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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

Im Porträt Trotz Morddrohungen – Comedienne Idil Baydar bleibt laut

Autorinnen

Idil Baydar
Berlinerin aus vollem Herzen: Idil Baydar Bild: Imago | IMAGO / Future Image

Schauspielerin und Comedienne Idil Baydar spielt mit den Klischees, die Deutsche und türkische Migranten hierzulande pflegen. Auf Youtube begann 2011 ihre Karriere mit den Figuren "Jilet Ayse" und der "Nazi-Oma Gerda Grischke". Baydar greift gesellschaftliche Themen auf und ist diesem Jahr Patin der ARD Themenwoche "Wir gesucht: Was hält uns zusammen?"

Idil Baydar

Gesprächszeit "Für mich ist die erste Priorität das Mensch-Sein" – Idil Baydar

Comedienne Idil Baydar spielt mit den Klischees, die Deutsche und türkische Migranten hierzulande pflegen. Uns verbindet mehr als uns trennt, sagt sie.

Bild: Imago | IMAGO / Future Image

Idil Baydar ist Tochter zweier türkischer Einwanderer, die sich kurz nach ihrer Geburt getrennt haben. Geboren wurde sie 1975, aufgewachsen ist sie in Celle. Die Frage, ob sie sich deutsch findet, ist für sie nicht relevant: "Uns verbindet alle, dass wir Angst empfinden. Uns verbindet alle, dass wir krank werden. Uns verbindet alle, dass wir Freude empfinden, Liebe empfinden. Wir sind zu 99% gleich. Ein Prozent ist das, was uns individuell macht."

Das kleinste 'Wir' bist du mit dir selbst.

Idil Baydar über Selbstliebe und gesellschaftliches Zusammenleben

Ausschlaggebend für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist für Baydar unser Mensch-Sein. In diesem Jahr ist sie Patin der ARD Themenwoche "Wir gesucht: Was hält uns zusammen?". Sie erinnert daran, dass unser Zusammenleben schon bei der Liebe zu uns selbst anfängt: "Das kleinste 'Wir' bist du mit dir selbst." Zugehörigkeit ist für Idil Baydar genauso wichtig wie Essen und Trinken. "Es ist des Menschen Grundbedürfnis'! Mit der Zugehörigkeit von Identitäten herumzuspielen, ist meiner Meinung nach Missbrauch", stellt sie klar.

Klischees und Vorurteile mit "Jilet Ayse" und "Gerda Grischke"

Bekannt wurde Idil Baydar als Comedienne auf Youtube. Ihre Videos mit den Kunstfiguren "Jilet Ayse" und "Gerda Grischke" wurden millionenfach geklickt. Baydar überspitzt, übertreibt – und sie liebt ihre Figuren heiß und innig. "Jilet Ayse", so Baydar, ist "der Integrationsalptraum", denn ihre Ansichten bringen viele Deutsche oft auf die Palme. Aber: "Sie ist eine Kunstfigur und kein Realbild für irgendwelche türkischen Communities. Das ist ganz wichtig, zu betonen, dass sie nicht so etwas wie Reality-TV ist. Sondern sie zeigt uns in jeder Hinsicht auf, wo wir eventuell nachjustieren können und wo einfach auch das Bild schräg und falsch ist", sagt die 47-Jährige. Den Prototyp für "Gerda Grischke" fand Baydar dagegen in Berlin an der Bushaltestelle. Die "Nazi-Oma" quatscht gerne die ausländerfeindlichen Erzählungen großer Zeitungen nach: "Wenn so eine Gerda Grischke auf jemanden wie mich trifft, dann sagt sie: 'Na ja, du bist ja ganz anders. Aber das ist ja ein Einzelbeispiel – alle anderen sind ja bedrohlich und kriminell und liegen dem Staat auf der Tasche.'"

Humor ist eine Brücke.

Idil Baydar über ihre Kunst, die sich Klischees und Vorurteile sichtbar macht

Auf der Waldorf-Schule in Celle hat Baydar einen Schatz an Möglichkeiten bekommen. Dort, sagt sie, wurde sie als Individuum gesehen und gehörte nicht zu einem diffusen Kollektiv der migrantisierten Türken. "Ich war Idi" erinnert sie sich. Mit 16 Jahren zog sie nach Berlin-Kreuzberg, ihrem Kraftort, den sie aus vollem Herzen liebt. Seit 2014 steht sie mit abendfüllenden Comedy-Programmen auf der Bühne und ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Doch für manche scheint ihre Kunst eine Bedrohung zu sein. Ihre persönlichen Daten wurden von einem Polizeicomputer abgerufen und Idil Baydar erhielt mehrfach Morddrohungen aus dem rechtsterroristischen Umfeld. Auch wenn sie Sorge hat, dass der Hass auf sie vielleicht auch einmal eine unschuldige Person in ihrer Nähe treffen könnte, lässt sich die Berlinerin nicht aus der Öffentlichkeit vertreiben. Kommunikation bleibt für sie der Schlüssel für ein gesellschaftliches Miteinander. Und: "Humor ist eine Brücke. Die Brücke heißt Entspannung."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 7. November 2022, 18:05 Uhr