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Klassikwelt mit Wilfried Schäper

Was wir lesen Was das Meer erzählt – 5 maritime Lesetipps

Autorin

Ein Stapel Bücher, im Hintergrund Wasser
Ja, wir geben es zu: Aus der Weser wird kein Meer. Aber träumen dürfen wir ja... Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Für alle, die das Meer gerade nicht vor der Tür haben, hat Katrin Krämer fünf Lese-Empfehlungen. Diese Neuerscheinungen nehmen uns mit ans Meer – oder sogar mitten hinein. Das Meer als Sehnsuchtsort, Ort der Zerstörung, Ort der Geheimnisse, als Lebensraum und Erinnerung.

1 Alistair Bonnett, "Das Zeitalter der Inseln": touristische Sehnsuchtsorte anders betrachtet

Das Cover des Buchs "Das Zeitalter der Inseln"
Alistair Bonnett: "Das Zeitalter der Inseln: Von untergehenden Paradiesen und künstlichen Archipelen", Übersetzung: Andreas Wirthensohn, C.H. Beck Verlag. 246 Seiten, 23 Euro. Bild: Verlag C.H. Beck | Grafik Sabina Weinrich

Ob von Menschen erbaut und besiedelt oder von unterseeischen Vulkanen geboren und unbewohnbar: Inseln faszinieren den britischen Sozialgeographen Alistair Bonnett schon lange. Nun hat er erforscht, wie sich das Verhältnis von Mensch und Insel in Zeiten des Klimawandels verändert. Dafür hat er viele (vermeintliche) Inselparadiese bereist wie das Luxusressort "Ocean Reef" in Panama. Dort kehren die Superreichen Kriminalität und Vermüllung den Rücken und genießen ein abgesichertes Leben mit Rundum-Meerblick. Aber Bonnett hat auch erlebt, wie die Bewohner eines Pazifikarchipels das Versinken ihrer Heimat erleben.

Warum sich das Lesen lohnt

Ein Öko-Thriller, leider ohne fiktional zu sein. Bonnett gibt reale Einblicke in künstliche Welten, die man für Science-Fiction-Kulissen halten könnte – und er liefert Erkenntnisse über eine schwierige Liebesbeziehung zwischen Mensch und Meer. Ein Reiseführer für entlegene und unzugängliche Orte.

In Kürze

Inselblick | Klimawandel | Utopien

2 Till Hein, "Crazy Horse": alles Wissenswerte über Seepferdchen

Das Cover des Buchs "Crazy Horse"
"Crazy Horse: launische Faulpelze, gefräßige Tänzer und schwangere Männchen. Die schillernde Welt der Seepferdchen" von Till Hein, Mare Verlag, 240 Seiten, 22 Euro. Bild: Mare Verlag | Grafik Sabina Weinrich

Mit ihren anmutigen schwebenden Bewegungen und ihrem ungewöhnlichen Aussehen wirken Seepferdchen auf uns wie Fabelwesen. Und so fühlte sich auch eine britische Meeresbiologin bei ihrer ersten Begegnung mit einem Seepferdchen, als hätte sie ein Einhorn erblickt. Ein US-amerikanischer Meeresbiologe sagt über die Rösser der Meere: "Als Gott sie erschuf, war er wahrscheinlich besoffen." Nüchterner hat Tierforscher Alfred Brehm die Tierchen beschrieben: "Ich halte sie für langweilige und geistlose Geschöpfe." "Crazy Horse" liefert reichlich wissenschaftliche Erkenntnisse. Es geht um Paarungsrituale, Lebensgewohnheiten und biologische Besonderheiten einer bedrohten Art. Aber auch um Mythen und Vermutungen. Und Till Hein gibt Antworten auf die Frage, warum Seepferdchen Heil- und Zauberkräfte zugeschrieben werden und sie deswegen millionenfach gefangen und pulverisiert werden.

Warum sich das Lesen lohnt

Till Hein offenbart unterhaltsam und kenntnisreich viel Erstaunliches. Außerdem wird man nach der Lektüre garantiert nie wieder ein getrocknetes Seepferdchen als Souvenir kaufen.

In Kürze

Meeresmythen | Ozeanforschung | Seepferdchen-Wissen

3 Regula Venske, "Mein Langeoog": eine Insel als Lebensbegleiterin

Das Cover des Buchs "Mein Langeoog"
"Mein Langeoog" von Regula Venske ist erschienen im Mare Verlag, 192 Seiten, 18 Euro. Bild: Mare Verlag | Grafik Sabina Weinrich

Strandkorb und Strandburg, Dünensingen und mittags Milchreis. Mit ihren Erinnerungen an unbeschwerte Familienurlaube auf der Nordseeinsel Langeoog in den 1950er- und 60er-Jahren, nimmt uns die Schriftstellerin Regula Venske mit in ihre Kindheit. Sie schwelgt im Nordsee-Inselfeeling und geizt nicht mit Liebeserklärungen an Langeoog. Sie fühlt sich Langeoog so verbunden, dass sie noch immer gerne dorthin fährt. Auch ihr erster Text, den sie mit acht Jahren schrieb, beginnt mit dem Wort "Langeoog" – und inzwischen dienen ihr Insulanerpersönlichkeiten auch mal als Romanfigur. Venske erzählt aber auch von weniger glorreichen Zeiten. Denn Langeoog – die romantische "Roseninsel" – wurde im Nationalsozialismus zur "Führerinsel", auf der sich russische Zwangsarbeiter zu Tode schuften mussten. An sie erinnert heute ein Denkmal. Ein anderes an die Inselberühmtheit Lale Andersen, deren Lebensgeschichte wir auch erfahren.

Warum sich das Lesen lohnt

Wer gerade von einem Urlaub auf einer Nordseeinsel träumt, hat beim Lesen das Gefühl, den frischen Seewind während der Fährüberfahrt zu spüren, die Meeresbrandung zu hören und das Watt zu riechen. Wer sich fragt, inwiefern wir auch von Urlaubsorten fürs Leben geprägt werden, erfährt es ebenfalls hier. Langeooger Impressionen aus der Sicht der Schriftstellerin Regula Venske, autobiographische Erinnerungsarbeit inklusive. Eine poetische und sehr persönliche Inselführung.

In Kürze

Familienurlaub | Führerinsel | Erinnerungsarbeit

4 Bill François, "Die Eloquenz der Sardine": wenn Meeres-Delikatessen plaudern

Das Cover des Buchs "Die Eloquenz der Sardine"
Bill François: "Die Eloquenz der Sardine", Übersetzung: Frank Sievers, C.H.Beck Verlag, 234 Seiten, 22 Euro. Bild: Verlag C.H. Beck | Grafik Sabina Weinrich

Bill François ist meeresforschender Physiker und Schriftsteller. Nicht die schlechteste Kombination, wenn man seinen Leserinnen und Lesern wissenschaftliche Erkenntnisse in erzählerischer Form übermitteln will. François offenbart uns das Meer als noch immer weitgehend unerforschte Schatzkiste der Natur. Wenn er etwa von Korallenriff-Bewohnern erzählt, die sich vor "Putzstationen" drängeln, damit die Lippfische sie dort von Parasiten befreien, bekommt man einen Eindruck davon, wie das Ökosystem auch als sozialer Raum funktioniert. Raubfische würden nämlich die Lippfisch-Kundschaft niemals angreifen, während sie auf ihre Behandlung im "Frisiersalon des Meeres" wartet. François hat eine sehr spezielle Beziehung zum Meer entwickelt. Angeblich durch die Begegnung mit einer Sardine, die plötzlich zu ihm gesprochen habe. Wer‘s glaubt… Aber irgendein Geheimnis muss sie ihm wohl anvertraut haben, denn der Autor hat die überzeugende Fähigkeit, sich nach und nach in Meeresbewohner zu verwandeln, um uns dann die Unterwasserwelt aus ihrer Perspektive nahe zu bringen.

Warum sich das Lesen lohnt

Bill François schildert auf leichte Weise und in manchmal fast märchenhaftem Ton, wie sich Fische im Wasser bewegen, wie sie leben – und was sie möglicherweise fühlen. "Die Eloquenz der Sardine" flüstert uns so manche Botschaft zu, die nachdenklich macht und uns das Meer anders betrachten lässt.

In Kürze

Tiefenerkenntnisse | Geheimnisse des Meeres | sprechende Fische

5 Mathijs Deen, "Der Schiffskoch": Seemänner aus dem Takt

Das Cover des Buchs "Der Schiffskoch"
Mathijs Deen : "Der Schiffskoch", Übersetzung: Andreas Ecke, Mare Verlag, 112 Seiten, 18 Euro. Bild: Mare Verlag | Grafik Sabina Weinrich

Feuerschiffe dienten früher – wie Leuchttürme – der Schifffahrt als Wegweiser. Die Matrosen, die hier arbeiteten, waren oft gestrandete Existenzen, so auch Schiffskoch Lammers. Er ist durch traumatische Erlebnisse in seiner Kindheit verhärtet, denn in den Gefangenenlagern von "Niederländisch-Indien" – heute Indonesien – hat er mit seiner Mutter Hunger leiden müssen und die Gewalt der japanischen Besatzer erlebt. Eines Tages bringt Lammers einen kleinen Ziegenbock mit aufs Schiff. Er will das Tier eigentlich bald nach einem speziellen indonesischen Rezept zubereiten. Aber das Böckchen weckt plötzlich Beschützerinstinkte und wird nach und nach zum Freund und Vertrauten der Crew. Und dann offenbaren Lammers Fieberträume, warum er überhaupt unbedingt "gulai kambing" kochen wollte...

Warum sich das Lesen lohnt

Mathijs Deen entwirft in seiner kurios fabulierten Erzählung keine raue, archaische Männerwelt, sondern erzählt eine fein versponnene Geschichte, in der sehr anrührende Charaktere Platz haben. Oder wo sonst gibt es Matrosen, die ihre Messdaten und Wetterbetrachtungen niederschreiben wie Gedichte?

In Kürze

Feuerschiffe | Seelentröster | Geschichte Indonesiens
 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 31. März 2021, 9:35 Uhr