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Der Nachmittag mit Katrin Krämer

Im Porträt Elke Heidenreich weiß, was zu ihr passt

Autorin

Elke Heidenreich
Elke Heidenreich Bild: Carl Hanser Verlag | Leonie von Kleist

Bücherregale sind wohl die entscheidenden Möbelstücke von Elke Heidenreich. Seit Jahrzehnten gehört sie zu Deutschlands beliebtesten Schriftstellerinnen und Literaturexpertinnen und für ihren neuen Erzählband "Männer in Kamelhaarmänteln" geht sie der Frage nach, wie Kleider aus uns Leute machen.

Herbstgäste - Hausbesuche "Ich weiß, was ich für ein Mensch bin" - Elke Heidenreich

Elke Heidenreich ist eine von Deutschlands beliebtesten Schriftstellerinnen. In ihrem neuen Erzählband geht es um Stoffe, die kleiden und die Haut schmeicheln.

Audio vom 20. November 2020
Elke Heidenreich
Bild: Carl Hanser Verlag | Leonie von Kleist

Der Eingang ist noch bücherfreie Zone. Doch wer dann Elke Heidenreichs Kölner Haus von 1920 betritt, findet Bücher wohlgeordnet in Regalen, aber hier und da auch mal in Stapeln auf Tischen und Bänken. Besonders eng wird es manchmal auf dem schwarzen Klavier. "Das – gebe ich zu – ist immer vollgepackt bis oben hin mit Büchern", schmunzelt Elke Heidenreich.

Ich hatte immer irgendwo roten Samt und sah aus wie eine kleine Prinzessin.

Elke Heidenreich über eine ganz besondere Stoff-Liebe

Bis vor kurzem hat Elke Heidenreich noch die Ikea-Regale ihres Lebens gehabt, die bei jedem Umzug ein bisschen zurecht gesägt und wieder zusammen gekleistert worden waren. Jetzt endlich, sagt sie, hat sie sich ein mahagoni-farbenes Maßregal anfertigen lassen. Ansonsten, sagt sie, sieht es bei ihr aus wie im 19. Jahrhundert: "Ein altes Klavier, viele Kerzenleuchter. Ich hab insgesamt in meinem Wohnzimmer 16 Lichtquellen. Das heißt keine einzige richtig helle Deckenlampe, sondern in jeder Ecke eine kleine Lampe. Und ein rotes Samtsofa und ein roter Samtsessel." Die Liebe zum roten Samt stammt noch aus ihrer Kindheit, als ihre Mutter als Näherin Kinovorhänge für Lichtspielhäuser genäht hat: "Und irgendwas fiel immer ab: Dann kriegte ich Samt-Stulpen, einen Samt-Muff, ein Samt-Krägelchen. Ich hatte immer irgendwo roten Samt und sah aus wie eine kleine Prinzessin."

Mit Büchern verlor sie sich in fremden Welten

Geboren 1943, wurde Elke Heidenreich 1949 eingeschult. Sie war Schlüsselkind, erinnert sich Heidenreich an die Nachkriegszeit. Ihre Eltern mussten arbeiten und sich eine Existenz aufbauen, während die kleine Elke sich das Mittagessen alleine aufwärmte und sich mit Lesen die Zeit vertrieb: "Und ich hab gemerkt, dass mich das Lesen wegträgt in andere Welten, die schöner sind. Dass es mir hilft, meine Probleme zu bewältigen. Oder es hat mich einfach abgelenkt, weil es eine spannende Geschichte war – und auch dazu ist Lesen da."

Ihre Eltern trennten sich, als Elke Heidenreich 13 Jahre alt war. Der Titel ihres aktuellen Buch "Männer in Kamelhaarmänteln" geht auf ihren Vater zurück, der Automechaniker war und eine Werkstatt für Luxus-Limousinen hatte. "Wenn er die repariert hat, musste er ja auch eine Probefahrt machen. Und dann hat er über seinen Blaumann schnell seinen Kamelhaarmantel oder was anderes Schickes geworfen und ist dann in dem Bentley oder Jaguar oder Porsche Probe gefahren. Und meistens in meine Schule, um mich abzuholen."

Ich bin nicht die High-Heel-Frau!

Elke Heidenreich über ihren eigenen Stil

Auch dass sie heimlich die Klamotten ihrer Mutter anprobierte, verrät Elke Heidenreich in ihrem neuen Buch. Vom titelgebenden Mantel ihres Vaters über die Roben der Malerin Frida Kahlo bis zu den schwarzen Rollkragenpullovern ihrer Jugend schreibt die Wahl-Kölnerin gewohnt pointiert und einfühlsam. Sie selbst kann übrigens ohne ihre Plüsch-Tiger-Hose für neun Mark vom Wühltisch nicht leben, aber die trägt sie natürlich nur zuhause. Mit dem Alter muss man langsam wissen, was einem steht, ist Heidenreich überzeugt: "Ob ich wirklich Stil habe, weiß ich nicht. Aber ich weiß, was ich für ein Mensch bin. Ich bin nicht die elegante Dame in Seidenkleid und Schluppenbluse, ich bin nicht die High-Heel-Frau, ich trage keine Capes, keine Pelze. Ich weiß, was zu mir passt. Zu mir passen Hosen, einfache Röcke, gut geschnittene Jacketts, T-Shirts, Pullover. Und wenn man das einmal weiß, dann ist man nicht mehr so irritierbar."

Ein guter trainierter Mops zu Füßen

Elke Heidenreich hat das Lesen und die Literatur zu ihrem Beruf gemacht. Sie hat Romane, Kolumnen, Erzählbände und Filmdrehbücher geschrieben und sie versteht auch eine Menge von Musik. Mit 13 Jahren ist sie das erste Mal von einer Freundin mit in die Oper genommen worden, wo Mozarts Zauberflöte sie elektrisierte. Inzwischen hat sie selbst Libretti auch für das Bremer Theater geschrieben. Auf ihrem Schreibtisch liegt alles, was sie für ihre Arbeit braucht: Computer, Lexika, Bücher, Notizen, während zu ihren Füßen Mops "Vito" – "ein gut trainierter Mops" die Augen schließt: Wenn ich morgens zu Vito sage "Wir gehen jetzt arbeiten", geht er rauf mit mir in mein Arbeitszimmer, legt sich hin und muckst sich nicht. Das ist doch großartig!“

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Herbstgäste - Hausbesuche, 20. November 2020, 18:05 Uhr