Jetzt läuft:

Teenage Fanclub Save
  • Jetzt läuft:

    Teenage Fanclub Save
  • Davor lief:

  • Um> 00:59 Uhr lief: Joyce Cooling Jesse's Bench
  • Um> 00:57 Uhr lief: Andy Narell We Kinda Music
  • Um> 00:52 Uhr lief: Anne Haight Scratch
  • Um> 00:47 Uhr lief: Joni Mitchell Sometimes I'm Happy
  • Um> 00:45 Uhr lief: Elliott Smith Between The Bars
  • Um> 00:41 Uhr lief: Carmen Cuesta-Loeb Dreams
  • Um> 00:36 Uhr lief: Edie Brickell Stay Awhile
  • Um> 00:32 Uhr lief: Ryley Walker The High Road
  • Um> 00:27 Uhr lief: Fieh 25

Die Nacht

Im Porträt Chirurg Johannes Albes ist ein "Handwerker des Herzens"

Autorinnen und Autoren

  • Birgit Kolkmann
Johannes Albes
Johannes Albes stammt aus Vechta in Niedersachsen und leitet heute das Herzzentrum Brandenburg. Bild: Radio Bremen | Birgit Kolkmann

Als vor 52 Jahren die Astronauten der Apollo 11 den Mond betraten, saß Johannes Albes als Neunjähriger vor dem Fernseher. In den Pausen der Live-Übertragung wurden andere spektakuläre Bilder gezeigt: von einer Herz-Operation im "Texas Heart Institute". Das faszinierte Johannes Albes so sehr, dass er nicht Astronaut, sondern Herzchirurg werden wollte.

Gesprächszeit "Es wird nie ganz Routine" – Herzchirurg Johannes Albes

Auf Handwerk, Konzentration und technisch saubere Arbeit kommt es bei Herzoperationen an, sagt Herzchirurg und Musiker Johannes Albes.

Johannes Albes
Bild: Radio Bremen | Birgit Kolkmann
Bild: Radio Bremen | Birgit Kolkmann

Seit 2003 ist Johannes Albes Chefarzt der Herzchirurgie am Immanuel Krankenhaus in Bernau bei Berlin, dem Herzzentrum Brandenburg. Auf dem Gelände ist ein hochmodernes Klinikgebäude entstanden, maßgeschneidert für die inzwischen 1.500 Operationen, die Albes und sein Team jedes Jahr durchführen.

Wir operieren heute mit demselben Erfolg wie vor 20 Jahren, dieselben Sachen – aber bei viel kränkeren Menschen.

Johannes Albes über Routine und Herausforderung

Aus der Sicht von Laien und Patienten sind Herzoperationen spektakuläre Eingriffe, erzählt Johannes Albes. Für die Operateure seien sie Routine – allerdings eine, die die Ärztinnen und Ärzte über viele Jahre erwerben müssen. "Wir haben uns deutlich weiterentwickelt. Wir operieren heute mit demselben Erfolg wie vor 20 Jahren, dieselben Sachen – aber bei viel kränkeren Menschen", sagt Albes. Eine bessere Technik und Diagnostik mit Computertomographie und Ultraschall macht das möglich, so der Chirurg: "Wir haben jetzt Bilder, von denen konnten wir damals nur träumen."

Halbgott in Weiß – der Gedanke ist ganz weit weg.

Johannes Albes über seinen Beruf

Bei Albes klingt eine Herz-Operation fast leicht. Er sagt, das Herz sei eigentlich ein einfach zu operierendes Organ, ein Motor mit Röhren – eine Pumpe, aber nicht der Sitz der Seele. Aber faszinierend sei es doch, ein Herz zu transplantieren, es an den Blutkreislauf anzuschließen und zu sehen, wie es sich wieder rosig färbt – und dann im neuen Körper weiterschlägt. "Das ist enorm beeindruckend! Wenn man in diesem Tun ist, dann ist man so darauf fokussiert und auch so handwerklich und technisch-taktisch fokussiert. 'Halbgott in Weiß' – das ist da ganz weit weg, der Gedanke."

"Handwerker des Herzens"

Johannes Albes sieht sich eher als "Handwerker des Herzens". Seine Arbeit hat einen technisch-künstlerischen Aspekt und erfordert große feinmotorische Fähigkeiten. Denn der Herzchirurg Johannes Albes bastelt gern. Nicht nur im Operationssaal, sondern auch zu Hause in seiner Werkstatt. Dort repariert er alte Stahlräder und Musikinstrumente. Das tut er zur Entspannung: "Im Gegensatz zum Chirurgischen ist das so: Da kann ich fröhlich drauflos operieren, ohne dass das böse Konsequenzen hat. Wenn ich nicht mehr weiterkomme, dann höre ich einfach auf und lege das Instrument beiseite. Mit den Patienten geht das nicht!"

Mein Können und Ihr Wollen!

Johannes Albes' Motto, mit dem er Patienten vor Operationen motiviert

Die Patienten haben alle Angst vor ihren Operationen – diese Furcht muss der Arzt in Schach halten und in Vertrauen umwandeln: "Mein Können und Ihr Wollen", das ist so ein Motto, mit dem Albes motiviert und Mut machen muss. Denn wenn der Patient keinen Lebenswillen hat, "dann verdämmert er auf der Intensivstation. Wenn der aber will, dann knipst der seinen Lebensmut förmlich an und muss dann natürlich unterstützt werden."

Saxophonist im Berlin-Jazz-Ensemble...

Johannes Albes spielt Saxophon im Berlin Jazz Ensemble
Johannes Albes spielt Saxophon im Berlin-Jazz-Ensemble Bild: Johannes Albes, Berlin-Jazz-Ensemble

Zu Hause repariert der Herzchirurg aber nicht nur Instrumente, er spielt sie auch: Saxophon, Klavier, Gitarre und Bass. Johannes Albes ist Jazzmusiker und tritt gelegentlich – wenn nicht gerade Corona ist – mit dem Berlin-Jazz-Ensemble um die Sängerin Susanne Grimm auf.

Albes schreibt die Songs, komponiert und spielt Konzerte. Ein Musikstück zu üben und gut aufzuführen, "das ähnelt sehr einem chirurgischen Eingriff, wo der Zeittakt eine große Rolle spielt, besonders in der Herzchirurgie", so Albes. "Die Uhr tickt für alle Teilschritte, die wir machen – das ist so ziemlich genau dasselbe, als wenn man ein Musikstück spielt."

... und Gründer einer medizinischen Hochschule

Albes schätzt Perfektion, und manches Mal verdrehten die Kollegen in der Klinik auch darüber die Augen, erzählt Johannes Albes. Aber ohne Druck und hierarchische Struktur gehe es nicht in einer Klinik, in der so nah an der Grenze zu Leben und Tod gearbeitet werde. Johannes Albes selbst geht alles mit Disziplin, Konzentration und Neugier an. Er ist Feinmechaniker, Tüftler, Handwerker und Erfinder – mit zwei Patenten für Herzklappen. Und er will den Nachwuchs ausbilden und Spitzenmedizin von der Metropole aufs Land bringen. So hat er mit seinen Klinikkollegen 2015 ein Start-Up gegründet: Die "Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane". Lange hat er Klinken geputzt und Überzeugungsarbeit geleistet, Mitstreiter gesucht. Eine medizinische Fakultät in Brandenburg im Schatten der Eliteuniversität Charité? Albes wurde belächelt. "Der damalige Präsident, Professor Einhäupl hat uns belächelt – das Interessante aber ist, dass sein eigener Sohn bei uns studiert an der MHB. So schlimm ist es also bei uns doch nicht, dass der nicht bei uns studieren darf."

Inzwischen ist der erste Medizin-Jahrgang – Nachwuchs für die Krankenhäuser und Arztpraxen in Brandenburg – fertig: Absolventinnen und Absolventen eines Reform-Studienganges, in dem nicht so sehr das Einser-Abi, sondern die Berufserfahrung im Pflege- oder Sanitätsbereich zählen, die Nähe zu Patienten. Und was steht an für Professor Albes, wenn in fünf Jahren das Rentenalter erreicht ist? Dann will er weiter unterwegs sein für die ärztlichen Standesorganisationen, die Uni in Brandenburg, vielleicht auch in einer Herz-Praxis mitmachen – und natürlich Musik spielen. Auf jeden Fall nicht am Strand liegen!

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 23.07.2021, 18:05 Uhr