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Im Porträt Wie es ist, Walter Ulbrichts Urenkel zu sein

Autorin

Florian Heyden
Florian Heyden wusste als Kind nicht, dass er einen berühmten Urgroßvater hat. Bild: Florian Heyden

Florian Heyden wusste lange nichts von einem gut gehüteten Familiengeheimnis. Denn seine Eltern meinten: "Was der Junge nicht weiß, kann er nicht ausplappern." Erst als Abiturient erfuhr er, dass er der Urenkel des DDR-Spitzenpolitikers Walter Ulbrichts ist. Seine Großmutter war Ulbrichts Tochter aus erster Ehe.

Gesprächszeit "Walter Ulbricht ist für die meisten nur der Mauerbauer" - Florian Heyden

Ganz lange wusste Florian Heyden nichts von einem gut gehüteten Familiengeheimnis: Dass er der Ur-Enkel des DDR-Spitzenpolitikers Walter Ulbrichts ist.

Florian Heyden
Florian Heyden Bild: Florian Heyden
Bild: Florian Heyden

"Wir sind anders." Dessen war Florian Heyden sich schon als Kind und Jugendlicher bewusst. Eine Familienweisheit, die sich von von Generation zu Generation weitervererbt hat. Zum Abitur aber führte er ein Theaterstück auf – eine Revue des 20. Jahrhunderts – und Heyden spielte zufälligerweise Walter Ulbricht, ohne über seine Verwandschaft zu ihm zu wissen. Nach der Aufführung klärte ihn sein Vater darüber auf, dass Großmutter Dora, die nach dem Krieg nach Lübeck gezogen war, die Tochter Ulbrichts ist. "Das ist schon interessant gewesen", erinnert sich Heyden an diesen Moment: "Meine Familie ist Geschichte!"

Walter Ulbricht ist für die meisten Leute nur der Mauerbauer.

Ur-Enkel Florian Heyden über das öffentliche Bild von Walter Ulbricht

Trotzdem war die Verwandtschaft zu Walter Ulbricht lange kein wichtiges Thema für Florian Heyden. Erst nach und nach beschäftigte er sich mit dem berühmten Urgroßvater und las Bücher und Briefe an seine Großmutter. Dabei stellte er fest, dass es eine Diskrepanz gab zwischen dem öffentlichen Ulbricht und dem privaten Menschen: "Walter Ulbricht ist für die meisten Leute nur der Mauerbauer, die Fistel-Stimme, der Rote-Zonen-Diktator – eine Karikatur. Was man heute von ihm weiß, kommt zum Großteil von West-Autoren und die haben diese Karikatur auch mitgeschrieben. Beziehungsweise, auch die DDR-Regierung hat an dieser Karikatur mitgeschrieben. Der Mensch Walter Ulbricht – warum er gemacht hat, was er gemacht hat – da gibt’s nichts."

Warum ist man der, der man ist?

Dora Heyden mit ihrem Mann
Dora Heyden (hier links im Bild) war Walter Ulbrichts Tochter aus erster Ehe. Sie ist die Großmutter von Florian Heyden. Bild: Florian Heyden

Florian Heyden wollte seine eigene Familie und ihr emotionales Erbe verstehen und begann zu recherchieren. Dass sich seine Familie zur Verwandtschaft mit Ulbricht sehr bedeckt hielt, dafür hat er heute großes Verständnis. Schließlich wurde sie und auch Ulbrichts andere Verwandte in New York oder Paris in den 50er und 60er Jahren von der Presse aufgesucht und von Geheimdiensten beobachtet. "Ich verstehe besser, warum die Familie manchmal so ist, wie sie ist", sagt er heute.

Heyden erfuhr, dass Walter Ulbricht in seiner Familie stark kommunistisch geprägt wurde. Er ist in das Milieu hineingewachsen, sagt Heyden: "Er ist ein Mensch gewesen mit Ecken und Kanten, so wie du und ich. Was teilweise weh getan hat: Er hat meine Großmutter sitzen gelassen mit ihrer Mutter. Das gleiche hat er noch einmal mit seiner zweiten Frau und seiner zweiten Tochter gemacht."

Ein Mensch und sein öffentliches Bild

In seinem Buch "Mein Urgroßvater Walter Ulbricht", für das Florian Heyden unter anderem in Geheimdienst-Archiven recherchierte, geht es vor allem um die Zeit bis 1945. Ulbricht war in Stalingrad gewesen, er habe gewusst, was Krieg bedeutet. Sein Urgroßvater sei davon überzeugt gewesen, dass sein politisches Handeln richtig für die Menschen sei, so Heyden.

Ich will ihm keinen guten oder schlechten Platz in der Geschichte geben. Ich will ihm einfach nur den gerechten Platz geben.

Florian Heyden über sein Buch über seinen Urgroßvater Walter Ulbricht
Walter Ulbricht am Schreibtisch, 1964.
Walter Ulbricht war ein Mensch mit Ecken und Kanten, sagt sein Urenkel Florian Heyden Bild: DPA | Ria Novosti

Heyden will mit seinem Buch das öffentliche Bild Ulbrichts gerade rücken und auch ihn als einen Menschen zeigen, der fest an die Idee geglaubt hat, einen Staat zu schaffen, in dem es gut und gerecht zugeht: "Ich will ihm keinen guten oder schlechten Platz in der Geschichte geben. Ich will ihm einfach nur den gerechten Platz geben."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 9. November 2020, 18:05 Uhr