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Der Samstagvormittag mit Stefanie Pesch

Im Porträt Diese Bremerin hat die Inklusion vorangetrieben

Autorin

Elke Gerdes, mit gelber Strickjacke gekleidet, lächelt in einem Zimmer in eine Kamera
Für ihren Einsatz erhielt Elke Gerdes das Bundesverdienstkreuz. Bild: Radio Bremen | Claudia Scholz

Als Elke Gerdes vor 17 Jahren eine Tochter mit Down-Syndrom zur Welt brachte, hieß es: "Ab der Schule wird es Probleme geben." Das wollte Gerdes so nicht hinnehmen. Sie war Mitgründerin des Vereins "Eine Schule für Alle Bremen" – und hat für diese Arbeit kürzlich das Bundesverdienstkreuz bekommen. Wir stellen sie in unserer Reihe "Lieblingsmenschen" vor – das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten, die sich für andere Menschen oder die Natur einsetzen.

Bremen-Zwei-Reporterin Claudia Scholz war schon ein paar Mal bei Familie Gerdes im Bremer Viertel zu Gast. Bei ihren vorherigen Besuchen ging es allerdings immer um Amelie, die 17-jährige Tochter von Elke Gerdes und Thomas Ribbe. Amelie ist Schauspielerin, Tänzerin – und sie hat das Down-Syndrom.

Elke Gerdes ist es schon gewohnt, dass viele sie vor allem als Amelies Mama kennen. Und auch wenn dieser Titel ihr nicht gerecht wird, angefangen hat tatsächlich alles mit Amelies Geburt: "Als sie zur Welt gekommen ist, haben wir am vierten Tag so eine Art Beratungsgespräch gehabt. Dort wurde uns gesagt: 'Ja, bis sie zur Schule kommt, wird das alles ganz entspannt laufen, so mit Kita haben wir gute Erfahrungen, aber mit der Schule wird es sicherlich Probleme geben.'"

Dieser Satz blieb Elke Gerdes im Kopf. Und so wurde Schule schon ein Thema für sie, als ihre Tochter erst drei Jahre alt war. Denn ihnen war klar: "Wir möchten, dass Amelie, genauso wie ihr Bruder Jan, die Schule hier im Umfeld besucht." Fast genauso schnell war ihnen aber auch klar, dass das so nicht vorgesehen war.

Nicht meine Tochter hat ein Problem oder die Kinder, die nicht in alle Schulen reinkommen, sondern das System hat ein Problem.

Elke Gerdes, Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom

Mit einer Freundin fuhr Elke Gerdes dann zu einem Kongress in Köln. Das Thema: Eine Schule für alle. Dort gab es Impulsvorträge – und die waren für Elke Gerdes ein Trigger. Ihre Erkenntnis: "Nicht meine Tochter hat ein Problem oder die Kinder, die nicht in alle Schulen reinkommen, sondern das System hat ein Problem." Im System Schule gehe es häufig vor allem darum, allen Kindern in einer bestimmten Zeit ein bestimmtes Wissen zu vermitteln. Und dann nach der vierten Klasse zu schauen, wer gut genug fürs Gymnasium sei – und wer eben nicht.

In einer inklusiven Schule, so wie sie sich Elke Gerdes wünscht, müssten Schulen aber schon weit vor der Einschulung den Kontakt zu den Kitas in der Umgebung suchen, um zu erfahren, welche Kinder zu ihnen kommen werden. Und sich dann Fragen wie diese stellen: "Gibt es da Kinder, die große Herausforderungen haben, die wir in unserer Stadtteilschule noch nicht erfüllen können?" Für Elke Gerdes heißt das: "Wir müssen uns auf den Weg machen, die Voraussetzungen zu schaffen. Und das würde dazu führen, dass Kinder erstmal kommen können, so wie sie sind."

Inklusion bedeute, dass Schulen für alle Kinder vorbereitet seien, sagt Elke Gerdes. Für sie heißt das: Schule soll alle Kinder in ihrem Lernprozess begleiten, egal, ob sie eine Beeinträchtigung haben, ob sie nicht so gut Deutsch können, ob sie hibbelig oder hochbegabt sind. Das erfordere Mut, beim Lehrpersonal genauso wie bei den Eltern – und Unterstützung. Um genau die zu geben, gründete Elke Gerdes mit anderen erst eine Initiative und 2001 dann den Verein "Eine Schule für alle Bremen".

Letztlich ist das mein Anliegen: Wie wünsche ich es mir für mein gesamtes Umfeld, wie wir in dieser Gesellschaft leben können?

Elke Gerdes, Mitgründerin des Vereins "Eine Schule für Alle Bremen"

Elke Gerdes diskutiert mit Gewerkschaften, Schulleitungen, Bildungspolitikerinnen und -politikern, der Verein sitzt in politischen Gremien und spricht auf Diskussionsveranstaltungen. Und organisiert regelmäßig die Bremer Familien-Bildungsmatinee "Pfeiffer mit 3F". Sie sagt: "Letztlich ist das mein Anliegen: Wie wünsche ich es mir für mein gesamtes Umfeld, wie wir in dieser Gesellschaft leben können? Ich stehe nicht morgens auf, gucke in den Spiegel und sage: 'Jetzt mache ich mich nochmal richtig fit für das Ziel des Tages, ich mach' hier jetzt Politik für Inklusion', sondern ich finde das eine grundlegende Geschichte."

Ein Engagement, das auch das Vereinsteam sehr schätzt, sagt auch Martina Siemer: "Wir machen Lobbyarbeit, das ist eine anstrengende Sache. Das gibt Ihnen nicht jeden Monat, dass Ihnen auf die Schulter geklopft wird, sondern es sind ganz peu à peu Schritte, die mit anderen gemeinsam erreicht werden. Und das braucht Menschen, die ein klares Ziel vor Augen haben, und das ist bei Elke ganz zentral so." Sie schaffe es, mit viel Kraft voran zu gehen, aber die anderen dabei nicht aus den Augen zu verlieren, sagt Martina Siemer. Sich immer wieder Partner für die anstehenden Aufgaben zu suchen und den Verein zu vernetzen.

Vor kurzem hat Elke Gerdes für ihre Arbeit des Bundesverdienstkreuz bekommen. Eine Wertschätzung für eine Arbeit, mit der sie schon viel bewegen konnte zusammen mit dem Verein. Zum Beispiel, dass ihre Tochter auf dieselbe Grundschule wie ihr Bruder gehen konnte. Und auch auf eine weiterführende Schule in ihrem Stadtteil. So wie es sich ihre Eltern gewünscht hatten.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 27. November 2021, 13:40 Uhr