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Die Nacht

Im Porträt "Krawatten-König" Jan-Henrik Scheper-Stuke setzt auf Maßgeschneidertes

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Jan Scheper-Stuke, Geschäftsführer der Berliner Krawattenmanufaktur Auerbach, trägt Stoffe zu einer Schneiderin für sein Unternehmen.
Jan-Henrik Scheper-Stuke gilt als der "Krawattenkönig von Berlin. Bild: DPA | Carsten Koall

Krawatten, Schleifen und Einstecktücher – das ist das Metier von Herrenausstatter Jan-Henrik Scheper-Stuke. Er ist Kopf und Herz der Accessoire-Manufaktur Auerbach in Berlin, eine der ältesten Krawattenmanufakturen Deutschlands. In den vergangen Monaten hat er jedoch vor allem eines produziert: elegante Mund-Nasen-Masken.

Gesprächszeit "Unsere Mitarbeiter müssen die Farbnuancen eines Anzuges sehen" – Jan-Henrik Scheper-Stuke

Krawatten, Schleifen und Einstecktücher sind das Metier von Jan-Henrik Scheper-Stuke. Mit Mund-Nasen-Masken steuerte er seine Firma durch das Corona-Jahr.

Jan-Henrik Maria Scheper-Stuke mit Gesichtsmaske vor Regalen mit Stoffen.
Bild: Imago | Zuma Wire
Bild: Imago | Zuma Wire

In Corona-Zeiten geht es lässig zu: Jogginghose, Hoodie und gemütliche Loungewear haben jetzt Hochkonjuktur. "Das spüren wir natürlich extrem", sagt Jan-Henrik Scheper-Stuke. "Wir mussten komplett umstellen. Wer braucht denn jetzt elegante Herren-Accessoires? Theater sind zu, Opern sind zu, Geburtstage werden nicht gefeiert. Man muss sich nicht schick machen."

Ich glaub', ich habe mehr Masken produziert als Krawatten.

Jan-Henrik Scheper-Stuke über seinen Geschäftserfolg im Jahr 2020

Statt schicker Krawatten hat Jan-Henrik Scheper-Stuke mit seiner Firma vor allem hochwertige Masken produziert – und das schon gleich im März 2020, als das Maske-Tragen noch lange nicht en vogue war. Doch ein Bericht in der Berliner Zeitung bestätigte, dass der Geschäftsmann den richtigen Riecher hatte: "Wir haben am ersten Tag Bestellungen reingekriegt für über 10.000 Euro." Vermutlich hat er im letzten Jahr rund 150.000 Masken produziert und verkauft, überschlägt Scheper-Stuke lachend: "Ich glaub', ich habe mehr Masken produziert als Krawatten."

Gegen Wegwerfkultur und "Fast Fashion"

In der Welt von Jan-Henrik Scheper-Stuke und seiner Firma Auerbach kehrt man zurück in das Berlin vergangener Zeiten. Die Kollektionen erinnern an die Goldenen Zwanziger, an Salon- und Kaffeehaus-Kultur. "In dieser Zeit gab es die Entwicklung eines tollen Modetrends, den die Nazis dann wieder kaputt gemacht haben durch ihre Uniformierung", so der 39-Jährige, der sich selbst gern als "sehr detailverliebt" beschreibt. Und er betont: Damals gab es noch keinen "Fast Fashion"-Trend und keine Wegwerfkultur bei der Kleidung, die ihm ein Dorn im Auge ist.

Heute hat Auerbach einen Showroom in den Hackeschen Höfen in Berlin und bietet alles aus einer Hand an: eigene Schnitte, das Maßnehmen und die Fertigung vor Ort. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland oder sind internationale Berlin-Besucher. Dass die Krawatte irgendwann einmal aus der Mode kommt, glaubt er nicht.

Aus „Bernd“ wurde „Jan-Henrik“

Jan-Henrik Maria Scheper-Stuke mit Gesichtsmaske vor Regalen mit Stoffen.
Mit Masken ist Auerbach gut durch das Jahr 2020 gekommen. Nun aber hofft auch Scheper-Stuke auf schnelle, unbürokratische Hilfen für seine Firma. Bild: Imago | Zuma Wire

Geboren und aufgewachsen ist Scheper-Stuke in Lohne im Landkreis Vechta, auf einem Hof mit Rindern und Schweinen. Seine Eltern tauften ihn Bernd, was für Scheper-Stuke, der von seinen Freunden immer "Schepi" genannte wurde, ein Ärgernis war. Schon als Azubi zum Bank- und Sparkassenkaufmann bei der Kreissparkasse Diepholz war er besser angezogen als der Chef. Als einer der älteren Brüder den Hof der Eltern übernahm, kam er zum Jura-Studium nach Berlin und legte sowohl den "Bernd" als auch den "Schepi" ab und wurde zu "Jan-Henrik".

Ich bin, glaube ich, dankbar dafür, dass das passiert ist. Dass eine Tür zugegangen ist und eine andere sich wieder geöffnet hat.

Jan-Henrik Scheper-Stuke über die Insolvenz seiner ersten Firma

Wie die Jungfrau zum Kinde kam er dann noch während des Studiums zu seiner ersten Firma. Er übernahm die Herrenausstatter-Firma seines Onkels, stukturierte sie um, holte sich den falschen Investor ins Boot – und scheiterte krachend. 2014 musste er Insolvenz für die Edsor Kronen GmbH anmelden. Doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sahen, dass Jan-Henrik Scheper-Stuke grundsätzlich das richtige Gespür für die Branche hatte. Und er bekam eine neue Chance: Sein Patenonkel führte ebenfalls eine Manufaktur für Herrenausstattung, Scheper-Stuke stieg ein, schrieb einen Businessplan und baute Auerbach zum heutigen Unternehmen auf. "Ich bin, glaube ich, sogar sehr dankbar dafür, dass das passiert ist. Dass eine Tür zugegangen ist und eine andere, eine bessere, sich wieder geöffnet hat", resümiert Jan-Henrik Scheper-Stuke heute. "Die ganzen Mitarbeiter sind mit rüber gekommen, ich hatte keine Not, auch nur einen neuen Mitarbeiter einstellen zu müssen."

Durchhalten in der Pandemie

Händchen für guten Stil wurde ihm schon in die Wiege gelegt, ist sich Jan-Henrik Scheper-Stuke sicher. Sein Vater hatte eine Ausbildung zum Textilkaufmann absolviert, bevor er Viehhändler wurde. Auch bei Jan-Henrik Scheper-Stuke gibt es Tage in Jeans und Pullover im Büro, aber er ist in Berlin durchaus bekannt und pflegt die öffentliche Inszenierung, die für ihn zum Job dazugehört. "Jedem Tierchen sein Pläsierchen – und so ist es auch in dieser Stadt. Es gibt nichts, was es nicht gibt, im positiven wie im negativen Sinne", sagt er über Berlin.

Bei Ebay Kleinanzeigen stöbert Scheper-Stuke gern nach Art Déco-Möbelstücken, aber er wirft keineswegs das Geld zum Fenster raus. Das hat ihn auch die Insolvenz gelehrt. Derzeit treibt ihn –wie viele Unternehmer – die Zukunft um. Seit medizinische Masken Pflicht sind, lässt sich mit Stoffmasken kein Geld mehr verdienen. Die Geschäftsidee, die ihn durch das Jahr 2020 gebracht hat, ist passé, und die schwierige Beantragung von Corona-Überbrückungshilfen macht auch den sonst so heiteren Paradiesvogel nervös: "Im Vergleich mit großen Konzernen wie Boss und Windsor sind wir einfach klein. Es muss jetzt einfach diese Hilfe kommen, sonst ist es nicht mehr möglich."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 26. Februar 2021, 18:05 Uhr