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Die Nacht

Im Porträt Herbert Gärtner hilft seit 15 Jahren suchtkranken Menschen in Bremen

Autorinnen und Autoren

  • Frieda Ahrens
Herbert Gärtner
Ein Mann, der hohes Vertrauen genießt: Herbert Gärtner. Seit vielen Jahren unterstützt er Alkoholkranke dabei, ihre Sucht in den Griff zu bekommen. Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens

In der Reihe "Lieblingsmenschen" stellen wir ganz besondere Menschen vor: Alltagshelden, die Besonderes leisten. Sein Umfeld bereichert Herbert Gärtner schon seit mehr als 15 Jahren. Der 70-Jährige engagiert sich in der Präventionsarbeit beim "Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe". Bremen-Zwei-Reporterin Frieda Ahrens hat ihn beim Treffen für Alkoholiker in Bremen-Walle begleitet.

15 Jahre Engagement für Alkoholkranke: Herbert Gärtner aus Bremen

Herbert Gärtner engagiert sich seit über 15 Jahren in der Präventionsarbeit beim "Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe" in Bremen-Walle.

Herbert Gärtner
Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens
Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens

Jeden Montagabend gegen 18 Uhr treffen sich die Mitglieder des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe in der Tagesklinik in Bremen-Walle. Herbert Gärtner leitet die Selbsthilfegruppe seit mehr als 15 Jahren. "Die hier am Tisch sitzen, die haben alle eine Karriere hinter sich über zehn, zwölf, zwanzig Jahre – je nachdem," erzählt er. "Denn Alkoholismus fällt immer sehr spät erst auf. Wir haben ein Eintrittsdatum von 45 bis 50 Jahren. Dann haben sie mindestens zehn Jahre auf dem Buckel, haben schon reichlich was mitgemacht. Hier kann man sich austauschen."

Es ist erst das zweite Treffen nach langer Corona-Pause. Diese Zeit haben viele nicht ohne Alkohol geschafft. Das ist auch das Hauptthema des Treffens. Viele seien umgekippt, erzählt ein Teilnehmer aus der Runde: "Weil die frisch clean waren, die Meetings waren dicht. Die haben dann ab und zu mal wo angerufen, und irgendwann wurde es ihnen zu viel. Und dann haben sie einfach gesoffen."

Da hat man auch das Gefühl, dem muss und kann man nichts vormachen. Und das hat mich auch bewogen, mit Herbert das durchzuziehen.

Mitglied der Selbsthilfegruppe über Herbert Gärtner

Herbert Gärtner stand auf einer Kontaktliste für Notfälle. Auch wenn direkte Treffen nicht möglich waren, Telefonieren im Lockdown ging. Und bei Gärtner hat sehr häufig das Sorgentelefon geklingelt. "Das größte Manko bei einer Suchterkrankung ist die Einsamkeit. Sobald ich mich in meinem Kämmerlein vor mich hin schmolle, bin ich über kurz oder lang wieder rückfällig. Das war leider über die Corona-Zeit sehr schwierig."

Herbert Gärtner war für die Gruppe da, auch mit Abstand. Eine Frau erzählt: "Er war immer ansprechbar, wir haben uns unterhalten. Und ich möchte es nicht missen, wirklich nicht. Er tut einfach gut." Herbert Gärtner sei ein "direkter Typ", sagt ein Mann. "Da hat man auch das Gefühl, dem muss und kann man nichts vormachen. Und das hat mich auch bewogen mit Herbert das durchzuziehen."

Der Weg in die Sucht

Herbert Gärtner ist seit 20 Jahren trocken. Davor hat der Bremer 20 Jahre getrunken. Seinen Weg in die Alkoholsucht beschreibt er so: "Das ist immer das Schlimme bei der Sache: Man weiß nie, wann man in die Sucht reingerät. Ich war am Anfang bei der Bundeswehr. Da wurde ein bisschen mehr getrunken. Dann habe ich anschließend noch eine Ausbildung gemacht. Da wurde Korn getrunken. Dann ging es hin und her und dann wurde es wieder mehr. Irgendwann rutscht man in einen Kreis rein, den man gar nicht als gefährlich ansieht. Und irgendwann rutscht man in die körperliche Abhängigkeit."

Selbsthilfegruppe und "Jims Bar"

Damit das anderen nicht auch passiert, leitet er nicht nur Treffen und war beim "Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe" fünf Jahre lang im Vorstand, sondern hat nebenbei "Jims Bar" gegründet. Eine mobile Bar, die bei Veranstaltungen alkoholfreie Cocktails und Infos zum Thema Alkoholismus verteilt. Hinter der Bar stehen 18- bis 20-Jährige, die zu Barkeepern ausgebildet wurden. So soll auch die junge, potentiell gefährdete Zielgruppe angesprochen werden.

Für mich ist Herbert ein Vertrauensmensch.

Anonym, über Herbert Gärtner.

Herbert Gärtner selber kümmert sich um die Menschen, die in den Treffpunkt kommen oder ihn anrufen; vor der Pandemie, während der Lockdowns und auch jetzt. Er wird gebraucht: "Für mich ist Herbert ein Vertrauensmensch. Dass er in allen Situationen, ob privat oder in der Gruppe, immer ansprechbar ist und ein offenes Ohr für alles hat", sagt ein Mitglied der Selbsthilfegruppe.

So soll es auch bleiben. Auch wenn Herbert Gärtner mit seinen 70 Jahren und einer chronischen Lungenkrankheit ein wenig zurücktreten musste. Richtig raushalten kann und will er sich aber nicht. Er ist immer noch im Arbeitskreis Alkohol Bremen und im Beirat des Selbsthilfenetzwerks Bremen aktiv. Er hat es geschafft, seine Sucht in den Griff zu bekommen und will weiterhin auch anderen dabei helfen.

Wenn Sie Hilfe brauchen, dann finden Sie die zum Beispiel bei der Suchtberatung der Caritas Bremen, oder bei der Telefonseelsorge unter 0800-1110111.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. Oktober 2021, 14:50 Uhr.