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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Falko Paetzold zeigt Reichen, wie sie umweltfreundlich investieren

Falko Paetzold
Der Ökonom Falko Paetzold hat eine Mission und forscht zum Thema "nachhaltiges Investieren". Bild: University of Zurich

Falko Paetzold ist Ökonom und hat eine Mission: Mit dem Geld hochvermögender Menschen will er die Welt gerechter und besser machen. Daher forscht der Wirtschaftswissenschaftler, wie Kapital nachhaltig investiert werden kann – und berät auch viele Superreiche.

Gesprächszeit "Ökonomie und Ökologie gehen Hand in Hand" – Falko Paetzold

Prof. Dr. Falko Paetzold ist Ökonom und hat eine Mission: Mit dem Geld hochvermögender Menschen will er die Welt gerechter und besser machen.

Audio vom 27. Januar 2021
Falko Paetzold
Falko Paetzold Bild: University of Zurich

Zunächst sei es wichtig, mit so manchem Vorurteil zum Thema Kapitalismus aufzuräumen und unsere Wirtschaftsordnung nicht mehr nur negativ zu denken, so der Ökonom. "Investoren, also die, die über Kapital verfügen, bestimmen letztlich zu einem großen Teil, was für Projekte, was für Firmen etc. in der Realität umgesetzt werden – und das kann natürlich in beide Richtungen gehen – insbesondere auch für positive Entwicklungen."

Wie wird Geld "grün"?

Zum Thema "nachhaltiges Investieren" forscht Falko Paetzold seit einigen Jahren. Er unterrichtet als Professor für Social Finance an der European Business School Universität in Oestrich-Winkel und ist Gründer und Managing Director am Center for Sustainable Finance and Private Wealth (CSP) an der Universität Zürich, einem Forschungszentrum, das sich mit dem Zusammenwirken von nachhaltiger Finanzwirtschaft und Privatvermögen auseinandersetzt.

Doch der Wirtschaftswissenschaftler vermittelt sein Wissen auch ganz konkret in Form von Kursen für superreiche Menschen und Mitglieder von hochvermögenden Familien. Hier zeigt er ihnen ganz praktisch Wege und Möglichkeiten auf, wie sie mit ihrem Geld eine klimafreundliche und generell nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft vorantreiben können.

Schon während seines Abiturs beschäftigt Paetzold sich intensiv mit der Frage, wer und welche Aspekte eigentlich darüber (mit-)bestimmen, wie und wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt und landet so in der Welt der Wirtschaft und der Finanzen.

Nach seinem Bachelorstudium arbeitet Paetzold u.a. 2003 in China für die Firma Bosch und ist dafür zuständig, Zulieferketten zu optimieren. Hier begegnet dem Ökonom zum ersten Mal das Thema Nachhaltigkeit und er beginnt sich damit auseinanderzusetzen, wie man soziale und auch Umweltaspekte in unsere Wirtschaftsprozesse miteinbeziehen kann:

Wenn wir wirklich eine nachhaltige Welt erreichen wollen, dann geht das nur dadurch, dass wir das in der Wirtschaft so platzieren, dass das zum treibenden und im Mainstream verstandenen Thema wird.

Falko Paetzold

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen

Wie stark Geld die Realität und das Leben von Menschen beeinflusst, hat Paetzold selbst erfahren: 1983 wird Falko Paetzold in Ostberlin geboren; 1989 flieht er mit seiner Mutter versteckt im Kofferraum eines Autos über Ungarn nach Österreich und von dort nach Westberlin. In den kommenden Jahren gilt er vor allem in der Schule als Außenseiter, eben weil er aus Ostdeutschland, der ehemaligen DDR kommt, auch wenn die Mauer da schon lange nicht mehr als sichtbare Trennung existiert.

Falko Paetzold wächst in bescheidenen Verhältnissen auf – der Familie steht nicht viel Geld zur Verfügung. Das prägt ihn nachhaltig. Schon frühzeitig entwickelt er ein Gespür für soziale und finanzielle Ungerechtigkeit.

Über die Hälfte des globalen Kapitals wird kontrolliert von 0,7 Prozent der Weltbevölkerung: Das sind Millionäre und Milliardäre, insbesondere Milliardärsfamilien. Das ist eine unglaubliche Ungleichverteilung.

Falko Paetzold

Falko Paetzold und sein Team am CSP der Universität Zürich wollen zwischen diesen Extremen Brücken bauen. Sie schulen unter anderem Hochvermögende darin, Investitionsmöglichkeiten zu erkennt, die Nachhaltigkeit fördern und die Gesellschaft in diese Richtung weiterentwickeln.

Ökologie und Ökonomie gehen Hand in Hand

Hier sind aber auch so manche Konflikte vorprogrammiert – denn gerade die Kinder, Enkel und Erben aus hochvermögenden Familien wollen oftmals neue und andere Wirtschafts- und Industriezweige fördern als ihre Eltern und Großeltern. Das Mindset des Gegenübers zu verstehen und sich argumentativ gut gewappnet Gehör zu verschaffen – auch das ist Bestandteil des Kurs- und Ausbildungsprogramms, das Paetzold mit seinen Kollegen anbietet. Und die werden immer stärker nachgefragt. Anfangs hat Paetzold vor allem mit jungen Hochvermögenden zwischen 25 bis 35 Jahren zu tun, die an Umweltproblemen und deren finanzieller Lösung interessiert sind. Mittlerweile werden die Programme des Forschungszentrums aber auch von älteren Generationen gebucht, denn Nachhaltigkeit, und das Wissen darum, dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen (müssen) – das setzt sich immer stärker durch, so Falko Paetzold:

Es geht um die Trends der Zukunft. Es geht darum, wo kriegen wir die Ressourcen her, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten.

Falko Paetzold

Mehr Geld macht nicht glücklich(er)

Seit vielen Jahren lebt und arbeitet Falko Paetzold für seine Mission in Zürich. Nirgendwo gibt es so viel Privatvermögen auf einem Fleck wie hier. Das, seine langjährige Forschungsarbeit und sein Einblick in das Leben von Superreichen, die er auch als ganz normale Menschen erlebt, die trotz viel Kapital nicht automatisch immer glücklich sind, prägen auch Paetzolds Umgang mit Finanzen. Mittlerweile ist es ihm selbst überhaupt nicht mehr wichtig, viel Geld zu haben, denn das, so der Wirtschaftswissenschaftler, hat auch Nachteile:

Das ist tatsächlich eine große Bürde für viele Hochvermögende, die ihr Kapital auch wirklich sinnvoll anlegen können. Das ist gar nicht so einfach und damit muss man sich auseinandersetzen. Ich bin ganz froh, dass ich das persönlich nicht tun muss.

Falko Paetzold

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. Januar 2021, 18:05 Uhr