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Die Nacht

Im Porträt Mit Kunst gegen Rechts: Regisseurin Julia von Heinz

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Regisseurin Julia von Heinz auf einem Sofa.
War selbst jahrelang in der Antifa aktiv: Julia von Heinz Bild: Imago | Sabine Gudath

Mit ihrem Film "Und morgen die ganze Welt” hat die Regisseurin Julia von Heinz im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Geschichte über eine Jura-Studentin, die sich in der Antifa engagiert, lief im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig und wurde als deutscher Beitrag für den Oscar nominiert.

Gesprächszeit "Kunst ist ein starkes Mittel für gesellschaftliche Veränderung" – Julia von Heinz

Mit "Und morgen die ganze Welt" hat Regisseurin Julia von Heinz viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Antifa-Drama öffnete ihr viele Tore der Filmwelt.

Regisseurin Julia von Heinz auf einem Sofa.
Bild: Imago | Sabine Gudath
Bild: Imago | Sabine Gudath

Der Film "Und morgen die ganze Welt” war Julia von Heinz ein Herzensanliegen, auch weil er viel Autobiographisches enthält. Denn auch sie selbst hat Jura studiert und war jahrelang in der Antifa aktiv: "Es stecken schon sehr viele Gefühle in diesem Film, Freundschaften, aber auch Aufregung und Angst, die ich erlebt habe."

Fast 20 Jahre hat es gedauert, bis das Drehbuch seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat. Schon zur Jahrtausendwende hatte von Heinz eine erste Version des Films geschrieben – und kassierte dafür nur Absagen. Zu Recht, wie sie heute meint. Denn am Anfang, so erinnert sich Julia von Heinz, habe sie die Antifa romantisiert. Das sei ein Film gewesen, "den man nicht sehen möchte". Es dauerte Jahre, bis sie verstanden hatte, dass Kunst und Film so nicht funktionieren und dass sie als Regisseurin und Autorin eine Form finden musste, die kinotauglich ist. 

"Mit 'Hanni und Nanni 2' wurde ich sichtbar als jemand, der ernstzunehmend diesen Beruf ausübt."

Julia von Heinz über ihren ersten großen Film

Julia von Heinz verlor dieses Projekt nie aus den Augen. Doch weil die Finanzierung des Films schwierig war, arbeitete sie in der Zwischenzeit an anderen, sehr unterschiedlichen Projekten. So stand sie etwa bei der Verfilmung von Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg" hinter der Kamera, drehte die deutsch-israelische Liebesgeschichte "Hannas Reise", einen Tatort und auch den Kinderfilm "Hanni und Nanni 2". Das, so erinnert sich Julia von Heinz, war ihre Chance, in den Beruf der Regisseurin hineinzukommen und sich in der Branche zu etablieren. "Mit 'Hanni und Nanni 2' wurde ich sichtbar als jemand, der ernstzunehmend diesen Beruf ausübt." Und danach gelang es ihr auch, "Und morgen die ganze Welt" zu realisieren.

Das Antifa-Drama macht Julia von Heinz international bekannt

Der internationale Erfolg bescherte Julia von Heinz viel Aufmerksamkeit, es gab nicht nur die Einladung zum Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig, sondern auch die Entscheidung, ihren Film als deutschen Beitrag für den Oscar einzureichen. Allein die deutsche Nominierung öffnete ihr viele Türen in der Filmwelt. So konnte sie etwa "Homeland"-Star Mandy Patinkin und Lena Dunham für ihren nächsten Film verpflichten – ohne die weltweite Aufmerksamkeit für "Und morgen die ganze Welt" wäre das wohl nicht möglich gewesen, sagt Julia von Heinz.

Künstlerische Mitarbeiterin bei Rosa von Praunheim

Ihr Weg hinter die Kamera war sehr verschlungen. Ihr Jura-Studium brach sie nach zwei Semestern ab, danach machte sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin und absolvierte hinterher noch ein Studium zur Kamerafrau in Berlin. Sie schrieb Drehbücher und inszenierte – und wusste, dass sie ihren Traumberuf gefunden hatte. Aber all ihre Bewerbungen für ein Regiestudium scheiterten. Eine Spielfilmredakteurin vermittelte sie dann an Rosa von Praunheim. Als künstlerische Mitarbeiterin konnte sie viel lernen. Und heute macht sie nicht nur Filme, sondern sie lehrt auch, wie man sie macht – als Regie-Dozentin an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen.

Kunst ist ein ganz starkes Mittel für gesellschaftliche Veränderung.

Julia von Heinz über ihre Motivation

Aufgewachsen ist Julia von Heinz in Bad Godesberg. Nachdem Rechtsradikale die Feier zu ihrem 15. Geburtstag überfallen hatten, engagierte sie sich in der Antifa. Eine Zeit, die sie bis heute prägt – und die sich in "Und morgen die ganze Welt" wiederfindet. Damals, so erinnert sie sich, war die Antifa "sehr tages- und lebensfüllend." Und bis heute engagiert sie sich gegen Rechts. Sie will sich weiterhin politisch engagieren, zumal rechte Positionen ihrer Meinung nach heute gesellschaftsfähiger sind, als noch vor 20 Jahren. Das beunruhigt sie – und dagegen will sie auch mit ihrem Film angehen. Denn "Kunst ist ein ganz starkes Mittel für gesellschaftliche Veränderung."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 25. März 2021, 18:05 Uhr