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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Im Porträt Wie sein soziales Jahr einen jungen Bremer Freiwilligen bereichert hat

Autoren

  • Ben Bukes
Finn Riethmöller
Finn Riethmöller engagiert sich ein Jahr lang für Menschen mit Behinderungen. Bild: Radio Bremen | Ben Bukes

Sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei "Lebenshilfe Tours Bremen" hatte sich Finn Riethmöller ganz anders vorgestellt. Nur drei Reisen für Menschen mit Behinderung konnte er begleiten, dann ging's für ihn Vollzeit an den Schreibtisch, denn die Lebenshilfe hat wegen Corona ganz auf virtuelle "Traumreisen" umgestellt. Finn ist trotzdem mit seinem Freiwilligendienst zufrieden.

"Man bekommt viel Positives zurück" – Finn Riethmöller

Finn Riethmöller ist FSJler bei "Lebenshilfe Tours". Wegen Corona gibt's dort zurzeit nur virtuelle "Traumreisen" für Menschen mit Behinderung. Finn ist trotzdem zufrieden.

Finn Riethmöller
Finn Riethmöller Bild: Radio Bremen | Ben Bukes

Wohin Finn Riethmöller in seinen Träumen reist, ist schon mal klar: "Ich wäre jetzt gerne in Kalifornien", sagt der 21-Jährige. Dort war er 2019 mit einem Freund, als das Abiturzeugnis in der Tasche und Reisen noch möglich war. Anderthalb Monate lang ging es für die beiden in verschiedene Metropolen der USA, sowohl an der West- als auch der Ostküste. In besonderer Erinnerung ist Finn die Ankunft in Los Angeles geblieben. Aus dem Taxi heraus bestaunten sein Freund und er die vorbeiziehende Stadt: "Wir haben die ganze Zeit gesagt: 'Wow, was ist das denn hier, das sieht alles aus wie im Film!'"

Per Zufall zum Freiwilligen Sozialen Jahr

Nach dem Schulabschluss wollte Finn es erst einmal ruhig angehen lassen. "Ich hatte überhaupt keine Lust, etwas zu machen", erzählt er. So verbrachte er ein Jahr mit Jobben und Urlaub; neben der Tour durch die Vereinigten Staaten erkundete Finn auch Portugal. Beide Reisen trugen dazu bei, dass er im folgenden Sommer dann eine Idee hatte, wohin es beruflich gehen sollte: Eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann schwebte ihm vor. Corona und geschlossene Reisebüros machten diesen Plan jedoch schnell zunichte.

Dann entdeckte Finn in der Zeitung eine Anzeige des Sozialen Friedensdienstes, einem Vermittler und Träger für FSJ-Stellen. Kurzerhand meldete er sich dort für ein Freiwilliges Soziales Jahr an – und ein Mitarbeiter schlug ihm vor, für "Lebenshilfe Tours Bremen" zu arbeiten. Die Einrichtung veranstaltet Reisen für Menschen mit Behinderung. Eine perfekte Stelle für Finn Riethmöller, sagt er: "Das war passend, der Mitarbeiter hat genau das Richtige gefunden."

Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung hat Finn schon als Kind gesammelt, denn seine Eltern arbeiten in entsprechenden Wohneinrichtungen: "Beide haben mich häufiger mit zur Arbeit genommen – und so habe ich schon in jungen Jahren viel Kontakt mit Beeinträchtigten gehabt", erzählt Finn. Das sei immer spaßig gewesen. Trotzdem konnte sich Finn lange nicht vorstellen, einmal selbst im sozialen Bereich zu arbeiten.

Am Anfang hatte ich davor relativ viel Angst, aber ich war vor der ersten Reise auf einem Seminar, da haben wir schon ein paar Tipps bekommen.

Finn Riethmöller über Berührungsängste bei der Pflege von Menschen mit Behinderungen

In seinem FSJ profitierte Finn aber prompt von seinen Erfahrungen. Er habe gemerkt, dass der Umgang mit Menschen mit Behinderung für ihn schon "relativ normal" sei. Drei Reisen konnte er zu Beginn des Freiwilligendienstes begleiten: nach Sankt Peter-Ording, an die Ostsee in Schleswig-Holstein und ins Sauerland. Zu seinen Aufgaben gehörte es, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu betreuen – und auch zu pflegen. "Am Anfang hatte ich davor relativ viel Angst, aber ich war vor der ersten Reise auf einem Seminar, da haben wir schon ein paar Tipps bekommen," erinnert sich Finn.

Wegen Corona wird der Reisejob zum Bürojob

Es blieb bei den drei Fahrten, denn im Herbst kam die zweite Corona-Welle und durchkreuzte alle weiteren Reisepläne. Aus Finns Unterwegs-Job wurde ein Vollzeit-Bürojob. "Das war auf jeden Fall frustrierend, ich wäre natürlich gerne auf mehr Reisen mitgekommen", sagt er.

für Sich ganz zurückzuziehen war das Team der Lebenshilfe-Tours keine Option, und so beschlossen sie Anfang 2021, eine Corona-konforme Reise anzubieten, bei der sich die Teilnehmer in den Urlaub träumen können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschickten dazu jede Woche Briefe mit Anregungen und Aufgaben. Finns Idee war das sogenannte "Spaßmobil": Jeder sollte sich ein Gefährt überlegen, mit dem es zum Urlaubsort geht. Die Bilder zu sehen, die die Teilnehmer daraufhin zurückschickten, freute ihn: "Es war cool und sehr bestätigend, dass das so angenommen wurde und bei den Leuten Kreativität gefördert hat."

Es ist nicht nur so, dass man viel gibt, sondern auch viel bekommt.

Finn Riethmöller über sein Freiwilliges Soziales Jahr

Neben dem Reisen fehlen Finn Riethmöller in Corona-Zeiten vor allem Partys. Durch die viele freie Zeit hat er zuletzt angefangen, sich als Hobby-DJ auszuprobieren. Ein Hobby-DJ, der zurzeit nur für sich selbst auflegt, versteht sich. "Da muss man eigentlich geboren sein für Partys", sagt Finn. Auf der Tanzfläche stehe er sogar noch viel lieber.

Auch einen Kaffee trinken gehen mit Freunden würde er mal wieder gerne, erzählt Finn. Doch trotz der vielen Einschränkungen, im Job wie im Privatleben, blickt Finn positiv auf die vergangenen neun Monate zurück: "Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, vor allem was Selbständigkeit angeht. Selbständiges Arbeiten finde ich ziemlich cool. Aber auch auf Reisen habe ich viel gelernt, einfach menschliche Sachen."

Inzwischen könne er sich vorstellen, im sozialen Bereich zu arbeiten, weil es einfach Spaß mache und kein Tag wie der andere sei. Studieren möchte er nach dem Freiwilligendienst aber zunächst Freizeitwissenschaften. Ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, empfehle er allen: "Es ist nicht nur so, dass man viel gibt, sondern auch viel bekommt." Finn Riethmöller hat es außerdem die Möglichkeit gegeben, sich in seinem Leben zu orientieren: "Im April 2020 wusste ich überhaupt nicht, was ich machen sollte und habe auch viel rumgelegen. Jetzt habe ich einen Plan für die Zukunft."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 23. April 2021, 18:05 Uhr