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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Wie Kneipenwirt Fernando Guerrero die Pandemie durchstehen will

Autoren

  • Felix Gerhardt
Fernando Guerrero
Fernando Guerrero gehört als Wirt des "Eisen" zu den bekanntesten Kneipenbesitzern des Bremer Viertels. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Seit 28 Jahren betreibt Fernando Guerrero die Kneipe "Eisen" im Bremer Viertel – ein Ort der Subkultur und ein besonderer Treffpunkt für Werder-Fans. Die Corona-Pandemie stellte ihn, wie alle Gastronomen, vor große Herausforderungen. Mit Solidaritätsaktionen und virtuellen DJ-Abenden versucht Guerrero bei seinem Stammpublikum präsent zu bleiben.

Gesprächszeit "Egal wie zerfleddert wir da rausgehen" – Fernando Guerrero

Seit 28 Jahren betreibt Fernando Guerrero die Kneipe "Eisen" – ein Ort der Subkultur – im Bremer Viertel. Corona stellt ihn vor große Herausforderungen.

Audio vom 29. Januar 2021
Fernando Guerrero
Fernando Guerrero Bild: Radio Bremen | Felix Gerhardt

Wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht und die Bremer Hochschulen ihre Orientierungswochen haben, ist Fernando Guerrero ein wichtiger Mann. Denn seine Eckkneipe "Eisen" gehört zu den Höhepunkten jeder Kneipentour. Die Neu-Bremerinnen müssen "getauft" werden: für viele ist es Tradition, beim ersten Bremen-Aufenthalt einen "Krabeldiwandenuff" zu trinken, einen nahezu ungenießbaren, scharfen Kräuterschnaps. An Abenden, in denen die Studierenden die Stadt kennenlernen, gehen bis zu sechs Flaschen davon über den Tresen des "Eisen".

Ich hab gedacht: 'Ich will hier sein!'

Fernando Guerreo über seine Anfänge im Bremer Viertel

Fernando Guerrero ist der Wirt des "Eisen". In Bremen Horn-Lehe aufgewachsen, lebt er seit 1985 im Viertel: "Ich bin zu Abi-Zeiten jeden Tag ins Viertel gefahren und hab den Leuten einfach beim Leben zugeguckt und hab gedacht: 'Ich will hier sein'." Als das "Eisen" 1992 eröffnet wurde, jobbte er zunächst als Barkeeper hier, 2002 übernahm er die Kneipe schließlich mit seinem Kumpel Benno Patzer. "Wir wollten einen sozialen Raum anbieten, an dem man sehr niedrigschwellig miteinander in Kontakt kommt. An dem jeder, der reinkommt, erstmal die Chance hat, zu beweisen, dass er ein netter Mensch ist."

Schnaps und Geschichten, die bleiben

Mittlerweile ist das "Eisen" das, was oft mit dem Wort "Kult" beschrieben wird. Es gibt durchgedrehte Bingo-Abende, DJs legen in der kleinen Eckkneipe auf, auf der Schnapskarte stehen neben dem "Krabeldiwandenuff" allerlei eigenartige Kreationen wie "Hirn", "Betonmischer" oder "Offenes Bein". Zum 25. Geburtstag spielte sogar Thees Uhlmann in der kleinen Kneipe. Dessen erstes Konzert mit der Band "Tomte" außerhalb des Heimatdorfs fand einst im "Eisen" statt. "Er hat hinterher bei jedem zweiten Konzert, das er in Bremen gegeben hat, erzählt, wie er auf dem Herrenklo den Mülleimer um seinen Mageninhalt bereichert hat." Geschichten, die bleiben.

Wir haben uns geschworen, dass wir da gemeinsam rausgehen wollen – egal, wie zerfleddert wir da rausgehen.

Fernando Guerrero über die Schließung seiner Kneipe durch Corona
Fernando Guerrero
Im Moment kann Fernando Guerrero seine Kneipe nicht öffnen. "Es gibt gute und schlechte Tage", beschreibt er seine Gefühlswelt. Bild: Radio Bremen | Felix Gerhardt

Doch wie allen Gastronomen geht auch Fernando Guerrero mit seinem Team gerade durch düstere Zeiten. Im ersten Corona-Lockdown habe es eine sehr emotionale Personalversammlung gegeben. "Wir haben uns damals geschworen, dass wir da gemeinsam rausgehen wollen – egal, wie zerfleddert wir da rausgehen." Als im April zum 28. "Eisen"-Geburtstag das Geld knapp wurde, wurden innerhalb von nur einer Nacht mehr als 1.000 Euro Spenden gesammelt. Mittlerweile steht das Spendenkonto bei fast 19.000 Euro aus ganz Deutschland. Auch mit Solidaritäts-T-Shirts und virtuellen DJ-Abenden bleibt das "Eisen" in den Köpfen. Sogar Werder Bremen erlaubte, in kleiner Auflage Trikots mit der original Werder-Raute zu produzieren und mit dem Erlös das "Eisen" zu unterstützen. "Es gibt gute und schlechte Tage", sagt Fernando Guerrero. Er versucht, sich weiterhin auf das Positive zu besinnen.

Die Gentrifizierung des Viertels bleibt Herausforderung

Wenn Guerrero durch sein Viertel läuft, muss er aber auch aufpassen, nicht wehmütig zu werden. In den Achzigern und Neunzigern seien die Häuser ziemlich kaputt gewesen und die Mieten entsprechend niedrig. Das hat sich geändert. "Aus den ganzen Läden riecht der Business-Plan durch. Einfach zu sagen: 'Hier ist ein leerer Laden, ich übernehme den mal und mach was Verrücktes und wenn es nicht klappt, bin ich nicht für die nächsten 20 Jahre ruiniert' – diese Chance gibt es nicht mehr". Auch als Wohnviertel hat sich das Viertel verändert. "Früher waren in den Seitenstraßen die WGs, heute die luxus-sanierten Häuser", sagt Fernando Guerrero, jedoch ohne zu klagen: "Es ist, wie es ist und muss sich wieder neu finden." Ein Motto, das auch für seine Kneipe zu gelten scheint.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 29. Januar 2021, 18:05 Uhr