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Der Nachmittag mit Katrin Krämer

In der Ausstellung Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus: "Man is an Animal"

Autorin

Elisabeth Frink, Goggle Head, 1969, Bronze
Elisabeth Frink, Goggle Head, 1969, Bronze, The Ingram Collection of Modern British Art, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Männer sind brutal und kämpferisch, bestimmt und geformt von Gewalt. Sie sind Diktatoren, Könige, Soldaten, Krieger – und prägen damit die gesamte Gesellschaft. So jedenfalls erzählt das die englische Bildhauerin Elisabeth Frink in ihren Werken, von denen das Bremer Gerhard-Marcks-Haus eine Auswahl zeigt. Die Ausstellung ist voraussichtlich ab Anfang Dezember zu sehen.

"Man is an Animal" – Werke von Elisabeth Frink

Das Bremer Gerhard-Marcks-Haus zeigt Werke von Elisabeth Frink, eine Bildhauerin, die sich auf Männerkörper fokussiert hat.

Audio vom 1. November 2020
Elisabeth Frink, Riace III, 1988, Bronze
Elisabeth Frink, Riace III, 1988, Bronze, The Trustees of the Janet Jammet Life Interest Trust, Photo © Jonty Wilde, courtesy Yorkshire Sculpture Park, VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2020 | Jonty Wilde

"Sie thematisiert Gewalt, ganz klar. Eine gewisse Machtbesessenheit und Brutalität im Mann, übertragen auch auf den Menschen", so fasst Veronika Wiegartz, die Kuratorin der Ausstellung, die Arbeiten der Bildhauerin Elisabeth Frink zusammen.

Frink war die Tochter eines Soldaten, sie erlebte den Zweiten Weltkrieg als junges Mädchen mit. In viele ihrer Werke fließt deshalb ihr Blick auf den Menschen als mächtiges, aber genauso zartes Wesen ein. Bis zu ihrem Tod 1993 hat sie sehr viele Plastiken geschaffen. Ihr Hauptaugenmerk galt Tieren, übergroßen Köpfen oder lebensgroßen Männern.

Auf dem europäischen Festland ist die Bildhauerin weitgehend unbekannt. Zu Unrecht, findet Kuratorin Veronika Wiegartz. Denn allein ihre Fokussierung auf Männerkörper sei besonders: "Normalerweise haben wir Bildhauer, die Frauen darstellen. Sie sagt ganz klar: 'Ich bin eine Frau, ich finde den Männerkörper attraktiver'."

Das Ding muss expressiv sein, es muss voluminös sein, es muss Kontrast und Richtung und eine tolle Story haben.

Museumsdirektor Arie Hartog über die Arbeiten von Elisabeth Frink.
Elisabeth Frink, Riace III, 1988, Bronze
Elisabeth Frink, Riace III, 1988, Bronze, The Trustees of the Janet Jammet Life Interest Trust, Photo © Jonty Wilde, courtesy Yorkshire Sculpture Park, VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2020 | Jonty Wilde

Jede Figur wirkt, als bewege sie sich. Da sind zum Beispiel die Riace-Krieger, die den Kern der Ausstellung bilden. Bei ihnen hat sich Frink von zwei griechischen Bronzefiguren inspirieren lassen, die 1972 vor der Küste der italienischen Stadt Riace gefunden wurden. Die Gesichter der vier Männerfiguren sind weiß angemalt, das lässt sie im Kontrast zu den ansonsten schwarzen Körpern bedrohlich wirken. Ihre Bronzeoberfläche ist dazu noch rau und uneben. Einer von ihnen hat den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, die Arme sind angewinkelt, der Beine weit auseinander aufgestellt – ganz, als laufe er gerade. Und weil auch die drei anderen im Ausfallschritt stehen, fühlt man sich als Betrachterin ganz schnell von der Kriegertruppe eingekreist.

"Die Besonderheit des Werkes von Frink ist die Präsenz im Raum. (…) Das Ding muss expressiv sein, es muss voluminös sein, es muss Kontrast und Richtung und eine tolle Story haben.", bestätigt auch Direktor Arie Hartog. Allerdings versuche Frink nie, mit ihren Werken ein exaktes Abbild eines Menschen zu schaffen, sondern sie versuche ein plastisches Ereignis zu schaffen. "Es ist eine Form von expressiver figürlicher Bildhauerei."

Bekannte Männer der Geschichte

Manchmal greift Elisabeth Frink auf bekannte Männer aus der Geschichte zurück: auf Richard III für die Figur "Dying King" oder auf den Apostel Judas für eine gleichnamige Plastik. Beide Skulpturen haben grob ausgeformte Gliedmaßen, ihre Gesichter sind nur angedeutet. Trotzdem bleibt der Blick lange an ihnen hängen.

Gesichter und Köpfe sind zentral in der Ausstellung. Die Werkgruppe "Tribute" aus den siebziger Jahren zeigt zwei übergroße Köpfe, die so ganz anders als die übrigen Figuren der Künstlerin sind: Die Oberfläche ist glatt, die Gesichtszüge fast symmetrisch. Beide Figuren haben halb geschlossene Augen, ihre Münder sind leicht geöffnet. Sanft und verletzlich wirken diese Männer – ganz anders als der Rest.

Schöne Figuren, die zum Nachdenken anregen

Die Ausstellung schlägt einen interessanten Spannungsbogen; sie macht deutlich, wie sich gängige Bilder von Männlichkeit auf unsere Gesellschaft ausgewirkt haben und was das vielleicht auch für bleibende Schäden hinterlassen hat. Aber nicht nur diese Interpretation der Werke mache die Ausstellung interessant, ergänzt die Kuratorin: "Es sind einfach schöne Figuren, im Sinne der künstlerischen Gestaltung und im Sinne des Sujets."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 1. November 2020, 9:40 Uhr