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ARD-Radiofestival: Jazz

Im Porträt Traumjob Inselwart? Allein unter Vögeln auf einer ostfriesischen Insel

Autorin

Enno Janßen
Betreten verboten: Bis auf wenige Besuchergruppen sind keine Menschen auf Memmert erlaubt. Bild: Leo G. Linder | Leo G. Linder

Enno Janßen ist Inselvogt und Vogelwart auf Memmert – einer kleinen Vogelschutzinsel, mitten im niedersächsischen Wattenmeer. Eine Aufgabe, die viel Beobachtungsgabe verlangt, handwerkliches Geschick – und die Fähigkeit, lange Zeit mit sich allein auszukommen. 

Gesprächszeit "Ich fühle mich nicht einsam" – Enno Janßen

Enno Janßen ist Inselvogt und Vogelwart auf Memmert – einer kleinen Vogelschutzinsel, mitten im niedersächsischen Wattenmeer. Eine Aufgabe, die viel verlangt.

Enno Janßen
Bild: Leo G. Linder
Bild: Leo G. Linder

Seit 2003 lebt und arbeitet Enno Janßen jedes Jahr von März bis Oktober als einziger Mensch auf der Insel Memmert, einem kleinen Eiland zwischen Juist und Borkum. In seinen acht Arbeitsmonaten beschützt, hegt und pflegt er die Insel und kümmert sich auch um die Erfassung von bis zu 160 verschiedenen Arten von Brut- und Rastvögeln.

Enno Janßen
Enno Janßen hat sich schon früh für die ostfriesische Natur interessiert. Bild: Leo G. Linder

Janßen wird 1961 in Ostfriesland geboren – und dass es ihn einmal beruflich auf die Insel Memmert verschlagen wird, hat sich eigentlich früh abgezeichnet: Mit 16 Jahren darf er während seiner Berufsausbildung zum ersten Mal die Insel besuchen. Eigentlich darf das niemand, denn seit 1924 gilt die Insel als staatliches Naturschutzgebiet. Janßen erinnert sich: "Das war natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, weil ich mich damals schon in diese Insel verliebt habe."

Es vergehen gut 25 Jahre bis Enno Janßen wieder einen Fuß auf Memmert setzt – eine außergewöhnliche Landschaft, die zum Wattenmeer gehört und auch ein Stück Unesco-Welt-Naturerbe ist.

Verzaubert von der ostfriesischen Natur

Janßen stammt aus einer Fischerfamilie und ist fasziniert vom Meer, erkundet aber auch den Wald, das Moor, lernt Marsch, Geest und die Sandbarriere-Inseln kennen und liebt es zudem, mit dem Boot und seiner Familie unterwegs zu sein.

Auch für die Tiere, insbesondere Vögel, begeistert er sich und verfolgt zum Beispiel als Kind einmal einen Bussard so lange, bis er dessen Horst findet. Seine Interessen fließen indirekt auch in den Beruf ein, den er sich aussucht: Er wird Bauzeichner beim Bauamt für Küstenschutz. Viele Jahre wird der Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor allem am Schreibtisch verbringen. Wenn auch immer beschäftigt mit der Kulturlandschaft Ostfriesland.

Das ist schon ein gravierender Einschnitt im Leben.

Enno Janßen über die Entscheidung, Inselvogt zu werden

Dass er seinen Sinn für Natur, seine nautischen Erfahrungen und die Lust auf das Leben mit dem Meer mal auf Memmert ausleben wird – diese Chance ergibt sich um die Jahrtausendwende, als er davon hört, dass man in ein paar Jahren für den Inselvogt einen Nachfolger sucht. Janßens Traumjob ist zum Greifen nah: "Dann hatte ich zwei Jahre Zeit, mich mit diesem Gedanken zu beschäftigen und das auch familiär abzuklären – weil das ist schon ein gravierender Einschnitt im Leben, den man dann macht."

Ein Leben nach dem Rhythmus der Vögel

Seit 2003 richtet sich sein Arbeitsleben nach dem Rhythmus der Vögel auf Memmert. Wer die Insel bevölkert und wie viele es genau sind, das muss Enno Janßen als Vogelwart jedes Jahr nachzählen und dokumentieren.

Enno Janßen
Beobachten, zählen und dokumentieren: Vögel sind Janßens täglichen Begleiter. Bild: Leo G. Linder | Leo G. Linder

Dazu kommt er den Tieren recht nah, besucht sie auch in ihren Kolonien – besonders beliebt ist er hier natürlich nicht, denn ganz gleich wie lange Janßen schon auf der Insel ist, für die Tiere ist er eine Bedrohung: "Sie warnen dann natürlich und kreischen herum – also man fühlt sich nicht gut dabei. Das ist in jedem Frühling neu und da muss ich mich immer wieder dran gewöhnen, dass die mich überhaupt nicht mögen. Aber man muss es nicht persönlich nehmen."

Ich bin zwar als Mensch da allein, aber ich fühle mich nicht einsam.

Enno Janßen über sein Dasein als Inselvogt auf Memmert

Neben verschiedenen Möwenarten, Seeschwalben, Löfflern und Kormoranen, die meistens zu Gast sind, stand er auch schon einmal einem Seeadler gegenüber: "Ich bin quasi zur Salzsäule erstarrt und dann haben wir uns gegenseitig beobachtet. Er ist ja ein Greifvogel und wenn man dann die Klauen sieht – die waren so groß wie meine Hände. Es ist ein beeindruckendes Tier. Man hat echt das Gefühl, man steht da einer Persönlichkeit gegenüber."

Im Spätsommer dürfen Gäste für einen kurzen Ausflug auf die Insel. Ihnen erzählt Janßen von seiner Arbeit und dem besonderen Lebensraum. Die meiste Zeit verbringt er aber ausschließlich umgeben von Tieren und Natur. "Ich bin zwar als Mensch allein, aber ich fühle mich nicht allein, einsam schon mal gar nicht, weil die Insel natürlich bevölkert ist von unheimlich vielen Lebewesen."

Enno Janßen
So wohnt Janßen auf Memmert. Bild: Leo G. Linder | Leo G. Linder

Auf Memmert hat Janßen viel über sich und das Leben gelernt. Groß Pläne machen, das funktioniert auf einer Insel einfach nicht, die abhängig ist vom Wetter und den Gezeiten. "Ich denke, das Leben ist grundsätzlich ein Provisorium", sagt er deshalb.

Über sein Leben und Arbeiten und "seine" Insel hat er in diesem Jahr ein Buch geschrieben: "Der Inselvogt von Memmert. Eine einsame Nordseeinsel, die Vögel und ich".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 25. Juni 2021, 18:05 Uhr