Gesprächszeit "Wie sehr haben wir uns getäuscht!" – Karim El-Gawhary

Karim El-Gawhary war dabei, als auf dem Tahrir-Platz Zehntausende Ägypter die Arabische Revolution im Land einleiteten. Und er erlebte auch, wie sie scheiterte.

Schriftsteller Karim El-Gawhary schaut freundlich in die Kamera (Archivbild)
Bild: DPA | Arno Burgi
Bild: DPA | Arno Burgi

Es waren "Tage des Zorns", die Kairo vor zehn Jahren erlebte. Zehntausende Ägypter versammelten sich am 25. Januar 2011 auf dem Tahrir-Platz, um gegen Machtwillkür, Polizeigewalt und Korruption zu protestieren. Und um Diktator Hosni Mubarak zum Rücktritt zu drängen, der das Land seit 30 Jahren regiert hatte. "Als das erste Mal die Polizei vor den Demonstranten davon gelaufen ist – das war tatsächlich am 25. Januar. Wo man wirklich gemerkt hat, das ist keine normale Demonstration, hier passiert etwas ganz Wichtiges, etwas Anderes, etwas Neues", erinnert sich der in Kairo lebende Journalist Karim El-Gawhary.

Wie sehr haben wir uns tatsächlich getäuscht!

Karim El-Gawhary über die enttäuschten Hoffnungen nach der Arabischen Revolution

Die friedlichen und kreativen Demonstranten wurden dann vom Sicherheitsapparat brutal niedergeknüppelt, es gab Tote und Verletzte. Karim El-Gawhary berichtete über den wochenlang dauernden Aufstand, der immer größer wurde. Tagtäglich, rund um die Uhr, für Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungen: "Wir standen damals auf dem Platz und Mubarak hat abgedankt. Und wir haben gedacht, die Zukunft Ägyptens und der ganzen arabischen Welt wird nun demokratisch und friedlich ausgehandelt werden. Wie sehr haben wir uns tatsächlich getäuscht!"

Zehn Jahre Arabische Revolution – was nun?

Mit Blick auf den zehnten Jahrestag der "Arabellion" in Ägypten zieht er nun Bilanz. In seinem aktuellen Buch "Repression und Rebellion. Arabische Revolution – was nun?" erzählt er, was aus den Menschen wurde, die damals auf dem Tahrir-Platz ihre Zelte aufschlugen, um für Demokratie, Menschenrechte und Pressefreiheit zu kämpfen. Was ist aus ihren Wünschen und Forderungen geworden, nachdem Mubarak zurückgetreten, der neue Präsident Mursi demokratisch gewählt und dann vom Militär entmachtet wurde?

Wir haben Zehntausende, die ohne Anklage im Gefängnis sitzen.

Karim El-Gawhary über Ägypten, zehn Jahre nach der "Arabischen Revolution"

Der amtierende ägyptische Präsident Al-Sisi regiert wieder autokratisch. Menschenrechtler und Journalisten verschwinden wieder in den Gefängnissen, die Hoffnungen von damals scheinen begraben zu sein. Von seinem Korrespondentenbüro hat Karim El-Gawhary die Stadt am Nil gut im Blick. Wenn er morgens mit dem Nil-Taxi über den Fluss fährt, dann ist das ein besonderer Moment für ihn. Aber: "Ich habe Freunde, die sind im Gefängnis, ich habe Freunde, die ins Exil gegangen sind, ich habe Freunde, die sich komplett zurückgezogen haben aus der Öffentlichkeit, aus politischen Diskussionen", beschreibt El-Gawhary die aktuelle politische Lage. "Wir haben Zehntausende, die ohne Anklage im Gefängnis sitzen. Es gibt praktisch keine Opposition, die Zivilgesellschaft wurde komplett zerstört, die Medien sind total gleichgeschaltet. Die Situation ist heute wesentlich schärfer, als sie am Ende Mubaraks war. Die Repressionsschraube ist wirklich angezogen worden."

Sein Großvater hat ein Dorf im Nildelta gegründet

Seit über 30 Jahren lebt der gebürtige Münchener in der ägyptischen Hauptstadt. Sein Vater Magdi war als politischer Flüchtling in den 1960er Jahren nach Deutschland gekommen und hat geheiratet. Karim war es gewohnt, dass zu Hause viel über Politik gesprochen wurde, und so hat er an der FU Berlin Politik und Islamwissenschaften studiert. Seinen Vater nennt Karim El-Gawhary noch heute seinen "schärfsten Kritiker". Mit ihm zusammen reiste er vor der Corona-Krise ins Nildelta. Zurück zu den Wurzeln der Familie. Denn hier hat der Großvater von Karim El-Gawhary in den 1940er Jahren ein Dorf gegründet und ihm den Familiennamen gegeben: "Ezbet El-Gawhary". Hier leben Karims Großtanten, seine Cousins und deren Familien. Sie verrichten harte Arbeit auf den Feldern, Geld bleibt wenig übrig. Die Ersten, die das Dorf verlassen, sind nun die jungen Frauen. Sie gehen selbstbewusst ins Leben, um zu studieren und um ohne Vorschriften zu leben: "Man merkt es an meiner eigenen Familie dort, wo die Väter in Saudi-Arabien arbeiten und Geld nach Hause schicken. Und eines der Dinge, die ihnen wichtig sind, ist, dass alle ihre Kinder – und zwar einschließlich der Töchter – eine Ausbildung haben."

Das Land verändert sich also, trotz der politischen Umstände. Und niemand kann eindringlicher und anschaulicher davon erzählen als Journalist Karim El-Gawhary.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 25. Januar 2021, 18:05 Uhr