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Die Nacht

Im Porträt Ellen Matzdorf ist Hebamme und Bestatterin

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Ellen Matzdorf
Ellen Matzdorfs Bestattungsunternehmen ist hell und freundlich eingerichtet. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Wir müssen alle geboren werden und alle sterben. "Dazwischen liegt das Leben", sagt Ellen Matzdorf. Als Hebamme hilft sie Babys auf die Welt zu kommen – und in ihrem zweiten Job als Bestatterin begleitet sie Angehörige in ihrer Trauer um einen geliebten Menschen.

Gesprächszeit "Ich möchte keinen meiner Berufe missen" – Ellen Matzdorf

Wir müssen alle geboren werden und alle sterben. "Dazwischen liegt das Leben", sagt Ellen Matzdorf, die sowohl Hebamme als auch Bestatterin ist.

Ellen Matzdorf
Ellen Matzdorf Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

In ihrem Bestattungsunternehmen ist es hell und freundlich, die Räume haben große Fenster. "Meine Erfahrung ist, dass alles was mit Sterben, Tod und Trauer zusammenhängt, eh schon traurig und mit dunklen Gedanken und Schwermut verbunden ist. Ich muss das ja nicht noch verstärken", sagt Matzdorf.

Eine Geburt ist immer dann "schön", wenn Frauen selbstbestimmt ihr Kind gebären können.

Ellen Matzdorf über ihren Umgang mit Gebärenden

Ellen Matzdorf lebt eine ungewöhnliche Berufskombination. Während sie als Bestatterin vor allem Angehörige von Verstorbenen begleitet, unterstützt die Oldenburgerin in ihrem zweiten Job als Hebamme werdende Eltern in der Schwangerschaft sowie während und nach der Geburt. Dabei hat Matzdorf auch schon sogenannte "stille" Geburten erlebt, bei denen das Kind bereits im Mutterleib tot war oder während oder kurz nach der Geburt verstorben ist. Obwohl eine solche Geburt für die Betroffenen schrecklich ist, hat sie als Hebamme auch in solchen Fällen schon friedliche, "schöne" Momente erlebt: "Eine Geburt ist immer dann 'schön', wenn Frauen in ihre Kraft kommen und selbstbestimmt ihr Kind gebären können", so die Hebamme. "Dass das Kind dann nicht lebt, ist der große Unterschied, aber dennoch ist der Akt der Geburt und für die Frau später das Gleiche." Früher, erzählt Matzdorf, hat man Sternenkind-Eltern oft gesagt "Tu dir das nicht an", wenn sie das verstorbene Kind sehen wollten. Inzwischen ist es Konsens, dass es für die Trauerbewältigung wichtig ist, das tote oder sterbende Kind im Arm zu halten. "Um Abschied nehmen zu können, auch wenn es hart ist", so Ellen Matzdorf.

Frauen und Eltern sollen nicht kämpfen müssen in so einer Situation.

Ellen Matzdorf über den Umgang von Bestattern mit Sternenkind-Eltern
Ellen Matzdorf
Immer unterwegs: 24 Stunden Bereitschaft kennt Matzdorf aus ihren beiden Tätigkeiten. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Irgendwann gab es den Tag, an dem Ellen Matzdorf als Hebamme einem toten Kind auf die Welt half und danach mit ansehen musste, wie die Eltern beim Bestatter um vieles kämpfen mussten. Den Sarg selbst zu gestalten, sah der Bestatter ebenso wenig vor, wie das tote Kind noch einmal zu sich nach Hause zu holen. "Ich habe mich gefragt: Warum denn eigentlich nicht? Das ist doch wichtig?", erinnert sich Ellen Matzdorf. Und sie dachte: "Frauen und Eltern sollen nicht kämpfen müssen in so einer Situation". Sie absolvierte ein Praktikum bei einem Bestatter, der vieles anders machte, und für Matzdorf war klar, dass auch sie diesen Weg gehen wollte. Heute bietet sie ihren Kundinnen und Kunden ganz selbstverständlich an, ihre geliebten Toten noch einmal nach Hause zu bringen. Rituale, "nur weil man es immer so gemacht hat", hält Matzdorf bei Beerdigungen für lange nicht so wichtig wie eine passende Zeremonie, die zu den Menschen passt.

Aufgewachsen als Schausteller-Kind

Ihre beiden Berufe sind Matzdorf nicht in die Wiege gelegt worden. Eigentlich kommt Ellen Matzdorf mütterlicherseits aus einer Schausteller-Familie. Mit Groschen-Roulette, Fadenziehen und Pfeilwerfen ist sie aufgewachsen. Weil die Eltern sich getrennt hatten, waren Matzdorf und ihre Geschwister in einem Heim, während ihre Mutter unterwegs war. "Ich kann mich daran erinnern, dass ein Stück meiner Kindheit beendet war, als ich vor dem Tor des Heims stand und mir klar war, ich werde jetzt hier leben." Das Heim bedeutete Einsamkeit und ein Stück Entwurzelung. In den Ferien reiste sie dann trotzdem zusammen mit der Mutter und den Großeltern im Oldenburger Land von Platz zu Platz: "Das war aufregend und spannend in den Ferien als Kind. Später nicht mehr, da war es eher lästig – gebe ich gerne zu", schmunzelt sie heute. Immerhin, sagt Ellen Matzdorf, wäre sie ohne das Heim vermutlich nicht auf eine weiterführende Schule gegangen.

Ich möchte keinen meiner Berufe missen.

Ellen Matzdorf über ihren Lebensweg

Ihr beruflicher Weg führte sie erst zu einem Jurastudium nach Berlin, dann zum Rettungsdienst und dann relativ spontan zur Hebammenausbildung. "Als ich dann den ersten Einsatz im Kreißsaal hatte, habe ich gewusst, ich bin genau am richtigen Ort", sagt Ellen Matzdorf. Jeder Lebensbeginn, sagt sie, ist einfach etwas Fantastisches. Als Hebamme hat sie freiberuflich gearbeitet, als Beleghebamme in der Klinik und ein Geburtshaus gegründet. 24 Stunden Bereitschaft hat sie im Moment nur als Bestatterin, weil sie mit der Geburtshilfe eine Pause macht. Ellen Matzdorf möchte mit niemandem tauschen: "In den Jahren, in denen ich jetzt beide Berufe ausgeübt habe, habe ich gemerkt, wie gerne ich beide Berufe mache – und ich möchte keinen missen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 5. März 2021, 18:05 Uhr