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Der Sonntagmorgen mit Katrin Krämer

Im Porträt Pilot, Krisenmanager, Notfallseelsorger: Jörg Trauboth hat viel erlebt

Autoren

  • Birgit Kolkmann
Jörg Trauboth
Jörg H. Trauboth hat dieses Jahr sein aktuelles Buch "Jakobsweg" veröffentlicht. Bild: Frank Kremer

Luftwaffenoberst, Krisenmanager, Berater in Erpressungs- und Entführungsfällen, Notfallseelsorger und Sachbuch- und Krimiautor: Jörg H. Trauboth flog Phantom- und Tornados-Kampfjets, jetzt ist er mit dem Sportflugzeug unterwegs – ein bewegtes Leben zwischen Adrenalin und der Liebe zu Büchern.

Gesprächszeit "Ich gebe nie Antworten, ich stelle Fragen" – Jörg H. Trauboth

Luftwaffenoberst, Krisenmanager und Notfallseelsorger: Der Autor Jörg H. Trauboth hat vieles schon gemacht und erlebt. Jetzt hat er sein neues Buch veröffentlicht.

Jörg Trauboth
Bild: Frank Kremer
Bild: Frank Kremer

In Jörg H. Trauboths neuem Roman "Jakobs Weg" geht es um menschliche Abgründe und Kindesmissbrauch. Dieses Tabuthema hat der Autor in einer Kriminalgeschichte verpackt, die auf dem Jakobsweg in Frankreich und Nordspanien spielt. Eine Gruppe von Tätern, die in einem katholischen Internat in Deutschland Jahrzehnte zuvor Jungen sexuell missbrauchte, wird von einem Unbekannten zu einer Wanderung auf dem Jakobsweg eingeladen – mit der Aussicht auf Vergebung. Eine tödliche Wanderung beginnt. Trauboth hat eine furchtbare Thematik in einen spannenden Thriller gepackt und mit Sachbuchelementen verbunden.

Emotionale Recherche

Trauboth hat während seiner Recherchen bei der Polizei den Sonderkommissionen bei der Arbeit über die Schulter schauen dürfen. Er ist beeindruckt von der Leistung der Ermittlerinnen und Ermittler, die sich Videos und Fotos von Kindesmissbrauch ansehen müssen. Ihnen hat Trauboth sein Buch gewidmet.

Ich wollte in die Breite gehen, und deswegen habe ich die Form eines Kriminalromans gewählt.

Jörg H. Trauboth über sein neues Buch "Jakobs Weg"
Cover: Jörg Trauboth, Jacobs Weg, Ratio-books
"Jakobs Weg" ist am 25. Februar 2021 bei ratio-books erschienen. Bild: Verlag Ratio-books

Warum er das Thema lieber fiktional aufarbeiten wollte, anstatt in einem Sachbuch, erklärt Trauboth so: "Ich wollte in die Breite gehen, und deswegen habe ich die Form eines Kriminalromans gewählt." Er will dazu beitragen, dass das Thema mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft kommt. Den Opfern müsse geholfen werden, um trotz der physischen und psychischen Verletzungen ein eigenständiges, gutes Leben führen zu können.

Dann läuft bei mir eben das Krisenmanagement ab – du musst jetzt stark sein.

Jörg H. Trauboth über die Arbeit als Notfallseelsorger

Seit einigen Jahren ist Jörg H. Trauboth Notfallseelsorger. Die Vertreter seiner Kirchengemeinde fragten ihn, ob er sich diese Arbeit vorstellen könne. Spontan sagte er zu, machte eine Zusatzausbildung bei den Johannitern und ist seitdem im Einsatz. Wie er mit der emotionalen Belastung umgeht, beschreibt er so: "Dann läuft bei mir eben das Krisenmanagement ab – du musst jetzt stark sein. Selbst wenn du ein Déja-vu hast, weil dort vielleicht ein Schuh liegt, der dich an dein eigenes Kind erinnert. Du musst jetzt versuchen, das Wichtige zu machen. Das kriege ich auch meistens hin – das Nachzittern ist dann meistens abends."

Ich gebe in der Regel nie Antworten, ich stelle Fragen.

Jörg H. Trauboth erzählt vom Trösten

Jörg H. Trauboth tröstet auch Eltern, deren Kind gerade tödlich verunglückt ist. Oft sei das In-den-Arm-Nehmen und das Zuhören sei viel wichtiger als das selber Sprechen, erklärt er: "Es gibt Einsätze, da spreche ich eine halbe Stunde nicht. Wir nennen das 'qualifiziertes Schweigen'. Ich gebe in der Regel nie Antworten, ich stelle Fragen. Insbesondere beantworte ich auch nicht Schuldgefühle. Schuld kann man nicht wegnehmen, sondern die Schuld muss durchlebt werden. Aber man kann Fragen stellen, um Bewusstseinsprozesse auszulösen."

Fragen stellt sich Jörg H. Trauboth auch selbst – sein Leben ist bestimmt davon, immer auf der Suche zu sein, sagt er: "Ich glaube, ich werde bis zum Tode nicht ankommen – und das bringt mich auch weiter."

Ein Leben mit Vollgas

Lange vor seiner Zeit als Notfallseelsorger flog er als Pilot bei der Bundeswehr Phantomjets und Tornados, bildete andere aus und stürzte nach einem Blitzschlag beinahe ab – wie durch ein Wunder schaffte er mit der beschädigten Maschine noch eine Notlandung.

Zur Bundeswehr kam er gleich nach dem Abitur, weil sich dort die Möglichkeit bot, bereits in der Ausbildung Geld zu verdienen. Und das musste er, denn seine Freundin war mit 16 Jahren schwanger geworden, er musste die junge Familie ernähren. Mit seiner Frau Martina ist er immer noch glücklich verheiratet. Sie haben zusammen zwei Söhne und drei Enkelkinder und führten ein turbulentes Leben mit vielen Umzügen: Belgien, England, USA, Italien.

Der Abschied von der Bundeswehr kam vor fast 28 Jahren; mit 50 wurde Jörg H. Trauboth Krisenmanager, erst für eine internationale Firma, dann mit eigenem Unternehmen. Sein Alltag wurden die Verhandlungen mit Entführern und Erpressern. Er beriet und half Firmen und der Bundesregierung. Das Unternehmen wurde zu einem Familienbetrieb: Beide Söhne hat er als Berater ausgebildet.

Krise und Sicherheit, Fliegen und Landen, Reden und Schreiben. Sein kleinster Begleiter zu Fuß und in der Luft kann übrigens nicht sprechen: Es ist Carla, eine Hündin aus Mallorca, die Martina Trauboth in den Bergen fand. Sie wanderte schon mit "Herrchen" auf dem Jakobsweg und ist jetzt auch Co-Pilotin im Sportflieger.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 12. April 2021, 18:05 Uhr