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Die Nacht

Im Porträt Florence Brokowski-Shekete: Eine Kindheit zwischen Lagos und Buxtehude

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Florence Brokowski-Shekete
Wuchs in Buxtehude bei einer Pflegemutter auf: Florence Brokowski-Shekete Bild: FBS intercultural communication | Matthias Purkart

Sie wuchs als kleines Kind Anfang der 1970er-Jahre in Buxtehude bei einer deutschen Pflegemutter auf – und war verzweifelt, als ihre leiblichen Eltern sie im Alter von neun Jahren mit nach Nigeria nahmen. Nur dank des engagierten Einsatzes einer Lehrerin konnte Florence Brokowski-Shekete nach drei Jahren in ihre deutsche Heimat zurückkehren – zu ihrer "Mama" – und hier ihren Weg gehen.

Gesprächszeit "Mein schönster Traum war, zurück nach Deutschland zu gehen" – Florence Brokowski-Shekete

Florence Brokowski-Shekete wuchs bei einer deutschen Pflegemutter auf. Ihre Eltern nahmen sie 9-jährig mit nach Nigeria – bis sie zurückkehren durfte.

Florence Brokowski-Shekete
Florence Brokowski-Shekete Bild: FBS intercultural communication | Matthias Purkart
Bild: FBS intercultural communication | Matthias Purkart

Florence Brokowski-Shekete kam 1967 in Hamburg zur Welt. Ihre Eltern – nigerianische Studierende – suchten damals für ihre kleine Tochter eine Pflegestelle. Nach einiger Zeit wurden sie über den Kontakt der Kirche fündig: Eine alleinstehende Frau in Buxtehude erklärte sich bereit, die kleine "Flori" in ihrer 30-Quadratmeter-Wohnung aufzunehmen. "Sie war sofort jemand, der die 'Mama' war. Man hatte nicht das Gefühl, dass sie das macht, weil es ein Job ist, sondern weil sie auf dieses Kind gewartet hat", erinnert sich die 54-Jährige.

Die leiblichen Eltern kamen stets unangekündigt

Vereinbart war, dass ihre Eltern die kleine Florence sonntags bringen und freitags wieder abholen sollten. Doch Florence Brokowski-Sheketes Eltern kamen nicht am ersten, nicht am zweiten und auch nicht am dritten Freitag wieder – und so sollte es für viele Jahre weitergehen.

Während "Flori" in Buxtehude einen streng geregelten Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und Schlafenszeiten in einer sehr ordentlichen Wohnung erlebte, tauchten ihre leiblichen Eltern oft spontan auf und nahmen die kleine Florence mit, wann es ihnen gerade passte: "Das war eine komplett andere Lebenswelt und ich habe natürlich meine Mama vermisst."

Ich fühlte mich so alleine dort, wie man sich gar nicht fühlen kann.

Florence Brokowski-Shekete über ihre Zeit in Lagos

Florence Brokowski-Shekete wuchs in bescheidenen Verhältnissen bei ihrer "Mama" in der norddeutschen Kleinstadt nahe Hamburg auf. 1976 aber entschieden sich ihre leiblichen Eltern, zurück nach Lagos, Nigeria, zu gehen – und die inzwischen neunjährige Florence sollte mitkommen. Sie sprach damals nur ein bisschen Englisch und die Landessprache überhaupt nicht.

"Das überlebe ich hier nicht", war das erste, was Florence noch in der Hitze am Flughafen von Lagos ausstieß, bevor sie ihre fremde Familie kennenlernte: "Ich fühlte mich so alleine dort, wie man sich gar nicht fühlen kann". Florence Brokowski-Shekete zog sich in ihre eigene Gefühlswelt zurück. Nur in der Deutschen Schule, die sie trotz hoher Schulgebühren besuchen durfte, fühlte sie sich etwas wohler: "Das war für mich mein kleines Deutschland – jeden Tag Transit und zurück", erinnert sie sich.

Rückkehr zur "Mama" in Deutschland

Eine Lehrerin an der Deutschen Schule erkannte schließlich das Heimweh und die Verzweiflung, an der das Kind litt. Sie nahm Kontakt zu Brokowski-Sheketes Eltern auf und schaffte es, sie zu überzeugen, Florence nach drei Jahren in Nigeria zurück nach Deutschland zu schicken. Bis zum Abflug zitterte Brokowski-Shekete, ob das auch wirklich klappen würde.

Ihre ungewöhnliche Geschichte hat die heute 54-Jährige inzwischen auch zu Papier gebracht: In ihrem Buch "Mist, die versteht mich ja!" erzählt sie, wie sie ihren Berufswunsch "Flugbegleiterin" für eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland aufgab, Lehramt studierte und es bis zur Schulamtsdirektorin brachte.

Im Gespräch bleiben, Brücken bauen – das ist mein Anliegen

Florence Brokowski-Shekete über ihre Arbeit

Auslöser für diese Karriere war ein Pflichtpraktikum in einem Buxtehuder Freizeitheim, mit dem sie anfangs noch stark gefremdelt hatte: "Die Jugendlichen waren sehr anders als ich. Ich war brav erzogen, kannte kein Schimpfwort, das kam mir nie über die Lippen". Am Ende ließ sie sich aber doch auf die Jugendlichen ein – und blieb der Einrichtung mehr als drei Jahre lang treu.

"Aufgeben gab es nicht" – dieser Satz zieht sich durch die Biografie von Florence Brokowski-Shekete. Weder als Kind in Nigeria, noch bei rassistischen Anfeindungen als schwarze Schulleiterin hat Florence Brokowski-Shekete den Kopf eingezogen: "Im Gespräch bleiben, Brücken bauen – das ist mein Anliegen", sagt sie von sich selbst. Heute ist sie selbständig tätig als Coach für interkulturelle Kommunikation und gleichzeitig Schulamtsdirektorin in Mannheim.  

 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 24. Juni 2021, 18:05 Uhr