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Die Nacht

Im Porträt Erinnerung an Esther Bejarano

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Esther Bejarano
Mit 96 Jahren ist Esther Bejarano in ihrer Heimatstadt Hamburg gestorben. Bild: DPA | SvenSimon | Malte Ossowski

Esther Bejarano ist 1943 als junge Frau ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Dort musste sie schwere Steine über eine Wiese schleppen – und wieder zurück. Zwangsarbeit – der nationalsozialistische Horror. Als Esther Bejarano die Kraft ausging, retteten ihr eine polnische Mitgefangene und eine Lüge das Leben. Zeit ihres Lebens hat sie an den Holocaust erinnert – nun ist sie im Alter von 96 Jahren gestorben.

"Und die Menschen sind ins Gas gefahren" – Esther Bejarano

Esther Bejarano hat Auschwitz-Birkenau als Mitglied des Mädchenorchesters überlebt. Zeit ihres Lebens hat sie an den Holocaust erinnert – nun ist sie gestorben. Im September 2016 hat Jens Schellhass mit Esther Bejerano gesprochen.

Esther Bejarano
Bild: DPA | SvenSimon | Malte Ossowski
Bild: DPA | SvenSimon | Malte Ossowski

Am 15. Dezember 1924 wurde Esther Bejarano als Esther Loewy in Saarlouis geboren. Sie hatte zwei Schwestern und einen Bruder, ihr Vater war jüdischer Lehrer und Kantor. 1941 ermordeten die Nationalsozialisten ihre Eltern in Litauen, sie selbst wurde Anfang 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Wir haben da gestanden mit Tränen in den Augen. Du hast da Musik gemacht, und die Menschen sind ins Gas gefahren.

Esther Bejarano über das Mädchenorchester von Auschwitz

Eine Polin hatte dort die Aufgabe bekommen, ein Mädchenorchester für das Konzentrationslager zu gründen. Sie fragte Esther Bejarano, ob sie Akkordeon spielen könne, und die junge 19-jährige Esther log. "Ja", sagte sie, übte ein paar Augenblicke und wurde aufgenommen. Fortan hatte sie Marschmusik zu spielen für die Gefangenen, die zur Zwangsarbeit auszogen oder für jene auf ihrem letzten Weg in die Gaskammer: "Wir haben da gestanden mit Tränen in den Augen. Wir wussten nicht, sollen wir jetzt aufhören oder weiterspielen. (…) Du hast da Musik gemacht, und die Menschen sind ins Gas gefahren."

Und dann habe ich mich entschlossen, ich werde von jetzt an anfangen, zu erzählen.

Esther Bejarano über einen NDP-Stand, der sie zum reden brachte

Esther Bejarano wanderte 1945 nach Palästina aus und traf auch dort auf Rassisten und Terroristen. 1960 kam sie zurück nach Deutschland – mit Mann und Kindern. Aber zunächst redete sie nicht über ihre grausame Vergangenheit. Erst als die NPD Ende der Siebziger Jahre einen Infostand vor ihrer Haustür aufbaut und dann auch noch von der Polizei beschützt wird, fand sie ihre Worte wieder. Zum Polizisten sagte sie: "Verhaften Sie mich! Ich habe Schlimmeres erlebt, ich war in Auschwitz. Daraufhin hat sich einer dieser Nazis eingemischt und hat zu diesem Polizisten gesagt: ' Die Frau, die müssen Sie jetzt verhaften. Wenn die in Auschwitz war, dann ist sie eine Verbrecherin." Und das hat mir gereicht. Ich bin in meine Boutique zurückgegangen und habe mich entschlossen, ich werde von jetzt an anfangen, zu erzählen."

Das Ende der Sprachlosigkeit

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Seit sie ihre Sprache wiedergefunden hatte, hat Esther Bejarano Vorträge und Lesungen gehalten, hat Konzerte gespielt und in Schulen über ihre Zeit als deutsche Jüdin im Nationalsozialismus gesprochen.

Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass junge Leute das, was sie von mir gehört haben, weiter erzählen.

Esther Bejarano über ihre Hoffnung für die Zukunft

Esther Bejarano war eine der wichtigsten, deutschen Zeitzeuginnen gegen das Vergessen. Schon Zeit ihres Lebens hatte Esther Bejarano immer die Hoffnung, dass ihre Geschichte ihren Tod überdauern wird: "Wenn ich zum Beispiel in die Schulen gehe, und hinterher kommen die Schüler und sagen: 'Frau Bejarano, haben Sie keine Angst. Ihre Geschichte wird nie vergessen werden, denn wir werden sie weiter erzählen.' Wenn man das hört, dann bin ich ziemlich zuversichtlich, dass wieder junge Leute da sind, die das, was sie von mir gehört haben, weiter erzählen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Juli 2021, 12:40 Uhr