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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Wie eine radelnde Ärztin Obdachlose in Bremen unterstützt

Autor/Autorin

  • Laura Leser
Gabriele Steinbach versorgt Obdachlose in Bremen
Immer mittwochs kümmert sich die pensionierte Ärztin um die medizinische Versorgung von Menschen ohne festen Wohnsitz. Bild: Radio Bremen

In der Reihe "Lieblingsmenschen" stellen wir ganz besondere Menschen vor: Alltagshelden, die Besonderes leisten. In Bremen leben rund 600 Obdachlose. Sie schlafen zum Teil auf der Straße oder in Notunterkünften. Eine ärztliche Versorgung ist schwierig. Das weiß auch Gabriele Steinbach – sie ist Ärztin im Ruhestand und engagiert sich seit über zehn Jahren ehrenamtlich für Menschen, die auf der Straße leben. Bremen-Zwei-Reporterin Laura Leser hat sie einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet.

Gabriele Steinbach versorgt Obdachlose in Bremen

Gabriele Steinbach kümmert sich um Menschen auf der Straße

Die 73-jährige pensionierte Chirurgin Gabriele Steinbach kümmert sich schon seit über zehn Jahren ehrenamtlich um Bedürftige in der Bremer Innenstadt.

Bild: Radio Bremen

Jeden Mittwoch und bei jedem Wetter fährt Gabriele Steinbach mit dem Rad durch die Bremer Innenstadt, um Obdachlose ärztlich zu versorgen. Viele von ihnen haben Wunden oder Schmerzen oder einfach nur Fragen rund um das Thema Gesundheit. Man erkennt die ehemalige Chirurgin schon von Weitem: Sie trägt eine knallgelbe Regenjacke, ihre grauen Haare hat sie hochgesteckt, und auf dem Gepäckträger befindet sich ihr Rucksack mit Verbänden, Pflastern und Cremes, einem Stethoskop und einem Blutdruck-Messgerät.

Ich wusste, dass es in Hamburg und Berlin so etwas gibt, dass man hinfährt und die Obdachlosen aufsucht.

Gabriele Steinbach

Gabriele Steinbach ist als mobile Ärztin unterwegs – ihre Motivation ist es, schlimmere Krankheits-Verläufe zu verhindern. Die 73-Jährige war vor ihrem Ruhestand leitende Oberärztin in einem Krankenhaus in Bremen. Für sie war klar, dass sie weiterhin als Ärztin arbeiten und helfen möchte. "Ich wusste, dass es in Hamburg und Berlin so etwas gibt, dass man hinfährt und die Obdachlosen an unterschiedlichen Stellen aufsucht."

Akzeptanz und Vertrauen sind wichtig 

Über die Innere Mission in Bremen bekam sie Kontakt zu Jonas Pot d’Or. Der Sozialarbeiter arbeitet seit vielen Jahren für die Innere Mission und ist bei den Wohnungs- und Obdachlosen bekannt. "Und dann bin ich die erste Zeit – ein Jahr lang bestimmt – jeden Mittwoch mit ihm rumgefahren. Was notwendig war, denn wenn ich da plötzlich aufgetaucht wäre, wäre die Akzeptanz wohl eher gegen Null gegangen", erzählt Gabriele Steinbach. Im Laufe des Jahres wuchs das Vertrauen zwischen ihr und den Wohnungs- und Obdachlosen. Dank ihres Kollegen Jonas war der erste Kontakt leichter, denn er hatte seinen schweren Rucksack mit Kaffeekannen dabei und konnte die Menschen einfacher ansprechen: "'Brauchst 'nen Kaffee? Willst 'nen Kaffee? – Ich hab' heute 'ne Ärztin dabei.' Und so haben die mich kennengelernt."

Das ist ein Mensch, dem ich blind vertraue.

Kalle über Gabriele Steinbach
Gabriele Steinbach versorgt Obdachlose in Bremen
Gabriele Steinbach hilft Obdachlosen als Ärztin, aber auch als Seelentrösterin. Bild: Radio Bremen

Seit mehr als acht Jahren ist Gabriele Steinbach nun alleine unterwegs, sie versorgt Wunden und gibt ärztlichen Rat, aber sie verschreibt keine Medikamente. Dabei ist sie sehr einfühlsam, humorvoll und immer professionell. Einer der Menschen, die sich freuen, Gabriele Steinbach zu sehen, ist Kalle. Er sitzt unter den Rathausarkaden und wird schon lange von Gabriele Steinbach betreut. Erst kürzlich half sie ihm, weil er sich am Kopf verletzt hatte, erzählt er. "Ich bin auf meinen Schlafplatz gegangen und da hatten die ein Loch gegraben. Das kann man im Dunkeln nicht sehen. Rein, auf die Birne geknallt. Am nächsten Tag war Frau Doktor dann hier. Das ist ein Mensch, dem ich blind vertraue."

Gabriele Steinbach versorgt nicht nur Kranke oder Verletzte, sondern ist auch eine gute Zuhörerin: "Einer hatte eine Frage, ob er sich impfen lassen sollte. (...) Aber das ist ja tatsächlich häufig so, dass sie Fragen haben und dass sie, wenn man kommt, froh sind, die Fragen stellen zu können. Und dass man sich Zeit nimmt, auch auf die Fragen einzugehen. Und dass man die Fragenden ernst nimmt und zuhört."

Heiße Suppe und medizinische Hilfe am Elefanten

Zum Schluss ihrer dreistündigen Tour hält die Ärztin beim großen Elefanten, dem Anti-Kolonial-Denkmal, hinter dem Bahnhof. Hier verteilen die "Bremer Suppenengel" gerade heiße Suppen. Eine der Helferinnen ist Krankenschwester Britta. Auch sie hat immer Dinge für kleine medizinische Notfälle dabei, zum Beispiel Verbandsmaterial, Pflaster und Schmerztabletten. Britta kennt Gabriele Steinbach gut, sie schätzt deren liebevollen Umgang mit den Patienten: "Sie gibt sich wirklich ganz große Mühe, hat überhaupt keine Berührungsängste und sie ist immer da, wenn ich irgendwelche Fragen habe."

Mehr Lieblingsmenschen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. Dezember 2021, 13:20 Uhr.