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Der Samstagvormittag mit Marion Cotta

Im Porträt Zückt den Korrekturstift auf der Comedy-Bühne: Johannes Schröder

Autorin

Johannes Schröder
Mathematik war sein Schultrauma: Comedian und Deutschlehrer Johannes Schröder Bild: HB Management | Robert Maschke

Zwölf Jahre hat er als Deutschlehrer im Schuldienst ausgehalten, doch dann war die Motivation am Boden. Der Frust über das "Industrie-Lernen" saß tief und das Notenverteilen machte ihm Bauchschmerzen. Wie gut, dass Johannes Schröder den Weg auf die Bühne gefunden hat. Als Comedian teilt er die Aberwitzigkeiten des Schulalltags.

Gesprächszeit "Ich war ein sehr schüchterner Schüler" – Johannes Schröder

Nach 12 Jahren im Schuldienst ist Deutschlehrer Johannes Schröder auf die Bühne gewechselt. Als Comedian teilt er die Aberwitzigkeiten des Schulalltags.

Johannes Schröder
Johannes Schröder Bild: HB Management | Robert Maschke
Bild: HB Management | Robert Maschke

Sein eigener, stets empathischer Lieblingslehrer Herr Mertens hätte diesen Satz womöglich nicht gesagt, weil er zu abgedroschen klingt. Aber Johannes Schröder hat seine Schülerinnen und Schüler zu Beginn eines Kurses immer gerne begrüßt mit den Worten: "Das Schicksal hat uns jetzt nun mal in diese Zweckgemeinschaft zusammengewürfelt und viele von euch kenne ich ja schon sehr lange. Ich hoffe, alle anderen sind auch nicht zu unglücklich darüber, dass sie jetzt mit mir vorliebnehmen müssen."

Es war nie langweilig, eine Schulklasse vor sich zu haben, weil die Kinder eben nicht langweilig sind.

Johannes Schröder, wenn er sich an seine Lehrerzeit zurück erinnert

Für Schröder ist dieser Satz eine Liebeserklärung: Eine Liebeserklärung an seinen Beruf als Deutsch- und Englischlehrer, den er mehr als zehn Jahre lang ausgeübt hat, bevor er als Comedian "Herr Schröder" die Bühnen der Welt betrat. Und vor allem: eine Liebeserklärung an seine Schülerinnen und Schüler, die er bis heute vermisst. Weil es immer wieder spannend war, diesen "zusammengewürfelten Haufen kennenzulernen", sagt er: "Ich vermisse deren Spontaneität und deren Witz und die brutale Ehrlichkeit, die die oft haben. Es war nie langweilig, eine Schulklasse vor sich zu haben, weil die Kinder eben nicht langweilig sind."

Manche sind eben echte Spätzünder und verarbeiten noch Dinge, von denen wir vielleicht gar nichts wissen.

Johannes Schröder über die großen Potentiale von Kindern

Überdrüssig wurde er jedoch irgendwann des "Industrie-Lernens", wie er es nennt.
Das Korrigieren und Notengeben, das Einteilen der Kinder in die Kategorien "Eins bis Sechs", verursacht ihm beim puren Gedanken daran noch heute Bauchschmerzen. Denn Lehrer wollte der einst selbst schüchterne Schüler vor allem werden, um eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen und auch zurückhaltenden Kindern die Chance zu bieten, ihre Meinung zu sagen. Ihre Unterteilung in weiterführende Schulen erfolgt seiner Meinung nach ohnehin viel zu früh: "Manche sind eben echte Spätzünder und verarbeiten noch Dinge, von denen wir vielleicht gar nichts wissen. Und bei manchen kommt die Entwicklung erst mit 14 oder 15 und dann überholen sie alle. Und da würde ich mir wünschen, dass man auch noch zu anderen Zeiten leicht wechseln kann."

Bühne statt Beamtenstatus

Johannes Schröder
Das Korrigieren und Notenverteilen war für Schröder das Schlimmste am Lehrerberuf. Bild: HB Management | Robert Maschke

Schröders größte Freude innerhalb seines Lehrer-Jobs war deshalb die Theater-AG, die er 12 Jahre lang geleitet und innig geliebt hat. Besonders geliebt hat er es, den Kindern die Sicherheit zu vermitteln, auf die Bühne zu gehen, ihnen klar zu machen, dass die Haltung zu ihrer Rolle viel wichtiger ist, als der Text, den sie sprechen. Er fieberte mit, er half ihnen, gut dazustehen – und irgendwann wuchs in ihm der Wunsch, diesen Schritt auf die Bühne zum Projekt für sich selbst zu machen.

Seine Kollegen hatten keine Ahnung, dass er sich im Rahmen seines Sabbaticals auf den Comedy-Bühnen Kanadas ausprobieren wollte. Offiziell war es ein Impro-Theater-Workshop, zu dem er sich angemeldet hatte. Nachdem er sich einen Monat lang die Nächte in verschiedenen Comedy-Clubs um die Ohren geschlagen und die lebhafte Szene Torontos beobachtet hatte, wagte er schließlich selbst den Sprung ins kalte Wasser in einem "Open-Mic-Club": "Ich weiß gar nicht mehr, ob gelacht wurde – aber als ich von der Bühne runterkam, war das einzige Gefühl, das da war, 'Ich hab’s gemacht!'"

Zurück in die Schule? Wer weiß...

Am nächsten Tag war dieses Gefühl noch da, aber der Kloß im Hals war kleiner. Und so machte Johannes Schröder weiter. Erst in Kanada, dann in Deutschland. Aus dem Sabbatical wurde unbezahlter Urlaub, aus den ersten Impro-Zeilen ein Buch über seine liebsten Lehrer- und Schüler-Vorurteile – "World of Lehrkraft", schließlich ein Bühnenprogramm. Fernseh- und Radioauftritte folgten.

Aus dem Beamtenstatus hat Johannes Schröder sich mittlerweile entlassen lassen und tourt "endlich wieder nach Corona" mit dem neuen Programm "Instagrammatik" quer durch Deutschland. Zurück in die Schule? Für ihn nicht ausgeschlossen. Aber nur in alternative Lernformen mit anderem pädagogischen Konzept.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 27. September 2021, 18:05 Uhr