• Davor lief:

  • Um> 18:57 Uhr lief: Gaz Coombes Detroit
  • Um> 17:57 Uhr lief: Aura Dione Song For Sophie
  • Um> 17:51 Uhr lief: Kitty Hoff Surprise
  • Um> 17:49 Uhr lief: The Jayhawks Living In A Bubble
  • Um> 17:47 Uhr lief: Jordan Prince How I Go Down
  • Um> 17:43 Uhr lief: Michelle David and the Gospel Sessions Yes I Am!
  • Um> 17:35 Uhr lief: Martin and James Don't Let It Go
  • Um> 17:32 Uhr lief: Ron Sexsmith Radio
  • Um> 17:30 Uhr lief: Portugal. The Man Feel It Still
  • Um> 17:25 Uhr lief: The Once All The Hours

Sounds in concert mit Arne Schumacher

Im Porträt Hartmut Clemen gärtnert im Einklang mit der Natur

Autoren

Was wächst denn da – und warum? Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen hilft anderen, möglichst naturnah zu gärtnern -für mehr Artenvielfalt im Garten.

Hartmut Clemen
Liebt die Artenvielfalt: Hartmut Clemen Bild: Radio Bremen | Jessica Liedtke

Gesprächszeit "Auch als Faulpelz darf ich den Garten genießen!" – Hartmut Clemen

Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen hilft anderen, möglichst naturnah zu gärtnern. Für mehr Artenvielfalt und Zeit für Schönes im Garten.

Hartmut Clemen
Hartmut Clemen Bild: Radio Bremen | Jessica Liedtke
Bild: Radio Bremen | Jessica Liedtke

Wenn Hartmut Clemen sich an seine ersten "grünen" Erlebnisse zurückerinnern soll, fällt ihm gleich etwas ein: Als er vier oder fünf Jahre alt war, genoss er es, sich immer wieder in den Rasenschnitt zu werfen und die Nase in den Duft von frisch gemähtem Gras zu vergraben. Die Begeisterung für Pflanzen, Büsche und Bäume blieb, und Mitte der 1970er Jahre machte Clemen in der Nähe von Braunschweig eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Doch danach wollte er mit seinem Beruf nichts mehr zu tun haben: "Ich hatte das Gefühl, als Betonbauer ausgebildet worden zu sein. Ich bin einer der Gärtner, die verantwortlich sind für die Unsäglichkeiten im Wegebau: Waschbetonplatten ohne Ende!"

Ich darf doch auch als Faulpelz den Garten genießen!

Hartmut Clemen auf die Frage, wieviel Arbeit ein Garten abverlangt

In seiner Ausbildung fragte niemand nach Stauden, Blühpflanzen oder Kräutern. Aber Hartmut Clemen wollte Gärten anlegen, die naturnah sind: "Ich sehe mich als Moderator, als Dirigent ein wenig, der genau beobachtet, was passiert in diesem Garten". In einem sandigen Boden würde er niemals Moorbeetpflanzen anpflanzen und in lehmigen Böden niemals Trockenheit liebende Pflanzen. "Ich nehme einfach das an, was die Natur uns schenkt und was sie möglich macht." Den Storchschnabel beispielsweise, eine pflegeleichte, invasive Art, die die Bienen lieben, lässt Clemen gerne mal flächendeckend stehen. Denn ein Garten soll nicht nur arbeitsintensiv sein, er soll auch Lust zum Verweilen machen, ist Clemen überzeugt: "Und ich darf doch auch als Faulpelz den Garten genießen!"

Moderator, Dirigent und Wissensvermittler

Eine Zeit lang lebte Hartmut Clemen in Neuseeland, er hat Gartenreisen nach England organisiert und in den Neunzigern im Kollektiv "Der grüne Garten" gearbeitet – ein Betrieb, der für Privatleute und die öffentliche Hand naturnahe Gärten gestaltete. Seit 2003 stellt er sein Wissen als Leiter des Beratungszentrum im Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. zur Verfügung. In neunmonatigen Kursen bildet er Fachberater im naturnahen Gärtnern für die Kleingartenvereine aus und ist für die Umweltbildung zuständig. Er führt jüngere Generationen an die Natur heran und vermittelt ihnen, was es eigentlich heißt, die "Natur" zu schützen: "Gerade junge Familien, die kleine Kinder haben, die begegnen mir mit einer unglaublichen Dankbarkeit, einen Garten zu haben hier im Land Bremen."

Das Kleingartenwesen ist sehr prägend für eine Stadt wie Bremen. Das sind vier Quadratkilometer – da kommt der Bürgerpark nicht mit!

Hartmut Clemen über den Wert von Kleingärten
Ein umgedrehter Blumentopf mit Stroh hängt an einem Zaun
Hier fühlen sich Ohrenkneifer wohl: In einem umgedrehten Blumentopf mit Stroh. Bild: Radio Bremen | Jessica Liedtke

Sein Arbeitsort ist das "FlorAtrium", der Erlebnisgarten des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen in Oberneuland. Jung und alt finden hier eine riesige Blumenvielfalt, Disteln, Sukkulenten, Trockenmauern oder Hochbeete mit Möhren, Radieschen und Buschbohnen. Für Clemen, dessen Lieblingsstaude die Sterndolde ist, ist das "FlorAtrium" Spielwiese und Lerngarten zugleich: "Es zeichnet sich dadurch aus, dass er über lange Phasen des Sommers gut mit Trockenheit zurecht kommt."

Der Landesverband der Gartenfreunde Bremen vertritt die 17.000 Kleingärtner in Bremen, die gerade viel Zulauf erhalten. In Top-Lagen gibt es lange Wartezeiten, seit Corona die kleine Oase im Grünen so wertvoll gemacht hat. Doch für Clemen sind die vielen Kleingärten nicht nur privat ein Kleinod: "Das Kleingartenwesen ist sehr prägend für eine Stadt wie Bremen. Das sind vier Quadratkilometer – da kommt der Bürgerpark nicht mit, von der Fläche her".

Ich nehme den Klimawandel seit Jahrzehnten wahr. Vom Aussaat-Zeitpunkt bis zum Ernteertrag, bis zu Krankheiten.

Hartmut Clemen über seine Sorgen um die Artenvielfalt

Artensterben und Klimawandel – Hartmut Clemen ist sich schmerzlich bewusst, dass wir Menschen und besonders auch seine Generation einen Anteil daran haben: "Ich nehme den Klimawandel seit Jahrzehnten wahr. Vom Aussaat-Zeitpunkt bis zum Ernteertrag, bis zu Krankheiten, die ich vorher nicht kannte." Schon mit einfachen finanziellen Mitteln, so Clemen, kann jeder Kleingärtner Artenvielfalt gestalten, und er plädiert dafür, die Natur auch mal zum Teil sich selbst zu überlassen: "Das würde ich mir für Bremen und seine Vorgärten wünschen: Dass wir einfach mal den Mut haben, weit über Bremen hinaus die deutsche Ordnung mal an die Seite zu legen, um der Natur, den Pflanzen, den Raum zu lassen." Und was ist wohl Hartmut Clemens schönste Zeit im Gartenjahr? "Wenn im Frühjahr, im April, die Natur neu erwacht", sagt Clemen und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Ein Schmetterling auf einer Distelpflanze
Schmetterlinge und andere Insekten brauchen Nahrung und Lebensraum. Im "FlorAtrium" finden sie beides. Bild: Radio Bremen | Jessica Liedtke

Noch mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 29. Juli 2021, 18:05 Uhr