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Der Morgen mit Tom Grote

Im Porträt Wie eine Altenpflegerin einen alten Herrn vor der Einsamkeit rettete

Autorin

Gerda Dänekas und Albrecht Weinberg
Gerda Dänekas holte Albrecht Weinberg zu sich nach Hause, damit er in der Corona-Zeit nicht vereinsamt. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Lieblingsmenschen, das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten oder einfach ihr Umfeld verzaubern. Solche Lieblingsmenschen stellen wir Ihnen regelmäßig vor – wie Gerda Dänekas aus Leer. Die Altenpflegerin im Ruhestand hat einen ihrer früheren Schützlinge aus dem Pflegeheim zu sich nach Hause geholt, damit er in der Pandemie nicht vereinsamt.

Die berührende Geschichte von Frau Dänekas und Herrn Weinberg

Gerda Dänekas, eine Altenpflegerin im Ruhestand, hat einen ihrer früheren Schützlinge aus dem Pflegeheim zu sich geholt, damit er in der Pandemie nicht vereinsamt.

Gerda Dänekas
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Gerda Dänekas und Albrecht Weinberg kennen sich seit 2012. Damals kehrte Albrecht Weinberg mit seiner Schwester Friedel in die Heimat Ostfriesland zurück. Weinberg hatte die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt und lange in den USA gewohnt. Mit seiner Schwester zog er in ein Pflegeheim in Leer, in dem Gerda Dänekas als Altenpflegerin arbeitete. "Ich kam da abgemagert an und Friedel war krank. Und Gerda hatte noch nie einen Juden gesehen. Sie hat sie mich gebeten, ihr etwas über uns zu erzählen", erinnert sich Albrecht Weinberg an die erste Begegnung im Pflegeheim.

Mit der Geschichte des Holocaust hatte Gerda Dänekas sich schon als junges Mädchen am Ende ihrer Volksschulzeit beschäftigt. Ein Lehrer, damals frisch von der Uni, hatte mit den Schülern darüber gesprochen. "Dass ich nun Menschen kennenlerne, die das überlebt haben, das hätte ich nie zu träumen gewagt", erzählt Dänekas. Schon bald kümmerte sie sich nicht nur im Heim um die beiden alten Leute, sondern lud sie und andere Heimbewohner auch zu sich nach Hause ein – auf ihren großen Bauernhof mit wunderschönem Garten. "Da haben sie sich immer sehr gefreut, wenn ich sie auf ein Tee mit nach Hause genommen hab", erinenrt sich Gerda Dänekas.

Unterstützung in schweren Zeiten

Als Friedel ins Krankenhaus musste, nahm sich Gerda Dänekas eine Woche Urlaub, um den Geschwistern beizustehen. Ihren eigenen Rentenbeginn verschob sie um ein halbes Jahr, um sie im Pflegeheim länger betreuen zu können. Und als Friedel im Sterben lag, saß Gerda mit Albrecht Weinberg bis ein Uhr nachts am Sterbebett – und ließ ihn in dieser schweren Zeit nicht allein.

Sie waren ja nie getrennt und da sitzt er dann ganz alleine am Bett. (…). Dann hab ich meinen Mann angerufen: 'Brauchst nicht auf mich warten, ich bleib bei Albrecht'.

Gerda Dänekas stand Albrecht Weinberg am Sterbebett seiner Schwester bei

Nach Friedels Tod holte Gerda Dänekas Albrecht Weinberg jeden Sonntag zum Mittagessen nach Hause. Schnell gehörte der heute 96-Jährige zur Familie: "Mein Mann ist leider vor vier Jahren verstorben, aber die beiden waren auch ganz dicke Freunde. Meine Kinder, meine Enkel – Albrecht gehört einfach dazu. Das ist ganz selbstverständlich. Mittlerweile ja sowieso, wo er hier wohnt", sagt Gerda Dänekas.

Gerda Dänekas
„Seit ich Herrn Weinberg kenne, hat sich mein Leben total verändert. Man kriegt einen ganzen Blick auf die Welt!“, sagt die ehemalige Altenpflegerin. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Mit fast 100 Jahren: Umzug aus dem Pflegeheim

Corona ist der Grund dafür, dass Albrecht Weinberg heute nicht mehr im Heim, sondern mit Gerda Dänekas in einer Zweier-WG lebt. Vor der Pandemie hat sie ihn jeden Tag im Pflegeheim besucht. "Und dann kommt Corona und wir durften nicht mehr rein Anfangs haben wir gedacht: 'Das geht wieder vorbei'. Und dann habe ich gesagt: 'So geht das nicht weiter'." Die kleine Wohnung im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses, in das Gerda Dänekas nach dem Tod ihres Mannes gezogen war, konnte sie gegen eine größere im ersten Stock tauschen. Im Juni zog Albrecht Weinberg bei ihr ein.

"Anfangs wollte er gar nicht, er meinte, er würde mir nur zur Last fallen. Aber ich hab gesagt: 'Ich bin Altenpflegerin'. Er hat ein Pflegebett und alles, und wenn es gar nicht mehr geht, dann muss man sich Hilfe holen. Aber im Moment geht es ganz wunderbar. Immer besser", freut sie sich über das gemeinsame Leben. Kürzlich zum Beispiel, als Gerda Dänekas am Morgen frische Brötchen holte, hat sich Albrecht Weinberg – der schlecht zu Fuß ist und noch schlechter sehen kann – alleine geduscht und angezogen.

Zeitzeugen des Holocaust – damit sich die Geschichte nicht wiederholt

Die beiden werden oft eingeladen: zu Zeitzeugen-Gesprächen, Lichterketten gegen Antisemitismus, Terminen mit Politikern. Mit Schülern des Gymnasiums in Albrecht Weinbergs Geburtsort Rhauderfehn, das nach ihm benannt ist, waren sie in Auschwitz und Bergen-Belsen. Wenn die Corona-Lage es zulässt, dann fahren sie im Oktober mit dem Albrecht-Weinberg-Gymnasium nach Israel. "Seit ich Herrn Weinberg kenne, hat sich mein Leben total verändert. Man kriegt einen ganz anderen Blick auf die Welt!", sagt die ehemalige Altenpflegerin.

Und dass Albrecht Weinberg sich – im hohen Alter – seinen wachen Blick auf die Welt bewahren konnte, das hat er sicher nicht zuletzt Gerda Dänekas zu verdanken. Die täglichen Gespräche und Diskussionen über Politik und das alltägliche Leben halten ihn auch geistig fit.

Da gibt es keine Worte dafür, was du mit mir angestellt hast. Ganz, ganz erstklassig.

Albecht Weinberg über seinen Lieblingsmenschen Gerda Dänekas

In der Gesprächszeit erzählt Albrecht Weinberg aus seinem bewegten Leben gesprochen:

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagnachmittag, 28. August 2021, 16:10 Uhr.