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Die Nacht

Im Porträt Jakob Hein lacht mit seinen Patienten und Romanhelden

Autorin

Jakob Hein
Humor und Wortwitz sind Teil von Jakob Heins Persönlichkeit. Bild: Imago | Stefan Schmidbauer

Schriftsteller und Arzt Jakob Hein gewinnt dem Leben gerne die komischen Seiten ab. Weil "Otto Waalkes" als Berufswunsch unerfüllbar war und die Eltern ihm die Schauspielerei ausredeten, wurde er Psychiater und findet seinen Beruf trotz vieler Schicksalsgeschichten sehr "freudvoll". Seinen Sinn für Komik lebt er auch als Romanautor aus.

Gesprächszeit "Ich lache sehr viel mit meinen Patientinnen" – Jakob Hein

Jakob Hein gewinnt dem Leben gern die komischen Seiten ab. Als Psychiater lacht er mit seinen Patientinnen und seine Romanhelden sind oft richtig schräge Vögel.

Jakob Hein
Bild: Imago | Stefan Schmidbauer
Bild: Imago | Stefan Schmidbauer

Dr. med. Jakob Hein ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er arbeitete zunächst als Oberarzt in der Berliner Charité und inzwischen in seiner eigenen Praxis im Stadtteil Kreuzberg. Täglich wird er mit schweren Schicksalen und dramatischen Lebensgeschichten konfrontiert: "Man ist jemand, der zuhört, man ist sicherlich auch jemand, der besonders qualifiziert darin ist, bestimmte Zusammenhänge aufzudröseln". Hein empfindet seine Arbeit nach wie vor als erfüllend und "freudvoll": "Ich lache sehr viel mit meinen Patientinnen und Patienten."

Otto Waalkes – das wollte ich gerne werden!

Jakob Hein über seinen ersten Berufswunsch

Dass er dem Leben gerne die komischen Seiten abgewinnt, ist Teil seiner Persönlichkeit und ein Merkmal seiner vielen Bücher. "Herr Jensen steigt aus", "Kaltes Wasser" oder "Die Orient-Mission des Leutnant Stern" sind sprachgewitzt und weltgewandt, seine Romanhelden oft richtig schräge Vögel oder wahre Abenteurer. Seinen Sinn für Komik hat Jakob Hein schon früh entwickelt. Kein Wunder also, dass er zunächst Otto Waalkes werden wollte. Nicht irgendein "Komiker", sondern: Otto! Dessen Auftritte im West-Fernsehen studierte Hein genau, er zog einen Ostfriesennerz an und spielte dann ganze Programme nach. "Der Typ war für mich eine eigene Kategorie. Meine Eltern guckten immer Scheibenwischer, das fand' ich immer wahnsinnig bräsig, hab ja auch die politischen Witze nicht alle verstanden. Und Otto Waalkes – das wollte ich gerne werden! Jemand, der auf der Bühne ausflippt, der Lieder ankündigt, die er nie spielt, der seine Haare durcheinander wirft – das mochte ich sehr! Und dann stellte sich raus, dass es in der DDR keine Otto-Waalkes-Lehrstellen gibt."

Ich hatte schon sehr viel Kontakt zur Stasi – auf die Art, dass man sehr viel Ärger bekommt.

Jakob Hein über seine Jugend in der DDR

Jakob Hein kam 1971 in Leipzig zur Welt, wuchs aber in Ost-Berlin auf. Sein Vater, der Schriftsteller Christoph Hein, dachte und schrieb staatskritisch, seine Theaterstücke und Romane wurden immer wieder zensiert. Weil er sich auf DDR-Autorenkongressen öffentlich gegen die Zensur von Kunst und Literatur wandte, wurde die Familie vom Staatssicherheitsdienst beobachtet, eine Ausreise in die Bundesrepublik wurde immer wieder nahe gelegt: "Ich hatte schon sehr viel Kontakt zur Stasi, aber nicht auf die Art, wo man Geld dafür bekommt, sondern eher auf die Art, dass man sehr viel Ärger bekommt."

Das Credo von Christoph Hein war aber: "Wenn die DDR will, dass wir ausreisen, ist das Grund genug, hier zu bleiben!" Jakobs Mutter Christiane Hein, die 2002 verstorben ist, war Dokumentarfilmerin für die DEFA und Kino-Enthusiastin. In seinem Buch "Vielleicht ist es sogar schön" erzählt Jakob Hein ihre jüdische Familiengeschichte und beschreibt seine Erinnerungen an sie und die gemeinsamen Kinobesuche.

Am liebsten guckt er in die Köpfe von anderen

Mutter Christiane Hein sammelte außerdem leidenschaftlich gerne Kochbücher. Und wenn – wie so häufig – Gäste kamen, dann tischte sie gerne ihre legendäre Kartoffelsuppe auf. Im Hause Hein gingen vor allem Künstler und Schriftstellerinnen, Regisseure und Schauspielerinnen ein und aus. Jakobs zweiter Wunsch, Schauspieler zu werden, lag daher nahe. Das haben ihm die Eltern allerdings ausgeredet. Als er 12 Jahre alt war, stand für ihn dann fest, von welchem Berufswunsch er nie mehr abrücken würde: Psychiater! Mit diesem Beruf verband er die faszinierende Vorstellung, anderen Menschen in die Köpfe schauen zu können: "Eigentlich ist das als Arzt eine ganz normale Sache, dass du dich für Menschen und ihre Geschichten interessierst und dich damit auseinandersetzt." Was Jakob Hein als Schriftsteller natürlich auch tut.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 11. Dezember 2020, 18:05 Uhr