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Die Nacht

Im Porträt Jan Costin Wagner möchte, dass das Leben den Tod überwindet

Autoren

Jan Costin Wagner
Jan Costin Wagner wird mit dem Radio Bremen Krimipreis 2020 ausgezeichnet. Bild: Susanne Schleyer

Wie bewältigen Menschen das Schlimmstmögliche? Wie treten sie aus dem Dunkel zurück ins Licht des Lebens? "Das Leben, das den Tod überwindet – das ist eigentlich die Essenz meines Schreibens", sagt Jan Costin Wagner. Für seine Krimis wird er mit dem Radio Bremen Krimipreis 2020 ausgezeichnet, der nun aber doch erst im nächsten Jahr übergeben wird.

Gesprächszeit "Das Leben, das den Tod überwindet" - Jan Costin Wagner

Jan Costin Wagner bekommt den Radio Bremen Krimipreis 2020. Er beobachtet in seinen Krimis genau dort, wo andere lieber wegschauen.

Audio vom 28. Oktober 2020
Jan Costin Wagner
Bild: Susanne Schleyer

Eigentlich hätte der 28. Oktober 2020 sein Abend werden sollen. Doch angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen hat Radio Bremen entschieden, den Krimipreis 2020 erst im nächsten Frühjahr an Jan Costin Wagner zu verleihen. Er erhält die Auszeichnung für seine genauen Beobachtungen dort, wo andere lieber wegschauen. Ihn interessiert das, was in der Kriminalliteratur selten beleuchtet wird, obwohl es immer da ist: das Trauma der Angehörigen angesichts eines Gewaltverbrechens.

Jan Costin Wagner erhält die Auszeichnung für seine genauen Beobachtungen, dort, wo andere lieber wegschauen. Ihn interessiert das, was in der Kriminalliteratur selten beleuchtet wird, obwohl es immer da ist: das Trauma der Angehörigen angesichts eines Gewaltverbrechens. Über die Jury-Begründung hat er sich sehr gefreut: "Die Perspektive derjenigen, die davon betroffen sind, die Angehörigen von Opfern, die Frage, wie man mit dem Tod lebt, wie das Leben den Tod überwinden kann – das sind alles Eckpfeiler meines Schreibens und die waren in der Jury-Begründung sehr stark enthalten und das hat mich sehr gefreut."

Aus den schlimmstmöglichen Szenarien das rauszufiltern, was uns doch in die Lage versetzt, dem Leben zum Sieg zu verhelfen.

Jan Costin Wagner über die Essenz seines Schreibens

Seit 2003 lässt Jan Costin Wagner den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa ermitteln. Den ersten Roman hatte er noch als allein stehende Geschichte geschrieben, doch am Ende des ersten Romans wusste er schon, dass Joentaas Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Heute sei er ein wichtiger Mensch für ihn, auch wenn er fiktional sei, sagt der Autor über seinen Protagonisten. Denn Joentaa ist menschenfreundlich, schweigsam und kann gut zuhören: "Was ich an dieser Romanfigur sehr mag und am Anfang gar nicht wusste, ist, dass er über die Bücher, über die Jahre in hinweg, eine eigene Art der Bewältigung entwickeln würde. Und zwar eine, die ihn dann selbst seelsorgerisch für andere Menschen da sein lässt, die ähnlich Schlimmes erleben. Er schöpft also aus seiner Trauer eine Kraft, die sehr dem Leben zugewandt ist. Und ich glaube, in gewisser Weise kreist mein ganzes Schreiben darum: Aus den schlimmstmöglichen Szenarien das rauszufiltern, was uns doch in die Lage versetzt, dem Leben zum Sieg zu verhelfen."

Finnland als Herzensort

Wagners Frau ist Finnin, und als Wagner zum ersten Mal nach Finnland reiste, sei ihm sofort klar gewesen, dass das ein Herzensort für ihn sein würde. Hier hat er schließlich auch seine Romanserie angesiedelt: "Also für mich ist Finnland in erster Linie ein Herzensort. Eine Heimat, die für mich immer auch rätselhaft geblieben ist. Also beides zugleich: Ich fühle mich dort sehr heimisch und es hat dieses Geheimnis noch bewahrt."

"Der erste Satz ist gewissermaßen der erste Klang und der letzte Satz, ist das, was nachhallt."

Jan Costin Wagner über die Melodie seines Schreibens

Inzwischen hat Jan Costin Wagner eine neue Reihe gestartet: "Sommer bei Nacht" heißt sein neuer, aktueller Roman, der nun in Wiesbaden spielt und harten Stoff zum Thema hat: Es geht um Pädophilie, ein Kind verschwindet – und der Ermittler fühlt sich ebenfalls zu kleinen Kindern hingezogen. Das Böse, so Wagner, gibt es natürlich auch im bürgerlichen Milieu: "Der Roman erzählt im Kern davon, wie wir Menschen fundamental Gewissheit verlieren. Das woran wir zutiefst geglaubt haben, worauf wir vertraut haben, das steht in Frage. Das ist eine Erfahrung, die die Menschen im Roman machen. Und ich hatte das Gefühl, dass der Leser dieselbe Erfahrung macht. Dass er auch damit zurechtkommen muss, dass grundlegende Gewissheiten außer Kraft gesetzt werden, also zum Beispiel die Gewissheit, der Ermittler sei per se der Gute, der die Welt in Ordnung bringt."

Mit seiner bildhaften, präzisen Sprache erschafft Jan Wagner, der auch Musiker ist, einen ganz eigenen Sound. Während er schreibt, komponiert er und umgekehrt. Bei Lesungen spielt er am Klavier: "Wenn am Ende jedes Wort an dem Ort steht an dem ich das Gefühl habe, es sei dort richtig, dann ist gewissermaßen die Melodie vervollkommnet und der erste Satz ist gewissermaßen der erste Klang und der letzte Satz, ist das, was nachhallt."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. Oktober 2020, 18:05 Uhr