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Die Nacht

Im Porträt Im Heim hat John McGurk Jahre der Gewalt erlebt

Autorin

John McGurk
John McGurk läuft und organisiert heute Spendenläufe für Kinder. Bild: Radio Bremen | Katharina Lohmeyer

Wer John McGurk einmal im Schottenrock hat Laufen sehen, der weiß: dieser Mann schreckt vor nichts zurück. Und das Laufen ist dabei Mittel zum Zweck. Seit rund 30 Jahren organisiert der gebürtige Schotte Spendenläufe zugunsten von Kinderhilfswerken – weil er selbst als Kind in einem schottischen Kinderheim schwer misshandelt wurde.

Gesprächszeit "Das war die endgültige Tötung meiner Kinderseele" – John McGurk

Dieser Mann schreckt vor nichts zurück. John McGurk läuft zugunsten von Kinderhilfswerken – weil er selbst als Kind schwer misshandelt wurde.

John McGurk
John McGurk Bild: Radio Bremen | Katharina Lohmeyer
Bild: Radio Bremen | Katharina Lohmeyer

John McGurk wird 1961 im schottischen Glasgow geboren. Er lebt mit seinen Eltern und seinen sieben Geschwistern in Armut. Der Vater ist schwerer Alkoholiker, häusliche Gewalt gehört zum Alltag: "Es gab keine Tage, an denen es etwas zu lachen gab. Wenn man in diese Verhältnisse hineingeboren wird, dann glaubt man wirklich, es ist normal. Aber das Allerheiligste von jedem Menschen ist seine Kindheit, das prägt. Denn dieser Leidensweg, der bleibt bei einem, der geht nie weg."

Was folgt sind eine blutige Nase sowie Schläge und Tritte nahezu bis zur Bewusstlosigkeit.

John McGurk über den Moment, als er den Heimleiter um Hilfe bat

Als er elf Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie. Der Vater gibt die acht Kinder ins Heim. Dabei werden die Geschwister voneinander getrennt. John und seine Schwester Jean trifft es am härtesten. Sie werden im Heim immer wieder geschlagen und gedemütigt. Eines Abends sucht John nach einem Albtraum Hilfe bei dem als gewalttätig bekannten Heimleiter: "Ich stand weinend dort und dann habe ich ihn gebeten, dass er meine Mutter anruft. Er ist aufgestanden, und dann hat er seine Hand auf meine Schulter gelegt, und dann habe ich gedacht: "Oh, der zeigt mir doch Zuneigung". So ist dieses Kinderherz...." Was folgt, sind eine blutige Nase sowie Schläge und Tritte nahezu bis zur Bewusstlosigkeit. Für mich heute war dieser Moment die endgültige Tötung meiner Kinderseele."

Man denkt, man ist und bleibt ein Niemand.

John McGurk über die späten Folgen seiner Misshandlung

Nach einem Zusammenbruch findet er zu Gott. Nach einer Ausbildung zum Maler und Lackierer geht John McGurk als junger Mann zum Militär. Dort hat er zum ersten Mal das Gefühl, gefördert zu werden. Er entschließt sich, ins Ausland zu gehen, nach Osnabrück. Dort lernt er seine erste Ehefrau kennen. Als die Ehe zerbricht und er das Militär verlässt, gerät er in eine tiefe Krise: "Man denkt, das hört gar nicht mehr auf. Dann denkt man, man ist und bleibt einfach ein Niemand."

John McGurk ertränkt seinen Kummer im Alkohol. Als er eines Nachts zusammenbricht, hat er einen Traum. Er sieht eine Frau, die ihm sagt: "John, Gott hat Dir ein großes Herz gegeben, und er hat Großes mit Dir vor", erinnert sich der Schotte. "Bis dahin hatte ich allen Grund, nicht an Gott zu glauben", sagt der 59-Jährige heute. Diese Begebenheit markiert für ihn aber eine Kehrtwende in seinem Leben.

Laufen für eine bessere Welt für Kinder

John McGurk beginnt, Spendenläufe zu organisieren und mitzulaufen, erst in Osnabrück, dann bundes- und schließlich auch weltweit. So hat er in den vergangenen dreißig Jahren mehr als anderthalb Millionen Euro zusammengetragen. Dabei musste er lange kämpfen, bis sein Körper die anstrengenden Läufe mitmacht. Warum es gerade das Laufen geworden ist, mit dem er Gutes tut? "Ich hatte keine finanziellen Mittel, keine Netzwerke, keine Sponsoren. Und das Laufen ist etwas, das mir keiner verbieten kann. Ich kann machen, was ich will. Ich hatte es in meinen eigenen Händen beziehungsweise Beinen, und da habe ich gesagt: "Das nutze ich!""

Stolzer Familienvater mit Auszeichnung

Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Katja gründet John McGurk einen Verein: "Sportler 4 a childrens world". Er bekommt das Bundesverdienstkreuz und wird von Papst Franziskus geehrt. Auch, wenn seine Knie heute nicht mehr so mitmachen: John McGurk findet immer neue Wege, sich für den Schutz von Kindern einzusetzen: "Es geht nicht um mich. Ich verdiene keinen müden Cent. Es ist einfach eine Botschaft von diesem gebrochenen, misshandelten Jungen, dass wir alle zu Großem fähig sind." Und er hat es geschafft, die Gewalt, mit der er groß geworden ist, nicht weiterzugeben. Heute ist John McGurk mehrfacher stolzer Großvater.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 5. Oktober 2020, 18:05 Uhr