Jetzt läuft:

Mario Biondi feat. Al Jarreau Light To The World
  • Jetzt läuft:

    Mario Biondi feat. Al Jarreau Light To The World
  • Davor lief:

  • Um> 05:10 Uhr lief: Ashley Hicklin City Lights
  • Um> 05:07 Uhr lief: Paris Combo On N'A Pas Besoin
  • Um> 05:03 Uhr lief: The Robbie McIntosh Band Roll Away
  • Um> 04:55 Uhr lief: Nick and the Roundabouts Just Go
  • Um> 04:50 Uhr lief: Dave Goodman Can't Let Go
  • Um> 04:45 Uhr lief: Tom Freund Copper Moon
  • Um> 04:42 Uhr lief: Banks Warm Water
  • Um> 04:37 Uhr lief: Paul Simon Something So Right
  • Um> 04:33 Uhr lief: Room Eleven Lovely Morning

Die Nacht

Im Porträt Wie Eva Klesse Jazz-Schlagzeugerin wurde

Autorinnen und Autoren

Eva Klesse
Deutschlands erste Jazz-Professorin: Eva Klesse Bild: Sally Lazic

Mit 31 Jahren wurde sie in Hannover die erste Instrumentalprofessorin an einem deutschen Jazzinstitut. Nur knapp vier Jahre später bekommt Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse Deutschlands ältesten Preis ihrer Zunft: den SWR Jazzpreis.

Wer kennt sie nicht: Es gibt Menschen, die ständig mit den Schenkeln wippen oder mit den Fingern auf der Tischkante klopfen, weil sie gerade eine Melodie im Kopf haben. Und sie gehört wohl dazu, gesteht Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse schmunzelnd: "Ich bin auch schon von wildfremden Menschen im Zug angesprochen worden, ob ich das mal bitte sein lassen könnte."

Gesprächszeit "Ich versuche immer, sofort ins Mucke machen zu kommen" – Eva Klesse

Mit 31 Jahren wurde sie die erste Instrumentalprofessorin an einem deutschen Jazzinstitut. Jetzt bekommt Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse den SWR Jazzpreis.

Eva Klesse
Bild: Sally Lazic
Bild: Sally Lazic

Mucke machen mit dem Schlagzeug

1986 geboren, wuchs Eva Klesse im nordrhein-westfälischen Werl unweit von Dortmund auf. Weil die Eltern sie oft mit zu Konzerten nahmen, durfte sie, als sie etwa zehn Jahre alt war, das erste Mal hinter einem Schlagzeug sitzen. Kein Wunder, dass dann die Blockflöte, die sie bis dahin ganz klassisch als Grundschulkind gespielt hatte, schnell im Schrank verschwand: "Ich hab' das große Glück, da eine sehr tolerante und fördernde Familie gehabt zu haben. Ich durfte machen, was ich wollte. Als ich sagte, das Schlagzeug soll es sein, habe ich auch das Schlagzeug bekommen".

Wir haben "Silverchair" und "Placebo" und "Rage Against The Machine" und solche Sachen gespielt.

Eva Klesse über ihre erste Band

In der Pubertät spielte sie das, was sie selbst gern hörte: Hip-Hop und Rock: "Also die erste Band, die wir gegründet haben mit Freundinnen, da haben wir so Silverchair und Placebo und Rage Against The Maschine und solche Sachen gespielt. Von Jazz war da noch gar nichts zu merken". Obwohl sie auf ein Musikgymnasium ging, das die Schülerinnen und Schüler auf eine Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorbereitete, hatte Eva Klesse großen Respekt vor einer solchen Prüfung. So groß, dass sich die sehr gute Abiturientin lieber erst einmal für ein Medizinstudium einschrieb statt Musikerin als Beruf überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Internationales Studium und Stipendium in New York

Dass sie dann doch nicht im grünen Kittel am OP-Tisch landete, ist Klesses großer Liebe zur Musik zu verdanken. Nach Anatomie-Semester und Pflegepraktikum im Krankenhaus sattelte sie um und studierte Jazzschlagzeug an den Musikhochschulen in Leipzig, Weimar und Paris. Ein Stipendium führte sie außerdem an die New York University, die sie mit einem "Master of Music" in der Tasche wieder verließ.

Ich finde es auch ganz wichtig, dass alle schreiben, alle ihre Ideen einbringen.

Eva Klesse über das Zusammenspiel im "Eva Klesse Quartett"

Während des Studiums lernte sie auch ihre Hauptband – das Eva Klesse Quartett – kennen. "Wir sind musikalisch auf jeden Fall natürlich ein Kollektiv, alle gleichberechtigt. Ich finde es auch ganz wichtig, dass alle schreiben, alle ihre Ideen einbringen. Dadurch wird es ja auch so interessant und so bunt, finde ich." Ob sie denn die Chefin ist, weil das Quartett ihren Namen trägt? "Ich bin natürlich organisatorisch so ein bisschen die Chefin, wenn man so will. Bei mir laufen ein bisschen die Fäden zusammen", erklärt die 35-Jährige.

Doch eine Band reicht ihr nicht. Eva Klesse spielt Schlagzeug im Julia Hülsmann Oktett, ist im Quartett Trillmann dabei oder spielt im Sarah Chaksad Orchestra mit: "Man bringt immer wieder neue Ideen, neue Energie in die anderen Projekte hinein und das befruchtet sich irgendwie gegenseitig und das finde ich super." Eva Klesse komponiert und liebt Wortspielereien, Dialekte und andere Sprachen, die immer wieder Eingang in Musik und ihre Songtitel, die so schöne Namen wie "Obenland", "Erdweben" oder "Brushing Hippopotami" tragen: "Das letzte Stück geht auf einen Traum von mir zurück, wo ich ein kleines Hippo getroffen habe, das mich gefragt hat, ob ich es nicht ein wenig bürsten könne", schmunzelt Eva Klesse als sie die Geschichte des Songtitels erzählt.

SWR-Jazzpreis: Verleihung am 18. Oktober 2021

Frauen im Jazz sind noch immer viel zu selten anzutreffen. 2018 wurde Eva Klesse – auch für sie völlig überraschend – mit 31 Jahren die erste Instrumentalprofessorin an einem deutschen Jazzinstitut in Hannover. "Es ist eine ganz tolle Aufgabe – aber damals war ich ein bisschen überwältigt", erinnert sich Eva Klesse. Und dass sie 2018 die erste deutsche Frau überhaupt in so einem Job war, findet sie selbst "sehr spät".

Das ist natürlich total schön, dass da noch so eine Art Spotlight drauf gelegt wird.

Eva Klesse über die Anerkennung ihrer Arbeit durch den SWR Jazzpreis

Mit ihrer Musik, dem "Mucke machen", wie sie selbst oft sagt, hat Klesse schon viele Preise gewonnen: den Leipziger Jazz-Nachwuchspreis, den Westfalen-Jazzpreis, oder den Trierer Jazz-Award. In diesem Jahr erhält Eva Klesse den ältesten Jazz-Preis Deutschlands, den SWR Jazzpreis: "Ich freu mich total und denke immer andererseits: 'Boah, aber es gibt aber doch den oder die, die hätten das doch auf jeden Fall verdient'". Doch Klesse ist auch dankbar und glücklich über die zusätzliche Aufmerksamkeit, weil der Release ihres letzten Albums in der Corona-Zeit ziemlich untergegangen ist: "Wir haben ein Jahr gearbeitet und es kam die Platte raus und es hat niemand davon mitbekommen. Das ist natürlich total schön, dass da noch so eine Art Spotlight drauf gelegt wird und wir noch ein Konzert spielen können, dass ich mir auch noch einen Gast einladen durfte. Das sind alles total tolle Sachen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 18. Oktober 2021, 18:05 Uhr