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Im Porträt Wie eine Juristin als Mutter im SOS-Kinderdorf einen Neuanfang wagte

Autoren

  • Katharina Mild
Heike Schindler steht vor grünen Bümen
Heike Schindler hat einen beruflichen Neuanfang gewagt – und ist glücklich darüber. Bild: Radio Bremen | Katharina Mild

"Lieblingsmenschen" – das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten oder einfach ihr Umfeld verzaubern. Solche Lieblingsmenschen wollen wir Ihnen regelmäßig vorstellen – wie Heike Schindler. Sie hat ihren Juristinnenjob an den Nagel gehängt und ist nun Mutter im SOS-Kinderdorf in Worpswede.

Im Garten im SOS-Kinderdorf Worpswede springen zwei kleine Kinder auf dem Trampolin um die Wette. Daneben steht Heike Schindler und feuert die beiden an. Heike Schindler ist nicht die leibliche Mutter der beiden, aber sie lebt mit ihnen und vier weiteren Kindern zwischen zwei und elf Jahren unter einem Dach. Sie kocht für sie, spielt und lacht mit ihnen und tröstet, wenn mal jemand weint.

Berufswunsch aus Kindertagen

Heike Schindler ist seit zwei Jahren hier im SOS-Kinderdorf. Vorher, in ihrem ersten Leben, war die 44-Jährige Juristin und zuletzt als Geschäftsführerin tätig. Der Job war anstrengend, 14-Stunden-Tage für Heike Schindler keine Seltenheit. Irgendwann fing sie an, sich zu fragen, ob sie das wirklich bis an ihr Lebensende machen will.

Ich habe fast fünf Jahre überlegt, wo geht die Reise hingeht. Mein Bruder hat irgendwann zu mir gesagt: 'Mensch, als du klein warst, hast du immer gesagt, du möchtest SOS-Kinderdorfmutter werden.'

Heike Schilder über ihren Wunsch sich beruflich zu ändern

Zuerst macht sie ein Praktikum, dann eine dreijährige praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin. Blockweise besucht sie eine Erzieherschule in Tübingen, die übrige Zeit ist sie direkt in SOS-Kinderdorf-Familien eingesetzt. Hier finden Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, ein neues Zuhause. Heike Schindler lernt so gleich vom ersten Tag an ihr späteres Arbeitsumfeld kennen und merkt, dass sie hier genau richtig ist. Freunde und Familie unterstützen sie bei ihrem Plan.

Ein Stück Normalität für die Kinder

Bis heute hat Heike Schindler ihre Entscheidung, Erzieherin zu werden, keinen einzigen Tag bereut. Vor allem, dass sie jetzt ganz unmittelbar und direkt etwas bei den Kindern bewirken kann, bestärkt die 44-Jährige. Denn die Kinder, die ins SOS-Kinderdorf kommen, haben oft Schlimmes erlebt, kommen aus Familien mit überforderten, psychisch- oder suchtkranken Eltern. Von diesen Päckchen, die die Kinder tragen, lässt Heike Schindler sich aber nicht lähmen. Stattdessen versucht sie, das Beste draus zu machen.

Zwischendurch braucht aber auch Heike Schindler mal Zeit und Raum, um durchzuatmen, neue Kraft zu tanken und einfach mal an etwas anderes zu denken. Als Kinderdorfmutter hat sie deshalb regelmäßig freie Tage und natürlich auch Urlaub. Diese Auszeiten sind möglich, weil Heike Schindler sich nicht allein um "ihre" Kinder kümmert. Mit an Bord sind zwei weitere pädagogische Fachkräfte, die sie tagsüber unterstützen und freie Wochenenden und den Urlaub der Kinderdorfmutter abdecken. Aber ein Tag als Kinderdorfmutter ist harte Arbeit. Von morgens bis abends müssen die Kinder versorgt, Einkäufe erledigt und Termine koordiniert werden. Die eine hat Ballett, der andere geht zum therapeutischen Reiten, die dritte muss zum Chor. Auch wenn das alles mit Stress verbunden ist – Heike Schindler möchte die Kinder individuell fördern. Und für die Kinder bedeutet dieser Alltag ein Stück Normalität, ein geregeltes Familienleben mit einem Mutterersatz, mit Geschwistern.

Hier im Haus haben wir das große Glück, dass sich die Kinder gut verstehen. Sie nennen sich 'Schwestern im Herzen'. Das ist schon schön.

Heike Schindler über den Zusammenhalt der Kinder

Obwohl ihr Alltag jetzt ein völlig anderer ist, einige Dinge sind geblieben: Denn auch hier muss sie Schreibtischarbeit erledigen, Berichte schreiben, sich mit Ämtern auseinandersetzen, Personal verantworten und Budget verwalten. Aber wenn draußen die Sonne scheint, dann kann sie auch einfach mit "ihren" Kindern an den See fahren. Und das, sagt Heike Schindler, hat etwas von einer Freiheit, die sie früher nicht hatte.

Noch mehr Lieblingsmenschen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Juni 2021, 15:20 Uhr