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Im Porträt Heribert Prantl plädiert für nachvollziehbare Corona-Regeln

Autor

Journalist Heribert Prantl
Viele Corona-Schutzmaßnahmen hält Heribert Prantl für zu detailversessen. Er plädiert für mehr Eigenverantwortung. Bild: DPA | Frank Rumpenhorst

Am Tagesgeschäft der Süddeutschen Zeitung ist Heribert Prantl nicht mehr beteiligt – aber in gesellschaftliche Debatten mischt sich der langjährige Chefredakteur auch heute noch gerne ein. Der 67-Jährige ist weiterhin als Kolumnist und Autor tätig und hat sich bei einem Besuch in Bremen ausführlich zur Einschränkung von Grundrechten während der Corona-Pandemie geäußert.

Gesprächszeit "Viele Themen sind wirklich verschwunden" – Heribert Prantl

Am Tagesgeschäft der Süddeutschen Zeitung ist Heribert Prantl nicht mehr beteiligt – aber sein Wort findet in gesellschaftlichen Debatten weiterhin Gehör.

Audio vom 30. April 2021
Journalist Heribert Prantl
Bild: DPA | Frank Rumpenhorst

Seit über 30 Jahren ist Heribert Prantls Name eng mit der Süddeutschen Zeitung verbunden. Viele Jahre war er Leiter des Ressorts Innenpolitik und von 2011 bis 2019 Mitglied der Chefredaktion. Dabei hatte der studierte Jurist, Amtsrichter und Staatsanwalt erst als 35-Jähriger die beruflichen Seiten gewechselt: "Mein Vater war nicht so wahnsinnig begeistert, als ich nach fünf oder sechs Jahren bei der Bayerischen Justiz die Robe wieder an den Haken gehängt habe und Journalist geworden bin - fand er ein bisschen unseriös", schmunzelt der gebürtige Oberpfälzer.

Ich diktierte die Berichte und kam mir unglaublich wichtig vor.

Heribert Prantl über die Zeit, als er seinen Bruder die ersten Berichte tippen ließ

Den Grundstein fürs Schreiben legte Prantl schon ganz früh: mit 14 Jahren beim Schreiben von Lokalnachrichten über den Hasenzüchterverein oder die jüngste Gemeinderatssitzung in seinem Dorf in der Oberpfalz. Die Berichte diktierte er seinem kleinen Bruder an der Schreibmaschine: "Ich ging immer im Zimmer auf und ab, diktierte die Berichte, kam mir unglaublich wichtig vor, aber das Allerbeste war: Ich kriegte Geld dafür!" Investiert wurden die ersten Honorare in Jimi-Hendrix-Platten, erinnert sich Prantl, aber das Wichtigste war: Die Liebe zum Schreiben entstand.

Für einfachere Regeln in der Corona-Pandemie

Die besten Einfälle für Artikel und Bücher bekommt Heribert Prantl beim Spazieren im Wald, manchmal beim Radfahren, manchmal aber auch, wenn er gerade einschlafen möchte. Sein Interesse an gesellschaftlichen Entwicklungen ist groß, aber zur Zeit der Corona-Pandemie stellt er die Fixierung auf ein einziges großes Problem fest: "Viele Themen sind wirklich verschwunden, und das tut unglaublich weh. Ich glaube, das schadet auch der Debatte".

Die Pauschalität der Verbotsmaßnahmen wird mir immer mehr zuwider.

Heribert Prantl über die Corona-Politik von Bund und Ländern

Am 1. Mai war Prantl auf Einladung der Bremischen Evangelischen im Gottesdienst in "Unser Lieben Frauen" zu Gast. In seiner Kanzel-Rede sprach er über die Corona-bedingten Einschränkung von Grundrechten: "Sie lässt alles, was gesellschaftliches Leben betrifft, darnieder liegen", sagt er über die Pandemie. Er selbst vermisst Diskussionsveranstaltungen, Konzerte oder auch mal einen Besuch im Biergarten und beklagt die Detailversessenheit vieler Einzelregeln: "Die Pauschalität der Verbotsmaßnahmen wird mir immer mehr zuwider."

Deshalb plädiert er für mehr Selbstverantwortung, einfache, nachvollziehbare Regeln und eine kluge Abwägung bei der Einschränkung von Grundrechten. Und er fordert eine Beteiligung der Parlamente für mehr Transparenz und mehr Akzeptanz: "Es dauert jetzt 13, 14 Monate – über ein Jahr. Und dass man in der Zeit kein ordentliches Gesetz im Parlament machen kann, kann mir niemand weis machen."

Mir ist es um den Journalismus nicht bange, wenn er tatsächlich bei der Qualität bleibt.

Heribert Prantl über die Zukunft seines Berufsstandes

Heute – nach seinem altersbedingten Ausscheiden bei der SZ – ist der 67-Jährige für die Zeitung weiterhin als Kolumnist und Autor tätig, publiziert regelmäßig Bücher und lehrt als Honorarprofessor Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld. Wenn er Zeit und Muße hat, so Prantl, nimmt er immer noch liebend gern das gedruckte Zeitungsblatt in die Hand. Aber "wenn ich unterwegs bin, ist es wunderbar, nur auf dem Handy die aktuellen Dinge zu lesen. Es geht einfach so unglaublich schnell und man ist informiert. Ich genieße es, dass man die verschiedenen Register ziehen kann, und mir ist um den Journalismus nicht bange, wenn er tatsächlich bei der Qualität bleibt!" Denn den Journalismus kaputt zu sparen, davor warnt der Publizist eindringlich: "Dann ist ein Grundrecht kaputt."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 30. April 2021, 18:05 Uhr