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Die Nacht

Im Porträt Hinter Köchin Haya Molcho steht die ganze Familie

Autorin

Haya Molcho
Ihre "Middle East"-Küche gehört auf einen Markt, sagt Haya Molcho. Bild: Molcho Holding GmbH

Zehn Restaurants der Kette "NENI" in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Spanien, fünf Kochbücher, eine Produktlinie, die man in Supermärkten kaufen kann und zahllose Auftritte in TV-Kochshows: Für Haya Molcho aber ist das eigentlich erst der Anfang. Dabei war sie bereits 55 Jahre alt, als die Koch-Autodidaktin, die zum Teil in Bremen groß geworden ist, am Wiener Naschmarkt ihr erstes Restaurant eröffnete.

Gesprächszeit "Wir lieben Innovationen" – Haya Molcho

Haya Molcho war bereits 55 Jahre alt, als sie am Wiener Naschmarkt ihr erstes Restaurant eröffnete. In ihrem NENI-Imperium arbeitet heute die ganze Familie mit.

Haya Molcho
Bild: Molcho Holding GmbH
Bild: Molcho Holding GmbH

Neuanfänge ist die Tochter rumänischer Juden seit jeher gewohnt. Nach neun Jahren in ihrer Geburtsstadt Tel Aviv verpflanzt der Vater, ein Zahnarzt, die gesamte Familie 1964 nach Bremen. Haya und ihr Bruder sprechen noch kein Wort Deutsch und müssen sich zunächst daran gewöhnen, nicht mehr neben dem Markt und dem Strand aufzuwachsen und im Winter mit Jacke zur Schule zu gehen: "Ich war eine Exotin für meine Mitschüler – und das war damals positiv", sagt Haya heute.

Aufgewachsen in einem offenen Bremer Haus

Bis auf einen Lehrer, der ihr – als Mädchen mit arabisch-jüdischem Namen – offen als Nazi begegnete, haben die anderen Kinder ihr das Ankommen in Bremen leicht gemacht. Die Kultur der Gastfreundschaft und eines allzeit offenen Hauses behält Hayas Familie auch in Bremen bei, so wie vorher in Tel Aviv. Hungrige Studierende und Straßenmusikanten bringt der Vater ständig zum Essen mit nach Hause – und eines Tages auch den damals schon weltberühmten Pantomimen Samy Molcho. Er hat im Flugzeug neben Hayas Vater gesessen und bei einem Blick auf ein Foto von Haya beschlossen, dass er sie kennenlernen möchte. Fünf Jahre später heiratet Haya den 20 Jahre älteren Mann. Nicht ohne ihre Beziehung zuvor auf Herz und Nieren überprüft zu haben. Denn eine Empfehlung des Vaters "wäre eigentlich ein No-Go gewesen" – sagt sie nach mehr als 40 glücklichen Ehejahren lachend.

Wir waren verliebt, die Welt war einfach fantastisch!

Haya Molcho über ihr damaliges Tourleben mit ihrem Mann

Als Samy ihr einen Heiratsantrag macht und sie bittet, mit ihm in Wien zu leben, gibt sie ihr Psychologiestudium und das Gedankenspiel, Kinderärztin zu werden, auf. Denn sie möchte Kinder haben – möglichst viele - und mit ihnen auch möglichst viel Zeit verbringen. Doch die Kinder lassen auf sich warten. Sieben Jahre lang tourt sie mit ihrem Mann Samy um die ganze Welt. Zwar gibt es eine Wohnung in Wien, doch beide leben "wie die Nomaden", und finden es wunderbar: "Wir waren jung und Samy hat die Welt erobert mit seiner Pantomime, wir waren verliebt, die Welt war einfach fantastisch!".

Während Samy auf den großen Bühnen der Welt steht, streift Haya über Märkte, kostet die Aromen internationaler Gerichte und bietet ihre Hilfe in Restaurants an. Das Kochen, die Gerüche und Geschmäcker – das liebt sie seit ihrer Kindheit mit ihrer großen Familie in Israel und es bedeutet für sie Familie, Kultur und Zusammenhalt. Und sie möchte sich selbst finden, ihre eigenen Stärken definieren und nicht "nur" die Frau des berühmten Samy Molcho sein.

Die Middle-East-Küche, mit der ich aufgewachsen bin, gehört auf einen Markt und nicht ins "Fine Dining".

Haya Molcho über ihre israelische Küche
Haya Molcho
Mit Caterings hat Haya Molcho mal angefangen. Bild: Molcho Holding GmbH

Sesshaft werden Samy und Haya erst, als der erste Sohn unterwegs ist. Vorher war wohl zum Schwanger-Werden nicht die richtige Zeit - "und dann kamen sie alle nacheinander", strahlt Haya Molcho. Nuriel, Elior, Ilan und Nadiv kommen zwischen 1984 und 1990 auf die Welt. Die Initialen der vier Söhne bilden heute den Namen ihres "fünften Kindes" – der Restaurantkette NENI.

Familienfeste, Geburtstage, Bar Mizvas – die leidenschaftliche Köchin Haya hat genug Gelegenheiten, ihre Passion zuhause auszuleben, so lange die Kinder klein sind. Irgendwann überredet eine Freundin sie, ein Catering auszurichten – und hier kommt der Stein in Richtung Selbstständigkeit ins Rollen. Ganz am Ende des Wiener Naschmarktes entdeckt sie eine – wie sie selbst sagt "abgefuckte" Ecke. Ratten gibt es dort und niemand aus dem vorderen Bereich verirrt sich hier her. Doch sie verliebt sich in diesen Platz und weiß: "Ich kann etwas daraus machen! Denn Middle-East-Küche, mit der ich aufgewachsen bin, gehört auf einen Markt und nicht ins "Fine Dining"."

Die ganze Familie arbeitet im "NENI"-Imperium mit

Zwei ihrer Söhne, Nuriel und Elior, sind zu dem Zeitpunkt gerade mit dem Studium fertig – Wirtschaft und Eventmanagement. Und Haya Molcho ist überzeugt: Wenn sie mir helfen – ein halbes Jahr lang – können wir es schaffen. Elf Jahre ist das jetzt her. Das erste "NENI" am Naschmarkt ist seither immer voll – in Zeiten von Corona gibt es Catering und Take-Away–Service rund um die Uhr – weitere Standorte folgen praktisch jährlich. Mittlerweile arbeitet die ganze Familie am "Imperium" NENI mit: Haya entwickelt die Produkte, kocht und bildet Köche aus, die Söhne kümmern sich um Public Relations, Finanzen und Geschäftsführung. Und Samy Molcho? Der rührt auch mal nächtelang Humus, wenn eine neue Produktlinie ansteht und schult seine Frau und das gesamte Team in Körpersprache.

Es kann sein, dass man eine Sache nicht gut macht. Aber deshalb versagt man ja nicht als Mensch.

Haya Molcho über ihren Umgang mit Misserfolgen

Angst vorm Versagen kennt die Frau, die nie eine Kochausbildung gemacht hat und die Tim Mälzer als "Lichtgestalt der Szene" und "Koryphäe der Middle East Küche" bezeichnet, nicht. "Was heißt Versagen?", lautet ihre Gegenfrage: "Es kann sein, dass man eine Sache nicht gut macht. Wir haben auch ein NENI im zweiten Bezirk nach zwei Jahren zugesperrt, weil der Platz einfach nicht gut war. Aber deshalb versagt man ja nicht als Mensch." Liebe für ihre Berufung und Begeisterung für Menschen ist es, die für Molcho immer im Zentrum ihres Wünschens steht. Auch für Restaurant Nummer elf, das bald eröffnet – und die Enkelkinder, die nun ihr allergrößter Wunsch sind.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 8. Dezember 2020, 18:05 Uhr